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„Etwas schaffen, das Zukunft hat“: Entwurf für das neue Kardinal-Döpfner-Haus in Freising vorgestellt

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Von: Andreas Beschorner

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Pläne vom neuen Döpfnerhaus, Domberg, Freising
In das neue Döpfnerhaus soll an der Stelle des Turms von St. Martin ein sogenannter modern gestalteter „Kuehturm“ (r.) integriert werden.  © Viisualisierung: Büro Bruno/Fioretti/Marquez

Mit dem Entwurf des neuen Kardinal-Döpfner-Hauses verabschiedet sich das Erzbistum von einem architektonisch veralteten Kirchenbild. Der Architekt nennt Details.

Freising – Dass im Jahr 1959 die Martinskapelle auf dem Domberg abgerissen wurde, um dem Bau eines Priesterseminars Platz zu machen, bezeichnet die Denkmalpflege noch heute als „Sündenfall“. Der am Montagnachmittag von Architekt Piero Bruno vorgestellte Entwurf eines Neubaus des Kardinal-Döpfner-Hauses soll diese alte Wunde heilen. Denn in das neue, fünfgeschoßig geplante KDH soll an der Stelle des Turms von St. Martin ein sogenannter modern gestalteter Kuehturm integriert werden. Das ist nur eine Maßnahme, die den Domberg als „komplexes Gefüge gebauter Veränderung“ und als sich öffnendes Ensemble ins 21. Jahrhundert führen soll, wie es Generalvikar Christoph Klingan ausdrückte.

Ein Fehler, der jetzt behoben werden soll

Es sei „eine nicht gerade einfache Aufgabe“, der man sich da zu stellen habe, gab Bruno zu. Denn es gelte bei der Umgestaltung, „nicht dem Verlorenen nachzuweinen“, sondern die Potenziale des Mons doctus zu erkennen. Vor allem die im 18. Jahrhundert beginnende „Dekadenz“, die die fürstbischöfliche Residenz in ihrer Bedeutung immer mehr „herunterstufte“, so Bruno, sei ein Problem. Das habe schon mit dem Seidl-Bau von 1902 begonnen und sich mit dem soeben abgerissenen Haindl-Bau des KDH fortgesetzt – ein Fehler, den man jetzt, wie berichtet, durch die neue Planung heilen wolle.

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Heilen ist auch die Absicht, was die Sanierung der Residenz betrifft, mit der das Büro Bruno/Fioretti/Marquez beauftragt wurde. Dabei beantwortete Bruno die wichtige Frage, ob man den früheren sogenannten Steinernen Saal wieder rekonstruieren solle, mit einem klaren Ja: „Das Gebäude braucht diesen Saal. Das ist ein besonderer Raum.“ Damit einhergehend soll auch die künftige Durchwegung aller Gebäude vom neuen KDH über den Zwischenbau und die Residenz bis zum Fürstengang gewährleistet werden.

Pläne vom neuen Döpfnerhaus, Domberg, Freising
Im Mittelpunkt standen die Pläne für das neue KDH: Architekt Ludwig Wappner (l.), der das Kolloquium moderierte, und Architekt Rudolf Hierl, der Vorsitzende des Gestaltungsbeirats der Stadt. © Lehmann

Die Instrumente, mit denen Bruno seinen Entwurf gestaltet hat, sind zum einen das Gestaltungshandbuch der Stadt Freising und zum anderen der Masterplan Domberg aus dem Jahr 2019. Und schon daran erkannte man, dass Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher mit seiner Aussage, hier gehe es um eine „enge Verzahnung von unten und oben“, also von Innenstadt und Mons doctus, den Nagel auf den Kopf traf.

Generalvikar mahnt das richtige Maß an

Aus Sicht des Erzbistums wiederholte Generalvikar Klingan, dass die Geschichte dieses im Bistum einzigartigen Ortes durch Aufbruch und Innovation fortgeschrieben werden solle. Das alte, jetzt abgerissene KDH sei schon zur Zeit seiner Errichtung „aus der Zeit gefallen“. Man habe damals etwas bewahren wollen, was es schon gar nicht mehr gegeben habe. Die Kirche heute sei keine triumphierende, sondern „eine um Glaubwürdigkeit ringende, angegriffene Kirche“. Für die aber immerwährende Botschaft der Kirche, zum Heil der Menschen da zu sein, brauche es Orte wie den Domberg. Jetzt wolle man „etwas schaffen, das Zukunft hat“.

Dabei gelte es aber, „das richtige Maß zu finden“, wie es Michael Schmidt, Gebietsreferent am Landesamt für Denkmalpflege, am Montag ausdrückte. Man müsse aufpassen, den Domberg als Projektionsfläche vieler Aufgaben nicht zu „überfrachten“. Und so eröffne auch der geplante Neubau des KDH Chancen, „aber nur, wenn es gelingt, Maß zu halten“. Der entscheidende „Erfolgsparameter“ sei es, die sanierte Residenz und den Neubau „zu versöhnen“.

Pläne vom neuen Döpfnerhaus, Domberg, Freising
So sollen künftig die Zimmer im Neubau des Bildungszentrums am Domberg aussehen. © Viisualisierung: Büro Bruno/Fioretti/Marquez

Welche Funktionen der Domberg seit dem achten Jahrhundert bereits erfüllt hat, legte Stadtarchivar Florian Notter dar: Bis 1803 als Regierungssitz des Fürstbischofs ein Ort der Spiritualität, zwischen 1803 und 1970 ein Ort der Spiritualität und Bildung und seit 1970 ein Ort der Spiritualität, der Bildung und der kulturellen Vermittlung. Wichtig: Die Struktur des gesamten Dombergs sei bis heute stark von den ursprünglichen Nutzungen und Nutzern geprägt, trotz klarer Brüche in der Historie und Baugeschichte sei die vor 1803 ausgebildete Struktur nach wie vor maßgeblich.

Und noch etwas betonte Notter: Man dürfe die Funktion und die Wichtigkeit des Domplatzes und des nördlich der Residenz gelegenen Domberg-Angers mit seiner von Fürstbischof Johann Franz Eckher angelegten Allee nicht unterschätzen.

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