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Riesenapplaus gab’s beim Auftritt von Johannes Becher als Claudia Roth. Das Original im Publikum der Gründonnerstagung amüsierte sich darüber prächtig.

Gründonnerstagung im LIndenkeller

Die doppelte Claudia

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Freising: Ach, wie fand Claudia Roth das schön, dass so viele Leute gekommen waren. Und zwar sowohl die leibhaftige Claudia Roth als auch die „Claudia Roth“ im Singspiel. Die doppelte Claudia – nur ein Höhepunkt der Gründonnerstagung

Die Bundestagsvizepräsidentin kommt, die Landesvorsitzenden kommen, Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowieso, sogar der Freisinger OB – obwohl nicht „grün“ – kommt inzwischen, wenn die Freisinger Grünen zur Gründonnerstagung laden. Das liegt nicht nur an Käse und grüner Suppe, sondern vor allem am Singspiel.

Jetzt ist auch schon der Lindenkeller fast zu klein, wenn das spitzzüngige Kabarett mit Gesang aus der Feder von Johannes „Jojo“ Becher und Toni Wollschläger zur Aufführung kommt, mal satirisch, mal ironisch, mal nachdenklich bayerische Politprominenz durch den grünen Kakao zieht. Heuer ist man auf dem „Güllemoos 2016“, wo die Schweinersdorfer Zipfeklatscher zünftig aufspielen. Es treten auf: 1. Markus Söder (Johannes Becher), gottgleicher Franke, dem sein Gefolge mit Palmwedeln Luft zufächert, für den die Straubinger Grenzzaunhalbe „ein Bier mit Charakter“ ist und der nur einen Leitspruch kennt: „Mööööche die Machd mid MIR sein!“ 2. Horst Seehofer (Toni Wollschläger), der den Nordafrikanern zuruft „So nicht“ und der erklärt, warum es in Bayern keine sexuelle Gewalt gibt: Weil „bei uns“ der bayerische Mann von Natur aus ein anderes, natürliches Verhältnis zu Frauen pflegt. „Eine Ehefrau hat nicht nur Rechte . . . 3. Politiker Krautmeier (alias Franz Spitzenberger), unterwürfig, kriecherisch, der alles tun würde, um Minister zu werden. 4. Hubsi Aiwanger (Sebastian Habermeyer), der an alle AfD-Wähler appelliert, doch das Original, also die Freien Wähler, zu wählen. Und der das neue FW-Parteilied intoniert: „Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich!“ 4. Immer wieder eine SPD-Dame (Ruth Bosse), deren Namen man nicht so genau kennt – Kohnen, Wohnen, Klonen, Kronen, Drohnen? Irgendwie so. 5. Die Petry Heil (Susanne Hehnen), der ihre Jünger ein „Heil Petry!“ zurufen und die Thesen verbreitet, dass dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt: „Wenn Menschen an Grenzen erschossen werden müssen, dann müssen diese Menschen auch selbst schuld daran sein!“

Dann singt auch sie. Und was? Genau, den Hit von Wolfgang Petry: „Ich bin Wahnsinn, ich schick Euch zurück in die Hölle!“ Dazwischen steht immer wieder Caro Hofer als Müllfrau auf der Bühne: „So ein Dreck überall“, sagt sie und singt gegen Fremdenhass an. Man darf nachdenklich werden. Und das ist gut so. Denn gerade noch hatte Jojo Becher als die über alles und jeden wahnsinnig begeisterte und erboste Claudia Roth seinen Auftritt: „Ich war neulich erst auf einer Fläche! Und die wurde verbraucht!“ Claudia Roth selbst, also die echte Claudia Roth, amüsiert sich prächtig. Eineinhalb Stunden zuvor hat sie mahnend ihre Vision eines Bayern entworfen, in dem Europa und die Werte Europas verteidigt werden, in dem es keine Zäune gibt und in dem es sich ohne die „unglaubliche Miesmacherei der CSU“ zu leben lohnt. Vor ihr wiederum hat Christian Magerl auf der Bühne gestanden, hat sein „Ceterum censeo“ verkündet, dass es keinen Bedarf für die Startbahn gebe, und sich gefragt, wo eigentlich – als Gegenreaktion zu der Aktion Erwin Hubers – die Unterschriftensammlung des Florian Herrmann pro Seehofer und gegen die Startbahn sei? Das Singspiel hat eine Antwort darauf gegeben: nirgends. Denn Herrmanns Verhalten sei „pure Feigheit“. Der Herrmann Florian, das sei doch „ein Lätschnbene“. Sagt Seehofer.

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