Das Direktmandat verteidigt hat Erich Irlstorfer (l., CSU) - hier neben Landrat Helmut Petz. Am Bildschirm: Pressesprecherin Eva Zimmerhof.
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Das Direktmandat verteidigt hat Erich Irlstorfer (l., CSU) - hier neben Landrat Helmut Petz. Am Bildschirm: Pressesprecherin Eva Zimmerhof.

Wahlabend im Landkreis

Das gab es noch nie: Drei Abgeordnete aus Freising ziehen in den Bundestag ein, ein vierter könnte folgen

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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  • Helmut Hobmaier
    Helmut Hobmaier
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Das hat es bis dato noch nie gegeben: Drei Kandidaten aus Freising haben den Einzug in den Bundestag geschafft. Und ein vierter könnte folgen.

Landkreis – Der Rückenwind der Partei trägt Andreas Mehltretter (SPD) nach Berlin. Der 29-jährige gebürtige Moosburger wird wohl der dritte Abgeordnete des Wahlkreises 214 in Berlin sein – neben Erich Irlstorfer (CSU) und Johannes Huber (AfD). Irlstorfer konnte sein Direktmandat verteidigen, musste aber erneut schwere Verluste hinnehmen – ebenso wie Huber und die AfD. Chancen hat auch Leon Eckert (Grüne), über die Liste in den Bundestag einzuziehen. Dann wäre der Wahlkreis in Berlin mit vier Abgeordneten vertreten – das gab es noch nie.

„Ich bin drin“, sagte am Sonntag gegen 22 Uhr ganz lässig Andreas Mehltretter, nachdem sich das gute Bayern-Ergebnis der Genossen verfestigt hatte. Mehltretter, der als Direktkandidat mit 13,5 Prozent der Stimmen das zweitbeste Wahlkreis-Ergebnis erzielte, war auf Platz 15 der Bayern-SPD angetreten – etwa 20 Genossen werden in den Bundestag einziehen. Der 29-Jährige, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, geht davon aus, dass die SPD den Regierungsauftrag hat.

Für den neuen Mann stehen in Kürze die ersten Sitzungen an

„Anschieben“ will er jetzt in Berlin und sich dafür einsetzen, „dass wir in Deutschland den Sozialstaat wieder aufrichten“. „Da geht es um eine gute Gesundheitsvorsorge, um stabile Renten und um die Energiewende, die wir endlich anpacken müssen.“ Andreas Mehltretter will sich aber auch dafür stark machen, „dass wir hier in der Region gute Jobs haben“. Das sei angesichts der „großen Transformation“, die anstehe, immens wichtig. Als Erstes will sich der SPD-Mann jetzt um eine Zweitwohnung in Berlin kümmern – „in Kürze stehen die ersten Sitzungen an“.

Erstmals nach 32 Jahren ist wieder ein Sozialdemokrat aus dem Landkreis in Berlin: Riesenfreude bei Andreas Mehltretter (29) - am Sonntagabend im Kreise der Genossen.

Das Direktmandat bleibt freilich in den Händen der CSU: Auch wenn Erich Irlstorfer abermals Verluste hinnehmen musste und schlussendlich bei 36,2 Prozent der Erststimmen landete (2017 konnte er noch 43 Prozent verbuchen – und das war schon ein Minus von 11,1 Prozent gegenüber 2013), war sein Sieg im Rennen um das Direktmandat nie gefährdet. Ob die Erleichterung, es wieder geschafft zu haben, oder die Enttäuschung über das schlechte Wahlergebnis überwiege? Es wäre „vermessen“ gewesen, so Irlstorfer, angesichts starker Konkurrenz vor allem auch durch den FW-Kandidaten und angesichts einer schwierigen Gesamtsituation ein ähnlich gutes Ergebnis wie die beiden letzten Male zu erwarten.

Irlstorfer: „Man gewinnt zusammen, und man verliert zusammen“

Dass die Union bundesweit doch noch etwas aufgeholt habe, führte Irlstorfer auf einen „guten Endspurt“ zurück. Aber selbstverständlich sei es nicht der Anspruch der CSU in Bayern, bei 32 oder 33 Prozent zu landen. Dass man im Landkreis kein Wahlplakat von Armin Laschet entdecken konnte, kommentierte Irlstorfer so: Man habe seine eigenen Plakate verteilt und ansonsten „nicht so plakatiert, wie man das vielleicht bei einem Kanzlerkandidaten aus Bayern gemacht hätte“.

Irlstorfer betonte allerdings, wer jetzt versuche, das schlechte Resultat der Union an einer einzigen Person festzumachen, der liege falsch: „Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen.“ Dass es jetzt noch ein lange Nacht, vielleicht auch lange Wochen werden, bis er weiß, ob er einer Regierungs- oder einer Oppositionspartei angehören wird, ist Irlstorfer klar.

Huber (AfD) verteidigt Bundestagsmandat und verspürt Rückenwind

Für den dritten Mann aus Freising, der im Bundestag sitzen wird, ist jetzt schon ganz klar, dass er Opposition sein wird: Johannes Huber, der 9,4 Prozent der Erststimmen erzielte und es über die Landesliste wieder in den Bundestag geschafft hat. Huber sah zunächst einmal „einen historischen Verfall der ehemaligen Volksparteien CDU/CSU und SPD“. Dass die AfD mit rund 90 Mandaten wieder in den Bundestag einziehe, bewertet er als „anhaltendes Verlangen der Bürger nach einer demokratischen Alternative“.

Daumen hoch: Trotz Stimmverlusten ist Johannes Huber (AfD) wieder im Bundestag.

Dass er dieses Mal – anders als 2017 – wohl mehr Erststimmen einheimsen konnte als seine Partei im Wahlkreis, interpretiert Huber als Zustimmung zu seinem „Einsatz für die Familien und Kinder während der Lockdown-Krise“ auch bei Nicht-AfD-Wählern. In Berlin werde er weiter im Petitionsausschuss „für die akuten Bitten der Bürger eintreten“. Sein Fazit: „Ich freue mich sehr, dass die Bürger zusammen mit der AfD Bayern mich wieder im Bundestag in der Opposition sehen wollen“.

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