Nikolaus Windisch, Chef der Arbeitsagentur Freising.
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Analysierte die Lage des Arbeitsmarkts im Agenturbezirk nach einem Jahr Corona-Pandemie: Nikolaus Windisch, Chef der Arbeitsagentur Freising.

„Stellt alles in den Schatten“

Ein Jahr Corona-Lockdown: Arbeitsagentur Freising zieht schonungslos Bilanz

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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„Eine Situation, die alles in den Schatten stellt“: Der Chef der Freisinger Arbeitsagentur zieht Corona-Bilanz. Sie fällt bitter aus.

  • Am 22. März vor einem Jahr hat der Lockdown das öffentliche Leben im Landkreis Freising zum Stillstand gebracht.
  • Kurz darauf ist die Arbeitslosigkeit sprungartig gestiegen.
  • Nie zuvor waren so viele Menschen in Kurzarbeit.

Landkreis – Es ist der 22. März 2020, an dem die Corona-Pandemie das öffentliche Leben zum Stillstand bringt: Der erste Lockdown tritt in Kraft, es gelten Kontaktverbote, Restaurants und Geschäfte müssen schließen. „Die Auswirkungen der Pandemie im Frühjahr 2020 waren unmittelbar auf dem regionalen Arbeitsmarkt spürbar.

Betroffen waren nahezu alle Wirtschaftszweige und Personengruppen“, resümiert Nikolaus Windisch, Chef der Agentur für Arbeit Freising. „Wir hatten quasi über Nacht eine Situation in punkto Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, deren Dimension alles in den Schatten stellte, was wir bisher aus Krisen kannten. Und ein Ende ist bisher nicht wirklich absehbar.“

Arbeitslosigkeit steigt extrem an

Es ist der sprunghafte Anstieg der Arbeitslosigkeit, der den Beginn der Pandemie verbildlicht: Von März auf April 2020 stieg die Zahl der Arbeitslosen in den Landkreisen Freising, Erding, Dachau und Ebersberg von 7379 auf 9335 Personen an. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von zwei Prozent im März auf 2,6 Prozent im April 2020 – und stieg bis August 2020 auf einen Wert von drei Prozent an. Die Lockerungen im Sommer und Herbst führten daraufhin zu einer leichten Erholung auf dem Arbeitsmarkt.

Der zweite Lockdown ließ, zusammen mit der saisontypischen Winterarbeitslosigkeit, die Quote wieder steigen: Im Februar 2021 errechnete sich für den Agenturbezirk eine Arbeitslosenquote in Höhe von 3,1 Prozent. Im Februar des Vorjahres lag diese noch bei 2,2 Prozent. Insgesamt waren im Februar 2021 somit 11 506 Personen auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle, 3495 Frauen und Männer mehr als zwölf Monate zuvor.

Die Personalnachfrage bricht deutlich ein

Die Arbeitslosigkeit stieg, die Nachfrage nach Personal brach deutlich ein: Befanden sich im Februar 2020 noch 4739 Arbeitsangebote im Stellenpool der Agentur für Arbeit, so waren es im Februar 2021 1064 Stellen weniger, meldet die Arbeitsagentur. Dies entspricht einem Rückgang von minus 22,5 Prozent. „Die verhaltene Personalnachfrage ist ein Effekt der Pandemie, der uns noch längerfristig beschäftigen könnte: Viele Betriebe werden je nach Bedarf erst einmal die Kurzarbeit reduzieren oder beenden, bevor sie an Neueinstellungen denken“, erklärt Nikolaus Windisch.

Etwas Hoffnung macht, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften zuletzt wieder zunahm – die Arbeitgeber meldeten der Freisinger Arbeitsagentur im Februar 2021 insgesamt 898 neu zu besetzende Stellen in den vier Landkreisen, das waren 223 Angebote mehr als noch zu Beginn des Jahres 2021 (plus 33 Prozent).

Kurzarbeit stützt den Arbeitsmarkt

Der massive Einsatz von Kurzarbeit – unter anderem in den Bereichen Verkehr und Lagerei, im Handel und im Gastgewerbe – stabilisierte in den letzten Monaten den Arbeitsmarkt. Entlassungen konnten dadurch vielfach vermieden werden. In den Monaten März 2020 bis Februar 2021 sind von rund 7880 Betrieben vorsorglich Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für rund 107 850 Mitarbeiter bei der Agentur für Arbeit Freising eingegangen. Die detaillierten Auswertungen zur realisierten Kurzarbeit zeigen, dass zu Beginn der Pandemie im März 2020 in den Landkreisen Freising, Erding, Dachau und Ebersberg in 1918 Betrieben tatsächlich kurzgearbeitet wurde. Betroffen waren 16 310 Männer und Frauen.

Den bisherigen Höchststand erreichte die Zahl der Kurzarbeitenden im April 2020. Damals wurde in 4063 Betrieben im Agenturbezirk tatsächlich kurzgearbeitet. Betroffen waren 47 344 Mitarbeiter. Die aktuellsten vorliegenden Zahlen zur Kurzarbeit sind aus dem Monat Oktober 2020: Im Herbstmonat wurde in 1812 Betrieben tatsächlich kurzgearbeitet. Insgesamt waren 23 291 Beschäftigte betroffen.

Ausbildungsmarkt für Jugendliche ist ein Lichtblick

Die Azubis von heute sind die begehrte Fachkraft von morgen – Corona hin oder her. Das wissen auch die regionalen Betriebe und halten an ihrer hohen Ausbildungsbereitschaft fest. Entgegen dem bayern- und bundesweiten Trend hat die Zahl der zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 gemeldeten Ausbildungsstellen im Bezirk der Agentur für Arbeit Freising im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar leicht zugenommen (plus 20 Stellen). Die jungen Menschen konnten zuletzt aus 2327 bei den regionalen Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsstellen auswählen.

„Die Zahlen sind aktuell vergleichsweise gut“, erklärt Nikolaus Windisch. „Jugendliche, die noch keine berufliche oder schulische Perspektive für den Herbst haben, sollten sich jetzt beraten lassen.“ Junge Leute aus den Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding und Freising können sich unter Tel. (0 81 61) 1 71-510 zur Berufsberatung anmelden. Die Gespräche finden telefonisch oder via Videokommunikation statt.

Agenturchef rät Arbeitslosen, „am Ball zu bleiben“

Wie sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten gestalten wird, ist schwer vorherzusehen, da dies stark von der Entwicklung der Pandemie abhängen wird. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostizierte im Herbst 2020, dass im Jahr 2021 in den Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding und Freising insgesamt durchschnittlich 11 000 Männer und Frauen arbeitslos sein werden. „Für alle von der Krise Betroffenen ist es ganz wichtig, am Ball zu bleiben, nicht aufzugeben, neue Perspektiven zu entwickeln“, betont Nikolaus Windisch. „Zeiten der Arbeitslosigkeit können beispielsweise für Qualifizierungen genutzt werden. Die Agenturen für Arbeit unterstützen auch berufliche Weiterbildungen während der Kurzarbeit.“

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