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Bei einer Großübung der Feuerwehren Hallbergmoos und Goldach mimte die Freisingerin eine Verletzte.

Auszeichnung für Carina Wüst (16)

Ein Mädchen beim THW Freising:  „Ich habe mir den Respekt erarbeitet“

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Mehr als 1000 Stunden hat sich Carina Wüst jeweils in den beiden vergangenen Jahren für das THW engagiert – und wurde dafür ausgezeichnet. Amtsmüde ist die 16-Jährige aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Das Beste kommt für sie erst noch.

Freising – Die Leidenschaft fürs THW hat Carina Wüst geerbt. Ihr Vater Michael ist nicht nur langjähriger Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks in Freising, sondern seit diesem Jahr auch stellvertretender Landessprecher. Von Kindesbeinen an war Carina mit dabei, wenn beim THW geübt oder gefeiert wurde. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt, mit zwölf Jahren, wurde sie Junghelferin. „Mich hat es schon immer fasziniert, mit technischem Gerät zu arbeiten und dabei zugleich Menschen helfen zu können“, berichtet die 16-Jährige. Vor allem der Scherenspreizer hat es ihr angetan. „Ihn einzusetzen, macht mir besonders Spaß.“

Beim Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft in Erding unterstützte Carina Wüst ihre THW-Truppe.

Dass es einem Freude bereitet, mit einem Gerät zu arbeiten, mit dem Menschen aus Autowracks geschnitten werden, hört sich befremdlich an. Doch Carina Wüst darf das so sagen. Denn noch operiert sie nur in Übungen mit dem hydraulischen Spreizer. Mit ihren 16 Jahren ist es ihr nämlich noch nicht erlaubt, zu Ernsteinssätzen mitzukommen. „Wenn bei Papa der Piepser geht, kann ich nicht mit“, bedauert sie – und wartet ungeduldig auf ihren 18. Geburtstag. Denn dann ist sie volljährig und kann sie in den THW-Dienst übernommen werden – sofern sie zuvor die Ausbildung erfolgreich gemeistert hat. Wo sie hin will, weiß sie schon: „Am liebsten zur Bergungsgruppe.“

Dass der Ernstfall noch auf sich warten lässt, heißt aber nicht, dass für Carina Wüst nur eine der vielen tausend Stunden Einsatz beim THW öde gewesen wäre. Zwischen Übungen, Jugendlagern und anderen Ausflügen ist kein Platz für Langeweile. Wie vielseitig ihre Aktivitäten sind, zeigen die Bilder, die sie zu ihrem Redaktionsbesuch mitgebracht hat: Carina im Kreise ihrer Mitstreiter beim Aufbau einer Seilbahn für einen Schleifkorb, mit dem Verletzte aus großer Höhe abgeseilt werden – etwa beim Einsturz eines Hauses. Carina als Verletzte mit Halskrause bei einer Großübung der Feuerwehren Hallbergmoos und Goldach. Und Carina, lachend, die Zahnspange aufblitzen lassend, beim Verschrauben von Brettern. „Das war beim Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft in Erding“, erzählt sie. Denn manchmal darf sie eben doch mit zu einem richtigen Einsatz. „Dann, wenn es für mich nicht gefährlich werden kann.“

Eine Seilbahn für einen Korb, mit dem Verletzte abgeseilt werden, hat Carina (3. v. l.) auch schon mit aufgebaut.

Bei so viel Engagement fürs THW bleibt kaum noch Zeit für andere Freizeitaktivitäten. Sollte man meinen, stimmt aber nicht. Wo auch immer die Zehntklässlerin der Freisinger Wirtschaftsschule die Zeit hernimmt – zweimal pro Woche absolviert sie noch ein Leichtathletik-Training. Im Januar macht sie einen Kurs zum Sanitäter beim BRK. Und nach ihrer Lehre als Mechatronikerin will sie zur Berufsfeuerwehr.

Mehr als 1000 Stunden ehrenamtliches Engagement für das THW – das ist auch Sozialsekretär Johannes Hintersberger aufgefallen, der kürzlich 15 Personen mit dem Ehrenamtsnachweis ausgezeichnet hat. Für den Bereich Zivil- und Katastrophenschutz ging die Würdigung an Carina Wüst. „Ich wusste gar nicht, dass es diese Auszeichnung gibt“, berichtet sie und lacht. „Aber sie bedeutet mir viel, weil sie ein großes Dankeschön in einem besonderen Rahmen war.“

Da ist sogar der Papa stolz, der sonst bei seiner eigenen Tochter eher auf Understatement macht. „Als ich beim THW angefangen habe, hat er gesagt, ich soll ja nicht die Prinzessin spielen“, erzählt sie. „Das habe ich natürlich auch nicht gemacht, weil ich dann bei meinen Kollegen ins offene Messer gelaufen wäre.“ Und überhaupt: Für ein Mädchen, das von Klein auf lieber mit Lego als mit Puppen gespielt hat, kommt die Rolle der Prinzessin ohnehin nicht in Frage.

Eine Ausnahmestellung in der Freisinger THW-Jugend hat sie nicht, weil sie die Tochter des Chefs ist, sondern weil sie bei fast 20 Jugendlichen in der Gruppe das einzige Mädchen ist. „Das war nicht immer leicht“, resümiert sie. „Aber ich habe mir den Respekt erarbeitet.“ Vor drei Wochen wurde sie von den Jungs zur Jugendsprecherin gewählt.

Trotzdem würde sie sich über weibliche Verstärkung freuen. „Vielleicht liest das ja ein Mädchen und leistet mir Gesellschaft“, hofft Carina Wüst. „Es lohnt sich: Die Jungs mögen manchmal chaotisch sein, aber wir sind eine tolle Mannschaft.“

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