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Als Johann Lang das Isartor zeichnete, stand bereits fest, dass es abgerissen würde – was 1864 geschah. 

Das Archivstück des Monats Juni

Eine Rarität: Der Aufriss des Isartors

Ein besonderer Schatz aus dem Stadtarchiv ist eine Zeichnung des im Jahr 1864 abgebrochenen Isartors, das am Ende der Unteren Domberggasse stand. Der Fassadenaufriss ist eines der ganz wenigen erhaltenen Dokumente der Freisinger Stadtbefestigung.

Freising – Es gibt nur wenige Themen zur Freisinger Stadtgeschichte, die in der öffentlichen Wahrnehmung so präsent sind wie die historische Stadtbefestigung. Ihre im Lauf des 18. und 19. Jahrhunderts überwiegend zerstörten Bestandteile (Wehrmauer, Graben, Türme und Tore) waren seit den 1920er Jahren vielfach Gegenstand von Ausstellungen, Vorträgen oder kurzen heimatkundlichen Beiträgen. Generationen von Grundschulkindern mussten die Namen und Standorte der Stadttore lernen (im Stadtmuseum gibt es inzwischen sogar einen Stadttor-Bastelbogen). Auch der Freising-Besucher, der an einer Stadtführung teilnimmt, kommt den Spuren und Überresten der Stadtbefestigung in der Regel nicht aus.

Die konstante Popularität des Themas steht allerdings im Gegensatz zur wissenschaftlichen Aufarbeitung. Denn eigentlich ist über die Freisinger Stadtbefestigung relativ wenig bekannt: Nichts über eine mögliche Vorgänger-Befestigung, kaum etwas über die Entstehungsumstände der Befestigung im Spätmittelalter; kaum etwas über die militärische Bestückung. Selbst der genaue Verlauf und der Befestigungsgrad insbesondere an der ost- und südseitigen Stadtgrenze sind unklar. Klärung bestünde zum Beispiel auch im Hinblick auf organisatorische Fragen wie die konkrete Zuständigkeit der Stadt beziehungsweise des Hochstifts oder die Funktion der Tore als Zolleinnahmestellen. Auch die Abbruchphase der Befestigung im 19. Jahrhundert, zu der es vergleichsweise geschlossene Akten- und Planbestände gibt, wurde bisher kaum untersucht. Neben zwischenzeitlich verwertbaren archäologischen Quellen müsste sich eine Auswertung besonders auf die schriftlichen Quellen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, im Staatsarchiv München sowie im Stadtarchiv Freising stützen.

Ein kleines Puzzleteil stellt in diesem Zusammenhang die vorliegende Planzeichnung dar (siehe Abbildung): ein Fassadenaufriss des Freisinger Isartors von 1863. Johann Lang, Bauassistent am königlichen Landbauamt Freising, hat ihn im Auftrag des Stadtmagistrats gefertigt. Der Plan zeigt das Isartor, das am äußeren Ende der Unteren Domberggasse beziehungsweise der Heiliggeistgasse stand, von seiner Außenseite, also von Südosten her. Das Pendant, der Aufriss der Innenseite, hat sich ebenfalls erhalten. Da es zum Tor keine anderweitige exakte visuelle Darstellung (auch keine Fotografie) gibt, kommt den beiden Plänen eine hohe stadtgeschichtliche Bedeutung zu.

Dem Aufriss nach handelte es sich beim Isartor um eines der kleineren der insgesamt sechs Freisinger Stadttore. Neben dem Torgeschoss mit einer spitzbogigen Toröffnung besitzt das Gebäude nur mehr ein weiteres Vollgeschoss. Darüber setzt das steile Satteldach an, dessen Giebelseiten mit relativ einfach gestalteten Rechteckzinnen versehen sind (eine ganz ähnliche Giebelgestaltung findet sich heute noch am Domberg-Osttor). Nordöstlich (rechts) schließt ein kleineres Gebäude mit einer Fachwerkkonstruktion an, südwestlich (links) ein etwas höheres Haus, in dem sich die Wohnung des Torwärters befindet. Dahinter zieht sich das (bis heute erhaltene) Teilstück der Stadtmauer den Domberg bis zum Turm der Domdechantei (jetzt Amtsgericht) hinauf.

Als Johann Lang die Pläne im Dezember 1863 zeichnete, war bereits klar, dass das Tor fallen würde. Ein halbes Jahr später war es soweit.

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