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Ein Herz und eine Seele waren Paula Weber-Schäfer und Adolf Schäfer. Der spätere Ehrenbürger und Alt-OB von Freising heiratete „seine Paula“ im Jahr 1988

Die Bürger der Domstadt trauern um die 77-Jährige

Eine starke Freisingerin: Nachruf auf Paula Weber-Schäfer

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Sie war eine starke Frau, eine starke Persönlichkeit, eine starke Freisingerin: Paula Weber-Schäfer (77). Jetzt hat ihr Herz aufgehört zu schlagen.

Freising – Selbstbewusst, ihr Lebtag lang sozial engagiert und ausgestattet mit einem unverwüstlichen Humor, hatte die gebürtige Freisingerin stets ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen ihrer Mitbürger und Freunde. „Die Weber Paula“, wie sie zeitlebens – auch nach der Hochzeit mit dem einstigen Alt-OB und Ehrenbürger Adolf Schäfer im Jahr 1988 – genannt wurde, war aber nicht nur Freisingerin, sondern ist ein Stück Freisinger Stadtgeschichte geworden.

Früh lernte Paula Weber-Schäfer, sich durchzusetzen und Verantwortung zu übernehmen – das heißt: Sie musste es lernen. Denn die Tochter des Freisinger Spediteurs Josef Weber jun. und seiner Frau Katharina verlor ihre Eltern sehr früh. So musste sie, 27 Jahre jung, 1968 die Firma übernehmen. „Im Möbelgewerbe wie im Leben zählen Taten, keine hohlen Sprüche“, sagte sie einmal im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen. Ja, die Paula war keine Frau von Plattitüden und Unverbindlichkeiten: Mit Hartnäckigkeit, aber auch Diskretion und großem Elan packte sie jede ihrer Lebensaufgaben an und löste sie. Probleme gab’s für die Freisingerin eigentlich nicht, Wege zur Lösung dagegen immer. Und gerade um ihren Mitbürgern aus Notlagen zu helfen, setzte sie, wenn es geboten war, alle Hebel in Bewegung, die sie zur Verfügung hatte.

Freising stets im Fokus: Für ihre geliebte Heimatstadt Freising setzte sich Paula Weber-Schäfer Zeit ihres Lebens ein. Vor allem die Senioren vertrat sie auf den vielen Ebenen des sozialen Gefüges von Stadt und Region Freising

Vor allem dem sozialen Miteinander hatte Paula Weber-Schäfer ihr Schaffen gewidmet. Sie war Brückenbauerin zwischen den Generationen, setzte sich für Junge genauso ein wie für die Senioren ihrer Heimatstadt. Ihr „scharfer Verstand und ihre Geradlinigkeit“ haben sie „zu einer starken Anwältin für die Schwachen werden lassen, die nicht den Mut oder die Kraft haben, sich selbst zu äußern“, hob einmal der heutige Alt-OB Dieter Thalhammer hervor. Und das tat sie: In jahrzehntelangem Engagement als Stadt- und Kreisrätin kämpfte sie für ihre Bürger und hakte unermüdlich nach, wenn sie Ungerechtigkeiten roch.

Die Paula packte an und half, wo sie konnte

Im Jahre 1991 stand die Umwandlung der Spedition in eine GmbH mit der Bezeichnung „Paula–Weber–Schäfer GmbH“ an. Dabei zeigte sie ebenfalls Kante – auch wenn es ihr ein bisserl schwerfiel. 1995 dann übernahm Thomas Berlinger als alleiniger Geschäftsführer und Besitzer die Firma. Die Paula packte aber auch künftig mit an und half, wo sie konnte. Ihre Welt, in der sie wirkte, und die sie als Stadt- und Kreisrätin der „Unabhängigen Freisinger Bürger“ sowie Freien Wähler jahrzehntelang mitgestaltete, waren Freising und der Landkreis.

Ab 1988 dann gingen der damalige Freisinger OB Adolf Schäfer und Paula Weber ein Stück ihres Lebenswegs gemeinsam: Der Rathauschef und die Geschäftsfrau heirateten. Beide fanden über die soziale Ader von Paula zusammen. Sie hatte die kranke Frau des damaligen OB viele Jahre über betreut und war ihrem Gatten während dieser schweren Zeit beigestanden.

Der Humor und die Hunde: Das waren die Markenzeichen von Paula Weber-Schäfer. Hier, bei einem Faschingsball im Asamfoyer, hatte sie ihren Wuzl dabei. Ihm folgten Flora, die kleine Susi (ein Findelkind) und zum Schluss der Vierbeiner Maxi.

„Die Paula und der Adi“: Dieses „Gespann“ prägte nicht nur viele Jahre die politische Landschaft des Kreises und der Stadt, sondern war auch auf dem öffentlichen Parkett gern gesehener Gast – sei es bei Empfängen oder Galas. Oder bei der Narrhalla Freising. Paula und ihr Mann waren Träger des Großen Bären-Ordens und halfen als Zugpferde hinter den Kulissen fleißig mit, das Narrenschiff auf Kurs zu halten. Auch beim Freisinger Presseball, wo mit Spenden nicht gespart wurde. Umso schmerzvoller war es für Paula Weber-Schäfer für immer Abschied von ihrem Gatten zu nehmen: Im Dezember 2009 starb Adolf Schäfer – ihr Adi: „Ich fühle mich wie amputiert“, sagte sie seinerzeit dem Tagblatt.

Das Theaterspiel war ihr Herzens-Hobby

Doch sie gab nicht auf, kümmerte sich weiter um die beiden Wohnsitze in Lichtenhaag (Niederbayern) und am Unteren Graben in Freising – und war aktiv bei den Freisinger Laienspielern. Denn das Theaterspiel war das Herzens-Hobby der Paula. Ob in den vielen Jahren der Ära Simon Huber und seiner Freisinger Laienspielgemeinschaft oder bis zuletzt als Gründungsmitglied der Laienbühne Freising: Viele Jahrzehnte war sie viel umjubelter Publikumsmagnet im Asamtheater, stets abonniert auf starke Frauen mit Durchsetzungskraft – wie im richtigen Leben halt.

Ihre Lebensrolle aber kam spät: Die alte Häuslerin Mariann in Thoma’s „Magdalena“, inszeniert von Adolf Gumberger in den Jahren 2005 und 2011 vor der Oberberghausener Waldkirche. Da zeigte sie einen Frauentypus, den sie so noch nie gezeigt hatte: zart, zerbrechlich, abgeklärt: „Das ging mir schon an die Nieren“, gestand sie damals.

Ihre Lebensrolle: In den Jahren 2005 und 2011 beeindruckte Paula Weber-Schäfer bei der Laienbühne Freising mit der Rolle der alten Häuslerin Mariann in Thoma’s „Magdalena“. Unter der Regie von Adolf Gumberger spielte sie zusammen mit Angela Flohr.

Besonders viel Applaus erhielt Paula Weber-Schäfer aber im Jahr 2010 für ihr ausgeprägtes soziales Engagement und ihren Einsatz im Vorstand des St.-Vinzentius-Vereins, als langjährige Heimsprecherin der Freisinger Seniorenheime und der Kirchenverwaltung St. Georg, in der sie knapp 30 Jahre lang aktiv war. Denn 2010 verlieh ihr der damalige OB Dieter Thalhammer im Rahmen eines Festakts im Stadtrat die Ehrenmedaille der Stadt Freising: „Enorme Präsenz, Geradlinigkeit, Tatkraft“, bescheinigte er ihr und lobte ihre pragmatische sowie aufrichtige Art. „Du hast etwas bewegt. Du stehst für den Lebenswert dieser Stadt.“

Noch vergangene Woche wurde Paula Weber-Schäfer nach ihrem Ausscheiden als „Kirchenpfleger“ (Paula: „So heißt das, ohne -in“) der Kirchenverwaltung St. Georg für ihr Engagement geehrt. Es sollte ihr letzter öffentlicher Auftritt sein. Im Schoß von St. Georg. Wie passend.

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