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Norbert Bürger analysiert die Lage der Künstler.

Norbert Bürger spricht Klartext

„Einige Bühnen wird’s vermutlich zerlegen“: Freisinger Künstler funkt SOS

„Das ist valentinesk“: Der Freisinger Künstler Norbert Bürger übt vehemente Kritik an bayerischen Rettungsmaßnahmen für Künstler. Seine Zukunftsprognose sieht düster aus.

Freising– Obwohl kulturelle Veranstaltungen für ganz viele Menschen zum festen Bestandteil gehören, fallen aktuell gerade die Künstler krachend durch das Raster der Corona-Hilfe. Für einige unter ihnen wird es zusehends eng – eine gute Lösung scheint noch nicht in greifbarer Nähe. Auch der Freisinger Künstler Norbert Bürger sieht die Gesamtlage eher düster.

Bürger ist eigentlich gar nicht so einfach zu erreichen: ein Künstler, der ständig „on the road“ ist und gefühlt hundert Auftritte gleichzeitig absolviert. Dieses Mal aber ruft Bürger rasch zurück: Er kommt gerade vom Joggen an der Isar. Zur aktuellen Lage hat der 52-Jährige eine klare Meinung: „Das wird noch sehr lange dauern, und einige Bühnen wird’s vermutlich zerlegen.“

Bürger: „Das ist furchtbar und total schwer für alle“

Seine Tour mit dem New Yorker Schlagzeuger Sean Noonan durch Deutschland musste ebenfalls abgesagt werden, was Bürger schon ziemlich ärgert. Auch noch völlig unklar ist, wann die Münchner Lach- und Schießgesellschaft wieder aufmachen kann – Bürger gehört dort zum festen Ensemble. „Das ist alles furchtbar und total schwer für alle“, betont der Freisinger Ausnahme-Künstler. Sicher ist er auch: „Für die kleinen Bühnen wird es eng werden, die Olympiahalle wird es überleben.“

Bürgers einziger momentaner Lichtblick ist das Vereinsheim Schwabing, oder besser gesagt, die BR-Fernseh-Übertragungen von der Münchner Kult-Bühne. Als Bühnen-Gitarrist begleitet er als „härteste Showband der Welt – Bürger from Hell“ die Mixed-Show – erst kürzlich wurden wieder vier Sendungen aufgezeichnet. Zwar ohne Publikum und ein wenig anders als gewohnt, dennoch hat es der Freisinger „total genossen“, wieder on Stage zu sein. Unter der Moderation der Kabarettistin und Schauspielerin Constanze Lindner werden auch kommende Woche wieder einige Sendungen vorgedreht.

Rettungsmaßnahmen: „Kapier das komplett nicht“

Dennoch gibt Bürger unumwunden zu: „Ich lebe jetzt halt von meinen Rücklagen, aber bis zum Ende des Jahres halte ich nicht durch.“ Sein Plan: Wohnzimmer- und Gartenkonzerte zusammen mit der Sängerin Julia Schröter. Denn auf die Unterstützung von außerhalb kann Bürger nicht vertrauen, die Anträge sind komplex und paradox: „Ich kapier das komplett nicht“, so Bürger zu jeglichen finanziellen Rettungs-Maßnahmen von Bayern oder der Künstler-Sozialkasse. „Das ist schon relativ valentinesk.“ Dabei wäre es seiner Meinung nach ganz einfach: Fix 1000 Euro im Monat für die Künstler, um die gröbsten Schäden abzuwenden.

Positiv sieht Bürger das momentane Engagement von der Kulturreferentin Susanne Günther (Bündnis 90/Die Grünen): „Eine, die weiß, wovon sie spricht und sicher das richtige tun wird.“ Sein Wunsch an die Domstadt-Politik: Freising soll sich ein Programm überlegen und Möglichkeiten für die Künstler schaffen.

Künstler sieht sich schon auf der Straße wieder

Einen direkten persönlichen Notfall-Plan für eine etwaige zweite Welle habe Bürger nicht – Online-Streamings findet er zwar grundsätzlich toll, hat aber selbst nicht wirklich Lust darauf: Es fehle einfach der direkte Kontakt zum Publikum, vor allem beim Kabarett.

Trotz aller negativen Auswirkungen bemerkt Bürger auch die andere Seite der Krise: „Es war mal wichtig, runterzufahren – außerdem sieht man jetzt: Einige sind komplett überbezahlt, andere komplett unterbezahlt.“ Er selbst hat die Zeit genutzt, um neue Stücke zu schreiben – denn plötzlich sei „Raum für Kunst“ entstanden. Im Extremfall, so Bürger abschließend, würde er halt wieder auf der Straße spielen. Als Straßenmusiker, wie alles einst angefangen hat.

Richard Lorenz

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