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In ihrem Element: Isolde Köckeis freut sich, dass ihre Boutique Maximilian in der Freisinger Innenstadt nach Wochen wieder geöffnet sein darf. 

Läden seit Ende April wieder offen

„Verlust holen wir nicht mehr rein“: So geht es Freisings Einzelhändler nach Wiedereröffnung

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Freisings Einzelhändler haben sehnsüchtig darauf gewartet: Nach sechs Wochen Schließung wegen Corona durften sie ihre Geschäfte Ende April wieder öffnen. Nun, knapp ein Monat später, ist Zeit für eine erste Bilanz.

Freising – Markus Kleindienst ist zufrieden. „Einen Ansturm gab es nicht, aber der Zulauf ist absolut okay im Vergleich zu den vergangenen Wochen“, sagt der Inhaber des Optikergeschäfts Der Brillenmacher an der Oberen Hauptstraße in Freising. Besonders motivierend sei derzeit die positive Stimmung der Kunden. Viele seien „ihrem“ Optiker auch während des Shutdowns treu geblieben. „Das ist ein schönes Gefühl.“ Seit der Wiedereröffnung freuen sich Kleindienst und sein Team darüber, „wieder eine einigermaßen normale Frequenz zu haben“. Der Optiker betont: „Noch dazu sind wir gerade direkt neben der Baustelle.“

Freilich seien die Ausfälle während der Schließung zu hoch gewesen, um sie in der kurzen Zeit bisher wieder hereinzuholen. Doch den Umständen entsprechend laufe es zufriedenstellend. „Alles andere wäre Gejammer. Und jammern möchte ich nicht.“

„Ich will nix verschreien“

Auch ein paar Häuser weiter, in der Buchhandlung Rupprecht, sind die Bauarbeiten im Zuge der Innenstadtsanierung ein Thema. „Der Andrang ist trotzdem größer als erwartet“, sagt Mitarbeiterin Vanessa Kläger. Die Kunden seien froh, wieder kommen und stöbern zu können. „Sie nehmen auch einiges mit“, sagt die Buchhändlerin. „Ich will nix verschreien, aber es läuft ganz gut.“

Über zu wenig Arbeit kann sich Friseurin Kathrin Kauffeld, die einen Salon in der Altstadtgalerie führt, ebenfalls nicht beschweren. „Es läuft super, unser Terminplan ist voll.“ Durch die zahlreichen Auflagen und die Maskenpflicht sei die Arbeit zwar deutlich anstrengender. „Aber wir sind froh, endlich wieder arbeiten zu können. Jetzt merkt man erst, wie sehr man den Beruf und die Kunden vermisst hat.“ Diesen gehe es ähnlich wie Kauffeld und ihren beiden Mitarbeiterinnen. „Jeder weiß die normalen Dinge des Lebens, wie einen Friseurbesuch, viel mehr zu schätzen.“ Kauffeld ist überzeugt: „Man kann sich gerade so wenig gönnen.“ Deshalb kämen derzeit auch Leute, die eher „Friseurmuffel“ sind.

Im Nachhinein findet die Inhaberin die Schließung „nicht so schlimm“. Am Anfang sei es schwierig gewesen, da unklar war, wie lange die Maßnahmen andauern. „Aber sechs Wochen sollte jeder gute Geschäftsführer überbrücken können.“

„Ohne Arbeit sind wir nur halbe Personen“

Raynald Klaus vom gleichnamigen Schreibwarenladen blickt mit gemischten Gefühlen zurück. „Daheim zu sein und nichts tun zu können, das war schon nervenaufreibend.“ Als er und seine Frau Elfriede ihr Geschäft an der Unteren Hauptstraße Ende April wieder aufgesperrt hatten, sei es gleich in der ersten Woche „überraschend gut angelaufen“. Klaus betont: „Ich habe treue Kunden, die froh waren, dass wir wieder da sind. Das ist schön.“

Er werde den Verlust der vergangenen eineinhalb Monate „nicht mehr reinarbeiten“. Doch der Einzelhändler mit jahrzehntelanger Erfahrung ist positiv gestimmt: „Wir sind einfach froh, dass wieder offen ist. Ohne Arbeit sind wir nur halbe Personen.“

„Die fehlenden Umsätze holen wir nicht mehr rein“

Auch Isolde Köckeis, Inhaberin der Boutique Maximilian an der Oberen Hauptstraße, freut sich, ihre Kunden wieder begrüßen zu können. „Im Vorfeld habe ich wahnsinnig viel Werbung gemacht“, berichtet Köckeis. „Ich glaube nicht, dass das Geschäft sonst wieder so gut angelaufen wäre.“ Gerade sei wirklich jedes verkaufte Kleidungsstück sehr viel wert.

Die viele Werbung sei jedoch nicht der einzige Grund für den Zulauf: „Die Leute wollen sich was Gutes tun, haben Lust auf Mode und wollen raus – gerade, wenn gutes Wetter ist.“ Köckeis freut sich auch darüber, dass die Gastronomie jetzt schrittweise öffnet. „Das zieht Besucher zu uns in die Innenstadt.“

Sie betont aber: „Die fehlenden Umsätze holen wir nicht mehr rein. Viele Einzelhändler müssen einen Kredit aufnehmen.“ Die Soforthilfen der Regierung seien „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Aktuelles im Landkreis Freising

Am Montag geht‘s los: In Freisings Oberer Hauptstraße beginnen die Arbeiten zur Neugestaltung der Innenstadt samt Öffnung der Stadtmoosach. DieInfos zu Straßensperrungen und Umleitungen gibt es hier.

Florian Kreilinger ist ein Gemüsebauer aus Goldach aus vollster Überzeugung. Die Corona-Krise hat ihm beruflich bislang nicht geschadet. Doch der Landwirt hofft auf ein Umdenken der Bevölkerung.

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