„Roxette“-Superstar Marie Fredriksson ist tot - Todesursache ist bekannt 

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Begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg: Auszubildende Elena Niedermeier und Oliver Wolfhard, Leiter des Bestattungsunternehmens Wimmer in Freising.

Sie möchte mit dem Tabu Tod brechen

Der Tod füllt ihr Leben: Elena macht eine Ausbildung zur Bestatterin

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Ihre Arbeit beginnt dort, wo das Leben endet: Elena Niedermeier absolviert eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. In einer Gesellschaft, die den Tod oft verdrängt, möchte sie dazu beitragen, das Sterben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. 

Freising – Rotbraune Haare, beigefarbener Pulli, bunte Festivalbändchen am Handgelenk: Elena Niedermeier erfüllt nicht gerade das Klischee vom mürrischen Boandlkramer, das dem Beruf des Bestatters oft anhaftet. Die 17-Jährige aus Bruckberg, die seit September als erster Lehrling überhaupt beim Freisinger Bestattungsinstitut Wimmer arbeitet, verkörpert eine neue Generation. Sie möchte mit dem Tabu Tod brechen.

„Ich denke, die Seele existiert weiter“

„Ich finde es nicht gut, dass sich niemand damit auseinandersetzen will“, sagt Elena. „Dabei wäre der Umgang mit dem Sterben viel leichter, wenn wir ihn als normalen Teil des Lebens akzeptieren.“ Sie selbst habe keine Angst vor dem Tod. „Er ist etwas Natürliches.“ Das anzunehmen, ist wohl leichter gesagt als getan, weil niemand weiß, wie es weitergeht. Vielleicht rührt daher auch Elenas Faszination für den Beruf. „Ich würde gerne wissen, was dann passiert. Ich glaube nicht, dass alles komplett verschwindet.“ Sie hält kurz inne. „Ich denke, die Seele existiert weiter. Die Energie bleibt.“

„Jeder soll so bestattet werden, wie er das möchte“

Gläubig ist Elena nicht. Das sieht sie als Vorteil für ihren Beruf: Sie ist unvoreingenommen und kann sich auf jeden einlassen. „Es ist immer die eigene Entscheidung. Jeder soll so bestattet werden, wie er das möchte.“ Deshalb hilft sie Angehörigen gern, sich für den passenden Sarg oder die passende Urne zu entscheiden, Kissen und Decke auszuwählen und die Sterbebilder zu gestalten. „Ich mag es, wenn man eine persönliche Note erkennt“, sagt die Auszubildende. „Dieser letzte Teil soll für den Verstorbenen und für die Angehörigen so schön wie möglich werden.“

Dass Respekt oberste Priorität hat, wird in den Trauergesprächen immer wieder deutlich. Wie diese Gespräche ablaufen, lernt Elena von ihren Kollegen und Ausbilderin Laura Huber. Sie lernt den Spagat zwischen Mitgefühl und professioneller Distanz. Sie lernt, wie viel Verwaltungsarbeit und Bürokratie hinter einem Todesfall stecken.

Theoretisches Wissen wird größtenteils in der Berufsschule für Bestattungsfachkräfte im unterfränkischen Bad Kissingen vermittelt, zum Beispiel, welche rechtlichen Belange zu beachten sind, aber auch, aus welchen Teilen ein Sarg besteht. Praxiserfahrung sammelt Elena in Freising – momentan noch viel im Büro, später auch draußen, auf dem Friedhof. Sie lernt, wie eine Überführung funktioniert, wie man Gräber ausbaggert, aber auch wie man sie von Hand aushebt. Diese mechanischen Prozesse verändern ebenfalls die Sichtweise auf das Sterben, sagt Elena. Und natürlich komme es auf den Todesfall an. „Wenn ein Kind stirbt, ist es natürlich anders als bei älteren Leuten.“

Besonders nahegegangen sei ihr bisher noch kein Erlebnis. Das sei auch gut so. Wer zu ihr ins Institut an die Kammergasse kommt, befinde sich in einer Ausnahmesituation. „Da kann ich nicht mitweinen.“ Zuhause spreche sie aber natürlich trotzdem über ihren Tag. „Aber es ist nicht so, dass ich die Arbeit nicht hinter mir lassen kann.“

„Ich habe mich fast ein bisschen aufgedrängt“

In Gesprächen außerhalb ihres Kollegenkreises, etwa mit Freundinnen, fällt ihr jedoch immer noch auf, wie ungewöhnlich ihr Beruf für viele scheint. Und auch Elena selbst hat die Bedeutung ihrer Arbeit erst jetzt, mit dem Beginn der dreijährigen Ausbildung, erfahren. „Ich hatte ehrlich gesagt lange gar nicht auf dem Schirm, dass das ein richtiger Beruf ist“, gibt sie zu. Als der Realschulabschluss näherrückte, sah sie gemeinsam mit ihren Eltern den Ausbildungskatalog durch. „Eigentlich habe ich an Tierarzthelferin oder Fremdsprachenkorrespondentin gedacht“, erinnert sie sich. „Meine Mama hat im Spaß gemeint, ich könnte doch Bestatterin werden.“ Ein Praktikum hat sie bestärkt, beim Bestattungsinstitut Wimmer hat sich Elena dann um einen Ausbildungsplatz beworben. „Da habe ich mich fast ein bisschen aufgedrängt“ sagt die junge Frau schmunzelnd. Nach einem weiteren Praktikum, diesmal bei dem Freisinger Betrieb, war sie sich endgültig sicher mit ihrer Berufswahl.

Was als Scherz begann, ist mittlerweile zu einer Leidenschaft geworden. Elena Niedermeier hilft, den letzten Weg so schön wie möglich zu machen.

Lesen Sie auch: Sterben soll kein Tabuthema sein: Hospizgruppe Freising organisiert besondere Lesung und Allerheiligen: Was ein Besuch auf dem Friedhof für das Leben lehrt

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