Ernährungs-Debatte online. Screenshot.
+
Ernährungs-Debatte online: (v. l.) Prof. Hans Hauner (zugeschaltet), Prof. Verena Klusmann-Weiskopf (Universität Hamburg), Greta Silver (Bestseller-Autorin und Youtuberin), und Jan Schweitzer von DIE ZEIT.

Spannende Online-Debatte über Ernährung im Alter – Fast-Food-Markt wächst weiter

Freisinger Professor: „Die Leute wollen bequem essen“

Wie ernährt man sich im Alter richtig? Darüber wurde online lebhaft diskutiert. Von Diäten und Fasten etwa hält Prof. Hans Hauner von der TU nur wenig.

Freising - Kann gute Ernährung im Alter gelingen? Und kann eine gesunde Ernährung bestimmte Krankheitsbeschwerden lindern oder sogar die Lebenserwartung erhöhen? Diesen großen Themen widmete sich vergangene Woche das ZEIT- Forum Gesundheit mit einem digitalen Expertengespräch. Live zugeschaltet war auch Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin der TU in Freising. Die einleitende ZEIT-Umfrage bei älteren Passanten hatte ergeben: Viele der Befragten würden grundsätzlich auf bewusste Ernährung schauen. Auch Hauner bestätigte, dass vor allem in den vergangenen Jahren ein Teil der Bürger tendenziell mehr auf gesundes Essen achte. Diese Beobachtung teilte auch die Youtuberin und Bestseller-Autorin Greta Silver: Ihrer Meinung nach würden vor allem junge Menschen heutzutage schon sehr auf Ernährung achten, auch weil später eben bezüglich Gesundheit „der Preis zu bezahlen“ sei.

Die Menschen kochen daheim immer weniger

Hauner hingegen betonte, dass der Fast-Food-Markt dennoch stetig wachse, unter anderem, weil die Menschen immer weniger zu Hause kochen würden. Hier sei eine Diskrepanz der Wahrnehmung zu beobachten: Es gebe zwar Menschen, die sehr auf ihre Ernährung achten, aber das sei bei Weitem nicht der Großteil der Bevölkerung. Das, so Hauner, dürfe nicht an den Rand gedrängt werden: „Die Leute wollen bequem essen.“ Sein Wunsch: Das Kochen zu Hause und in Gesellschaft den älteren Menschen wieder „schmackhaft“ zu machen – denn wer selbst kocht, ernähre sich im Durchschnitt gesünder. Hierzu brauche es in erster Linie einen Impuls zur Veränderung, aber auch Kompetenz, empfiehlt die Gesundheitsexpertin der Universität Hamburg, Prof. Dr. Verena Klusmann-Weiskopf.

Zucker zu verteufeln, ist „Unsinn“

Während Silver, die mit 60 Jahren angefangen hat zu modeln, die Erfahrung gemacht hat, dass Kohlenhydrate zur falschen Tageszeit den Körper übermüdeten, beurteilte Hauner dies als eine „subjektive“ Wahrnehmung und Erwartungshaltung. Seiner Meinung nach würden Kohlenhydrate, insbesondere Zucker, sowieso aktuell in den Medien verteufelt werden. Das sei jedoch „ziemlicher Unsinn“. Kohlenhydrate seien per se nicht schlecht, es komme halt immer darauf an, wie viel wovon gegessen wird. Nach großen Portionen könne durchaus mal kurzfristig die Denkfähigkeit eingeschränkt sein, weil eben viel Blut für die Verdauung benötigt werde. Die Portionen beim Essengehen, so Hauners Erfahrung, seien immer zu groß – „das brauchen wir nicht“. Sinnvoll sei auf jeden Fall, Zucker zu reduzieren. Auffallend sei allerdings, dass der Bedarf nach Zucker im Alter sowieso sinke.

Im Allgemeinen sei aber zu erkennen, so Hauner, dass sich ältere Menschen ohne große Erkrankungen nicht viel anders ernähren würden als der Durchschnitt. Eine Veränderung gebe es aber bei Menschen, die älter als 85 Jahre sind: Hier würden Appetit und Durstgefühl sinken, oftmals einhergehend mit einer Depression. Für Hochbetagte würden hier beispielsweise Trinknahrungen infrage kommen.

Von Diäten hält Prof. Hauner eher nichts

In der Altersgruppe 60 bis 80 Jahre sei aber noch ein ganz anderes Problem präsent, nämlich Übergewicht. Und hier würde laut Hauner eine Abänderung der Ernährung durchaus noch Vorteile für die Gesundheit bringen – möglicherweise sogar eine höhere Lebenserwartung.

Von Diäten und Fasten hält Hauner allerdings nicht allzu viel, er plädiert vielmehr für eine ausgewogene und gesunde Kost, die zu dem Menschen passt. Die Kunst sei einfach nur, herauszufinden, was einem schmeckt und gesundheitlich guttut.

rl

Lesen Sie auch: Tödliche Verwechslung: Mann stirbt nach Vergiftung im Krankenhaus - Polizei warnt eindringlich

Freising-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Freising – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare