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Analysierten die Lage: Landwirt Sebastian Weber, Bäcker Ulrich Schindele, BBV-Kreisobmann Georg Radlmaier,Vize-Kreisobmann Ralf Huber, Anton Mitterer (Amt für Landwirtschaft Erding) und BBV-Kreisbäuerin Elisabeth Mayerhofer (v. l.).

Prognose

Erntefahrt: Bauern äußern sich optimistisch, es gibt aber auch Sorgenkinder

Die Landwirte des Landkreises Freising äußern sich optimistisch über die Ernte. Es gibt aber auch Sorgenkinder, die den Bauern zu schaffen machen.

Leonhardsbuch – „Endlich ein normaler Sommer.“ So umschrieb Georg Radlmaier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), die derzeitige Wetterlage. Bei der Erntefahrt des BBV nach Leonhardsbuch zeigten sich die Branchen-Vertreter durchaus optimistisch: Die Landwirte können mit einem durchschnittlichen Ertrag rechnen – sofern nichts dazwischen kommt.

Die Weizen-Bestände „stehen gut“, betonte Anton Mitterer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zu dem künftig auch der Standort Ebersberg gehört. Ein Vorteil des regenarmen Frühjahrs: Deutlich weniger Pilz-Erkrankungen des Weizens in der Frühphase – bei einem starken Pilzbefall würde der Weizen in die Biogas-Anlage wandern.

Der Mais ist ein Tausendsassa, aber nicht unumstritten

Stark nachgeholt habe der Mais, der laut Mitterer grundsätzlich vom Klima-Wandel profitiere: Die sehr kalten Eisheiligen haben dem Mais anfänglich zugesetzt. Davon sei aktuell aber nichts mehr zu sehen: „Auch der Mais steht sehr gut da.“ Anzumerken sei hierzu seiner Meinung nach, dass dieses Getreide „konkurrenzlos“ in der Leistungsfähigkeit und Nutzungsmöglichkeit sei – wenngleich dieser in der Öffentlichkeit durchaus problematisch wahrgenommen werde: Stichwort „Vermaisung“ des Landkreises. Überraschend seien laut Mitterer die ersten Wintergersten-Erträge, viel besser als erwartet: „Es ist zwar noch nix zuhause, aber es schaut sehr gut aus!“ Überdurchschnittlich zeigt sich auch die Brau-Gerste, teilweise sogar in hervorragender Qualität.

Gab einen Überblick über den Wetterverlauf und die daraus resultierenden Folgen für die Landwirtschaft: Anton Mitterer (Amt für Landwirtschaft Erding).

Als ein Sorgenkind entpuppt sich jedoch der Raps für Speiseöl-Herstellung im Landkreis. Dieser, so Mitterer, werde zwar von der Bevölkerung gerne gesehen, leide allerdings seit einigen Jahren unter einem hohen Schädlingsdruck. Grund: Viele Insektizide, die für die Bekämpfung der Schädlinge notwendig wären, wurden vom Markt genommen. Aufgrund des hartnäckigen Rüsselkäfer-Befalls wäre ein Bio-Raps so gut wie nicht machbar, aber auch der Ersatz von beispielsweise Sonnenblumen gestaltet sich eher schwierig.

Unter den Kartoffeln gibt es Gewinner und Verlierer

Profitiert von der Corona-Pandemie hat die ganz normale Speisekartoffel, als großer Verlierer gilt allerdings die Veredlungskartoffel, die beispielsweise für Pommes verwendet wird. Nicht überraschend sei laut Mitterer der Boom der Soja-Pflanze als Eiweiß-Ersatz, das meiste würde als Tierfutter verwendet: „Klimatisch würde Soja gut hier wachsen!“

Zufrieden zeigte sich der Bauernverband mit dem derzeitigen Stand der Grünflächen, ein „Riesen-Problem“ werde man allerdings in naher Zukunft mit den Waldbeständen haben. Durch die zahlreichen Schädlinge sei ein Waldbesitz schon lange nicht mehr die „Sparkasse des Landwirts“. Auf guten Weg befände sich der Hopfen, und auch der THC-freie Hanf von Biobauer und stellvertretenden Kreisobmann Ralf Huber gedeihe derzeit gut.

Einig waren sich sämtliche Anwesende auch, dass sich in puncto Regionalität etwas bewegen müsse: Ideen dazu gäbe es genügend, nur der „große Markt“ spiele oftmals nicht mit. Durch die Corona-Krise, so Radlmaier, habe es kurz so ausgeschaut, „als wären wir systemrelevant“. Dieses Gefühl „verpuffe“ leider jedoch langsam wieder.

Richard Lorenz

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