Essen to go, bei dem Umweltschutz mitgedacht wird, bietet zum Beispiel Weißbräu Huber in Freising an. Steve Müller (r.) übergibt die Speisen in wiederverwendbaren Behältnissen, die (v. l.) Sepp Beck, Johann Schmuker und Christel Orthen-Schmuker von der Agenda 21-Gruppe mitgebracht haben.
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Essen to go, bei dem Umweltschutz mitgedacht wird, bietet zum Beispiel Weißbräu Huber in Freising an. Steve Müller (r.) übergibt die Speisen in wiederverwendbaren Behältnissen, die (v. l.) Sepp Beck, Johann Schmuker und Christel Orthen-Schmuker von der Agenda 21-Gruppe mitgebracht haben.

Agenda-Arbeitskreis diskutiert Alternativen

Es schmeckt auch „Einmal ohne, bitte“: Neue Aktion für verpackungsfreie „To-go“-Angebote in Freising

  • vonNico Bauer
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„To-go“-Angebote helfen der Gastronomie, sind wegen Styropor- und Plastikverpackungen aber schlecht für die Umwelt. Alternative Konzepte wurden nun in Freising diskutiert.

Freising – Wenn Menschen der heimischen Gastronomie helfen wollen, dann gibt es seit Monaten nur eine Möglichkeit: Speisen bestellen und abholen. Damit tut man der extrem leidenden Branche zwar Gutes, aber in der Regel leidet der Umweltschutz aufgrund der deutlich gestiegenen Verwendung der handelsüblichen Styropor-Verpackungen, in denen das Essen ausgegeben wird.

Nachbarlandkreis ist schon ein bisschen weiter

Das nahm der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz der Freisinger Agenda21-Gruppe zum Anlass, „To go“-Angebote ohne Wegwerfverpackungen zu diskutieren und Anregungen für bereits praktizierte Alternativen zu geben. Rund 20 Personen debattierten lebhaft in einer virtuellen Veranstaltung die Situation im Landkreis. Gastgeber Ulrich Bomme machte deutlich, dass es bei Einzelhandel und Gastronomie in Freising schon ein paar gute Beispiele gebe. Andere Kommunen setzten aber schon mehr um.

Doris Rottler, Energie- und Klimaschutzbeauftragte des Landratsamts Pfaffenhofen, machte etwa deutlich, dass der Nachbarlandkreis schon ein bis zwei Schritte weiter ist. Dort habe man bereits ein Netzwerk geschaffen, in dem verpackungsfreie Einkäufe stärker beworben werden. Gastronomen und Geschäfte seien dadurch sensibilisiert worden und setzten sich bewusster mit der Verpackungsmüll-Problematik auseinander. „Einige haben bei uns regelrecht auf die Aktion ‚Einmal ohne, bitte‘ gewartet“, sagte Rottler.

„Einmal ohne, bitte“: Der Sticker der Aktion, die sich verpackungsfreies Einkaufen zum Ziel gesetzt hat, prangt auch schon vereinzelt an Freisinger Betrieben.

Diese deutschlandweite Initiative, die von München ausgeht, war in der Runde ebenfalls vertreten: Johanna Koch berichtete von einigen Erfolgen in Landeshauptstadt. „Aber auf dem Land sieht es schnell dünn aus.“ Das Projekt „Einmal ohne, bitte“ hat sich verpackungsfreies Einkaufen auch außerhalb der Öko-Nische zum Ziel gesetzt. Gekennzeichnet sind teilnehmende Betriebe durch einen Sticker mit dem Schriftzug „Einmal ohne, bitte“ am Schaufenster oder an der Theke. Den Sticker zur Aktion findet man auch schon in Freising an und in einigen Geschäften.

Das Verpackungsthema geht uns alle an - nicht nur die Kundschaft von Bioläden.

Johanna Koch

Johanna Koch zeigte die Möglichkeit auf, dass Läden gekaufte Lebensmittel in einem Behältnis auf die Theke stellen dürften. Von dort aus könne es der Kunde in seine mitgebrachten Transportgefäße umfüllen kann. „Das Verpackungsthema geht uns alle an – nicht nur die Kundschaft von Bioläden“, sagte Koch. Deutlichen Auftrieb bekommt das Aktionsbündnis durch die bereits beschlossenen Gesetze, dass Betriebe mit mehr als 80 Quadratmetern Fläche Kunden ab 2023 ein Mehrweg-Angebot unterbreiten müssen.

Eine Teilnehmerin der Diskussionsrunde wünschte aber aus Sicht der Kunden ein einheitliches System für Mehrweg-Angebote, „weil ich mich nicht auf eine Gaststätte festlegen möchte“. In den wenigen Lokalen mit Mehrweg-Abholgefäßen müsse man die mit Pfand versehenen Behälter wieder im selben Lokal zurückgeben.

Praktikable Maßnahmen anstoßen

Die dritte Fachkraft im Bunde, Salih Cehic von der Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Freising, berichtete, dass es mit Pfandsystemen keine Probleme gebe. Grundsätzlich spricht aus seiner Sicht aber auch nichts gegen das Mitbringen eigener Behältnisse, wenn die hygienerechtlichen Vorschriften des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz beachtet werden. Dafür tragen die einzelnen Betriebe die Verantwortung.

Die Debatte zeigte, dass der Landkreis in puncto Vermeidung von Plastikverpackungen erst ganz am Anfang steht. Es gibt aber Geschäftsleute und Kunden, denen dieses Umweltschutzthema wichtig ist. Den Gästen der Agenda-Diskussion reicht es nicht, den Getränkekonsum von Plastik- auf Glasflaschen umzustellen. Die Agenda-Gruppe hofft, dass es durch diese Veranstaltung gelingt, praktikable Maßnahmen zur Reduzierung von Einweg-Verpackungen in Stadt und Landkreis Freising anzustoßen und die entsprechenden Partner zusammenzubringen.

Gut zu wissen

Infos und Materialien zum Projekt „Einmal ohne, bitte“ gibt es unter www.einmalohnebitte.de.

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