Ab geht die Fahrt: Fahrlehrer wie Dirk Dlugosch dürfen ab Montag wieder unterrichten – praktisch wie theoretisch. ARCHIV: LEHMANN
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Ab geht die Fahrt: Fahrlehrer wie Dirk Dlugosch dürfen ab Montag wieder unterrichten – praktisch wie theoretisch.

Kritik an „intransparenter Kommunikation“

Fahrschulen öffnen wieder: Freisinger Fahrlehrer rechnet mit langen Wartezeiten - „Können nichts reinarbeiten“

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Bayerns Fahrschulen dürfen ab Montag wieder öffnen. Der Freisinger Fahrlehrer Dirk Dlugosch ist froh darüber. Seine Verluste seien jedoch nicht wieder wettzumachen.

Freising – Ab Montag dürfen die Fahrschulen im Freistaat wieder öffnen. „Aber wirklich glauben tue ich das erst, wenn es so weit ist“, sagt Dirk Dlugosch. Der Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Freising ist zwar froh, dass er seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Die Verluste seien jedoch nicht wieder wettzumachen. Was ihn am meisten stört: „Die Kommunikation ist intransparent.“

„Wir wurden einfach von der Klippe runtergestoßen“

Seit vor gut einer Woche bekannt wurde, dass Fahrschulunterricht und Prüfungen ab 22. Februar wieder zugelassen sind, bereitet sich Dlugosch auf den Re-Start vor: „Ich habe wieder Kontakt zu den Kunden aufgenommen, Termine vereinbart, mit den Prüfungsstellen kommuniziert.“ Immerhin seien die Öffnungspläne diesmal frühzeitig mitgeteilt worden. „Vor der Schließung hieß es noch: Bis zu diesem Tag könnt ihr prüfen – und dann wurde die letzte Prüfung über Nacht abgesagt.“ Vorlauf habe es damals nicht gegeben. „Wir wurden einfach von der Klippe runtergestoßen.“ Das sei auch für die Kunden mehr als ärgerlich gewesen: „Für jeden geht es ja um rund 2000 Euro.“

Dass der Unmut der Fahrschüler wachse, bereitet Dlugosch ebenfalls Sorgen. „Das ist vollkommen verständlich. Sie wollen ihren Führerschein so schnell wie möglich bekommen.“ So zügig wie gewünscht, funktioniere das jedoch nicht. „Da hat sich ordentlich was angestaut. Das abzuarbeiten, wird dauern.“ Die Reihenfolge dabei sei klar: „Zuerst kommen die dran, die zum Zeitpunkt der Schließung kurz vor der Prüfung standen. Und dann alle der Reihe nach, so wie sie sich angehäuft haben“, erklärt der 55-Jährige. Das Problem: Er und seine Frau – die drei weiteren Fahrlehrer habe er auf unbestimmte Zeit ausstellen müssen – hätten keine Chance, die Verluste aufzuholen. „Wir können nichts reinarbeiten.“ Längere Arbeitstage und mehr Fahrstunden seien schlicht nicht möglich. „Im Fahrschulwesen sind die Arbeitszeitregelungen extrem strikt, alles wird doppelt überwacht.“

Sein Arbeitsplatz ist nur eineinhalb Quadratmeter groß

Wenn Dirk Dlugosch und die ersten Fahrschüler am Montag wieder ins Auto steigen, müssen die Hygieneauflagen eingehalten werden, sprich: Schüler und Lehrer tragen FFP2-Masken, vor der Fahrt werden die Hände desinfiziert. Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel habe Dlugosch ohnehin schon im Winter 2019 zur Verfügung gestellt, nach den ersten Meldungen über das Coronavirus. „Ich habe die Maske schon sehr früh getragen, später dann auch die Kunden“, erinnert sich der Fahrlehrer. In seiner Fahrschule habe es noch keinen einzigen Infektionsfall gegeben. „Und das, wo mein Arbeitsplatz eineinhalb Quadratmeter groß ist.“

Doch damit Dlugosch im Falle einer Infektion oder Quarantäne gewappnet ist, „oder falls wir erneut zusperren müssen“, hat er in den vergangenen Tagen ein digitales Konzept ausgearbeitet. „Um 14 Mal 90 Minuten Präsenz- auf Online-Unterricht umzustellen, habe ich an die 120 Stunden gebraucht.“ Dieser Aufwand sei es ihm jedoch wert gewesen. „Ich möchte, dass die Kunden das kriegen, was sie sich wünschen.“ Außerdem sei es ihm wichtig, einen Plan B zu haben. „Den haben nicht alle Fahrschulen.“

Dlugosch wünscht sich einheitlichere Regeln

Von der künftigen Corona-Politik wünscht sich der Freisinger eine klarere Kommunikation – und einheitlichere Regelungen. Juristisch würden Fahrschulen ebenso wie normale Schulen als öffentliche Schulen gelten. „Wenn die Schulen zugemacht werden, gilt das auch für uns. Aber wenn es heißt, Lehrer sollen bevorzugt geimpft werden, gilt das nicht für Fahrlehrer. Diese Ungleichbehandlung ärgert mich.“

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