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Für das Freisinger Restaurant Portofino war das im Januar 2004 ein besonders denkwürdiger Tag: Mit Kardinal Joseph Ratzinger war der spätere Papst zu Gast, an dessen Seite Bruder Georg (l.) und Weihbischof Bernhard Haßlberger (r.) den 75. Geburtstag von Wieskurat Walter Brugger nachfeierten.

Festakt für Benedikt XVI.

Per Du mit dem Papst

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Über das Leben eines Papstes weiß man viel. Seine Vita, die Stationen seines Lebens sind bekannt. Da ist es ein Segen, wenn man wie Freising mit Prälat Walter Brugger einen guten Freund von Benedikt XVI. hat. Anlässlich eines Festakts zum 90. Geburtstag des Ehrenbürgers erzählte er Anekdoten – und brachte den Menschen Joseph Ratzinger nahe.

Freising – „Jeder hat seine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen mit unserem Papst gemacht“, sagte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, als man sich am Freitagabend im großen Sitzungssaal des Rathauses zu einer Feier anlässlich des 90. Geburtstages von Joseph Ratzinger traf, dem seit 2013 emeritierten Papst Benedikt XVI. Eschenbacher selbst erinnerte sich an die Verleihung der Ehrenbürgerwürde in Rom im Jahr 2010 oder auch an ein Päckchen vom Vatikan, das man ehrfürchtig in Freising geöffnet habe. Einer, der Ratzinger seit Jahrzehnten kennt, der den Theologen und Menschen erlebt hat, ist bekanntlich Wieskurat Walter Brugger. Und er war es, der am Freitag in einem Festvortrag etwas andere Einblicke in das Leben von em. Papst Benedikt XVI. erlaubte. Gemeinsame Wurzeln im Chiemgau und im Rupertiwinkel hätten sie, so Brugger. Als er, der noch junge Walter auf das Priesterseminar in Freising ging, da war der Joseph schon in einem höheren Semester. Und eigentlich, so erinnert sich Brugger, „haben wir ihn nie gesehen. Er war sozusagen verschwunden“, weil er wissenschaftlich arbeitete. 1958 sei es gewesen, da habe ihm Ratzinger bei einem Spaziergang an der Traun das Du angeboten. „Und er hat es immer beibehalten“, erzählt Brugger. 1977, als Ratzinger zum Erzbischof ernannt wurde, „da war er plötzlich mein Chef“, erinnert sich der Prälat. Nach einer Dekanekonferenz in Freising konnte er den Erzbischof für eine Schafkopfrunde gewinnen, berichtete Brugger. Ratzinger habe gut gespielt, „aber a bissl verhalten“. Dass er, Brugger, damals „einen frechen Wenz“ gespielt habe, das habe Ratzinger noch viele, viele Jahre später gewusst. „Ich kenne niemanden, der so ein Gedächtnis hat wie er.“

Als aus Joseph Ratzinger 2005 Benedikt XVI. wurde, da habe er, Brugger, gewusst, „welche Last er da übernahm“. Dass sein Freund dann acht Jahre später den Rücktritt erklärt habe, „das habe ich erwartet“, bekennt Brugger. Denn: Joseph Ratzinger sei zutiefst gläubig, gütig, freundlich, bescheiden, ungekünstelt, ehrlich, wahr, herzlich, aber auch scheu – alles Eigenschaften, die er von seiner Mutter geerbt habe. Und er sei ein großer Theologe, „wohl einer der größten des 20. Jahrhunderts. Aber, betonte Brugger, er sei „nie Regent gewesen“, habe das auch nie sein wollen. Und: „Dieses Vakuum wurde im Vatikan schamlos ausgenutzt.“ Was Brugger besonders ärgert, was auch ihn, den mit Papst Benedikt XVI. eine „lange, lange tiefe Freundschaft verbindet“, besonders trifft, ist, wie man Ratzinger in Deutschland oft gesehen und bezeichnet hat: als „Panzerkardinal“. Brugger ist sich sicher: „Das kann er vom Wesen gar nicht sein.“ In zwei Wochen wird Brugger, der „liebe Walter“, seinen Freund Joseph Ratzinger wieder sehen dürfen. Sie werden ihre Freundschaft pflegen und vertiefen – der Wieskurat und der emeritierte Papst.

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