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Ein animiertes Vogel-Märchen ist im Musikvideo von Silvia Johanus zum Axel-Le-Rouge-Song „Brandung“ zu sehen. Es sorgte in den USA für Begeisterung.

Silvia Johanus im Porträt

Sie stand auf dem Roten Teppich in L.A.: Filmemacherin aus Freising hat große Pläne

In den USA hat die Filmemacherin Silvia Johanus mit einem animierten Musikvideo für Furore gesorgt. Ihre neuen Filmpläne gehen indes in eine ganz andere Richtung.

Freising – Unbemerkt von der Freisinger Kultur- und Kulturförderszene stand die Freisinger Filmemacherin Silvia Johanus 2018 auf dem roten Teppich in Los Angeles. Ihr animiertes Musikvideo zum Le-Rouge-Song „Brandung“ wurde dort auf großer Leinwand vor internationalem Publikum gefeiert. Aktuell arbeitet Johanus an ihrem ersten Spielfilm – einem Horrorstreifen.

Der Clip erinnert an einen großen Regisseur

Tatsächlich könnte der Betrachter des Musikclips meinen, hier hatte ein Tim Burton seine Finger im Spiel gehabt – so dunkelgrau und poetisch kommt die Visualisierung des Songs „Brandung“ von Axel Le Rouge daher. Die Farben melancholisch, der Subtext der Bildsprache gewaltig. Um die drei Monate habe die Ausarbeitung des dreieinhalb Minuten langen Clips laut Johanus gedauert – ein animiertes Wunderwerk in bester „Nightmare before Christmas“-Tradition. Zwar war das nicht das erste Filmwerk der gebürtigen Dachauerin, allerdings das erste mit ungewöhnlich hoher Publikumsresonanz. Das habe sie schon überrascht, so Johanus in der Rückschau.

Hat große Pläne: Die Freisinger Filmemacherin Silvia Johanus möchte einen Horrorstreifen drehen.

Den Stein ins Rollen brachte Lindenkeller-Chef Fritz Andresen, der die Filmemacherin auf die Besonderheit ihrer Arbeit angesprochen hat – daraus sei dann die Idee entstanden, den Musikclip bei diversen Festivals einfach mal einzureichen. Österreich, Indien, Tokio – überall stieß das kleine Meisterwerk auf sofortige Anerkennung und zahlreiche Nominierungen.

Die Amerikaner waren extrem begeistert

Geltend in der Filmbranche: Auch ohne späteren Preis gilt eine Nominierung als sehr hohe Wertschätzung der Jury, zudem diese Werke dann auf den großen Leinwänden präsentiert werden. Ein Highlight für Johanus und Le Rouge war aber dann ohne Zweifel die Zusage des berühmten Glendale-Film-Festivals in Los Angeles: Das animierte Vogel-Märchen war dort in zwei Sparten nominiert worden - und ist hier zu sehen:

Zwar konnten die beiden, die dafür extra nach LA reisten, keinen Preis mit nach Deutschland nehmen, aber das ist für die Filmemacherin nicht so wichtig: „Hauptsache, der Film ist dort gelaufen – die Amerikaner waren extrem begeistert.“ Roter Teppich, Fotos, Hollywood-Flair – alles haben die beiden Ausnahme-Künstler hautnah erleben dürfen – inklusive einer Berichterstattung in der Glendaler Lokal-Zeitung.

Angefangen mit dem Filmen hat die 38-Jährige bereits in ihrer Jugend – damals um „aufzunehmen, was man eben erlebt“. Von Anfang an dabei auch ein gewisser Kunst-Anspruch und das frühe Verständnis, dass Musik eine zentrale Rolle bei ihren Aufnahmen spielen musste. Dennoch war erst mal die Dokumentation per se das Vordergründige: „Lustig oder schön“ sollte es sein, sagt Johanus.

Filmmacherin setzt alles auf eine Karte

Der nächste Entwicklungs-Schritt: das Filmen „on stage“ von Bands in München und Freising, für Präsentationsmaterial und zur Erinnerung. Vieles habe sie damals über den Schnitt, über Effekte und Animationen sich selbst beigebracht – und irgendwann festgestellt, dass das „gut ankam“.

Vor sieben Jahren hat dann Johanus alles auf eine Karte gesetzt: Die gelernte Zahntechnikerin beschaffte sich ein höherwertiges Equipment und machte sich selbstständig. Um Geld zu verdienen, filmte sie Hochzeiten und Vereinsfeiern, dazwischen erlebte die Domstadt durch Johanus auch ihr legendäres Klosett-TV-Format: Verschiedene Musiker gaben in der Toilette des Abseits einen Song zum Besten. Zwischenzeitlich kann die Filme-Macherin ganz gut von ihrer Kunst leben, die Aufträge und Zusammenarbeiten sind breit gefächert.

Ihr neuer Film soll in eine ganz andere Richtung gehen

Reizen würde Johanus schon seit Längerem das Drehen eines Spielfilms: Das Drehbuch steht, einige Szenen sind im Kasten. Das blutige Genre: Horror-Splatter in der Tradition von Tobe Hooper. „Das mache ich nicht, um Geld zu verdienen“, so die Genre-Liebhaberin. Auch hier liebäugelt sie mit Festivals auf der ganzen Welt, um sich einen Namen zu machen. 

Aber auch der subtile klassische Horror-Film steht auf ihrer Agenda: Stories von Edgar Allan Poe würde Johanus gerne auf die Leinwand bringen. „Ich habe früh festgestellt, ich stehe auf schräge Filme“, erzählt die Künstlerin und betont, dass sich beides nicht ausschließen muss: die Schönheit und die Gänsehaut. Schrecklich schön, sozusagen.

Richard Lorenz

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