Der Kreisverkehr bei Erlau (Drohnenfoto der Endfertigung) war der letzte Teil der B 301-Nordostumfahrung, der seit dem Spatenstich vor über vier Jahren realisiert wurde. Seine Situierung südlich von Erlau hatte im Vorfeld für viel Ärger gesorgt, konnte aber nicht verhindert werden.
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Der Kreisverkehr bei Erlau (Drohnenfoto der Endfertigung) war der letzte Teil der B 301-Nordostumfahrung, der seit dem Spatenstich vor über vier Jahren realisiert wurde. Seine Situierung südlich von Erlau hatte im Vorfeld für viel Ärger gesorgt, konnte aber nicht verhindert werden.

Nach Jahrzehnten der Überlegungen und Planungen

Finale für Freisings Nordostumfahrung: Mammutprojekt ist freigegeben

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Die B301-Nordostumfahrung ist am Montag für den Verkehr freigegeben worden. Auf 4,2 Kilometern kann man nun zur A 92 gelangen, ohne sich durch die Stadt quälen zu müssen.

Update, Mittwoch, 25. November, 12:24 Uhr:

Für Autofahrer fing die Woche gut an: Seit Montagvormittag fließt der Verkehr auf der neuen Nordostumfahrung. Die 4,2 Kilometer lange Tangente verbindet die Staatsstraße 2350 zwischen Marzling und Freising mit Erlau und führt dabei am nördlichen Teil von Freising vorbei. Von der Nordostumfahrung erhoffen sich die Planer vom Staatlichen Straßenbauamt und die Befürworter des Projekts eine Verkehrsentlastung für Freising. Kritiker monierten allerdings den Kahlschlag, der für die Baumaßnahme nötig war. Gekostet hat die Straße 42 Millionen Euro. Kalkuliert waren ursprünglich 26 Millionen Euro.

Sonntag, 22. November, 10.13 Uhr: Das lange Warten auf die Entlastung:

Freising – Sie ist – zusammen mit der Westtangente – die große Hoffnung für alle, die sich weniger Durchgangsverkehr in der Stadt Freising wünschen: die B 301 Nordostumfahrung Freising. Am Montag soll die neue Straße für den Verkehr freigegeben werden – nach Jahrzehnten der Planungen, nach Streit um die Trassenführung, nach diversen wochen- und monatelangen Sperrungen während der Bauzeit.

Die Reminiszenz

Sollte es nach Corona doch noch irgendwann so etwas wie das offizielle Durchschneiden eines rot-weißen Flatterbands geben, dann wäre das für einen Mann die Erfüllung seines politischen Wirkens: für Alfred Eschenbecher, den vor vielen Jahren verstorbenen CSU-Stadtrat, der bei allen möglichen Gelegenheiten eine solche Nordostumfahrung immer wieder anmahnte. Im Jahre 2020 wird dieses Projekt nun Realität: Die rund 4,2 Kilometer lange Nordostumfahrung verbindet die B 301 ab Erlau vorbei an Altenhausen über den Anschluss an die Staatsstraße 2350 bei Marzling direkt mit der Anschlussstelle Freising-Ost der A 92. Etwas über vier Jahre lang wurde gebaggert, wurden Straßen geteert, Brücken erstellt, Anschlussstellen um- und Kreisverkehre neu gebaut. Mit der Verkehrsfreigabe endet zum einen die Abfolge wochen- und monatelanger Sperrungen an den jeweiligen Anschlussstellen, soll zum anderen ein Teil des Durchgangsverkehrs aus der Stadt Freising herausgehalten werden.

Auf rund 4,2 Kilometern erstreckt sich die Nordostumfahrung (blau). Hier wurde vier Jahre lang gebaut.

Die Historie

Es war eine schwere Geburt mit lang andauernden Wehen: Wann genau die ersten Ideen auftauchten, die Stadt Freising im Nordosten zu umfahren, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Anfang der 2000er-Jahre wird es dann aber wirklich ernst: 22 Varianten sind es, die das Staatliche Bauamt in den ersten Verfahrensschritt schickt. Drei davon schaffen es dann in das Raumordnungsverfahren. 2009 ist es dann soweit: Die sogenannte Trasse C1 wird als einzige weiterverfolgt, für sie beginnt das Planfeststellungsverfahren.

Der Erlauer Ärger

Und das sehr zum Unmut der Erlauer Bürger und zum Ärger der Stadt Freising, die eine andere Variante bevorzugt hätten. Denn dass der Verkehr aus dem Landkreisnorden weiterhin durch Erlau geführt wird und erst südlich des Orts der Kreisverkehr entsteht, von dem ab die B 301 Nordostumfahrung beginnt, stößt sauer auf. Lieber hätte man den Abzweig nördlich von Erlau und die Trassenführung östlich an Erlau vorbei gesehen. In dieser Zeit hat die Stadt alle Hände voll damit zu tun, den Betroffenen klar zu machen, dass man nicht Herr des Verfahrens und auch nicht Bauträger ist, sondern ebenfalls nur Beteiligter.

Nur eine von vielen: Um die Gemeindeverbindungsstraße Tüntenhausen – Zurnhausen zu überqueren, musste eine Brücke errichtet werden. Insgesamt wurden rund 300 000 Kubikmeter Erde für Aufschüttungen bewegt.

Doch so groß der Ärger auch ist, im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden keine Klagen gegen das Projekt oder die gewählte Alternative erhoben – auch nicht aus Altenhausen, wo man trotz einer zehn Meter tiefer gelegten Trassenführung eine Beeinträchtigung der Wohnqualität befürchtet.

Das wichtige Datum

Das nächste wichtige Datum markiert der 2. April 2014: An diesem Tag genehmigt die Regierung von Oberbayern das Projekt, nachdem man, wie es hieß, die Einwendungen und Stellungnahmen von 33 Behörden, Trägern öffentlicher Belange, von Naturschutzverbänden und von über 130 Privatpersonen „soweit wie möglich berücksichtigt“ habe. Und: „Die nicht vermeidbaren Eingriffe in Natur und Landschaft werden mit einer zirka vier Hektar großen Fläche kompensiert.“ Danach dauert es nicht lange, da starten am 6. August 2014 die „bauvorbereitenden Maßnahmen“ für die rund 4,2 Kilometer lange Straße. Dazu gehören Baugrunderkundungen, die Erstellung der Ausführungsplanung, der Erwerb der erforderlichen Grundstücke, die Leitungsverlegung sowie die Rodung von Bäumen und Sträuchern. Im ersten Quartal 2016 könnten dann die eigentlichen Straßenbauarbeiten beginnen, heißt es zu diesem Zeitpunkt. Und noch etwas: Mit 26 Millionen Euro Baukosten rechnet man.

Der Spatenstich

Hoher Besuch dann im vierten Quartal des Jahres 2016: Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann und der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt treffen sich nördlich von Altenhausen, um am 4. Oktober hochoffiziell den Spatenstich für die B 301 Nordostumfahrung zu zelebrieren. Beide Minister heben dabei hervor, dass durch das Projekt das Stadtzentrum von Freising entlastet würde, in dem pro Tag auf der B 301 bis zu 26 000 Fahrzeuge unterwegs seien. Knapp 8000 Fahrzeuge sollen künftig nicht mehr durch die Stadt fahren, sondern die neue Nordostumfahrung nutzen, so die Prognose.

Schwarz, breit, neu: Die neue Bundesstraße B 301, hier der Abschnitt (von Marzling kommend) in Richtung Erlauer Kreisel, soll Pendlern den Weg zur Autobahnanschlussstelle Freising-Ost schneller ermöglichen. Staus im Stadtgebiet von Freising sollen nun der Vergangenheit angehören.

Die Arbeiten

Seitdem wird gebaggert, geschüttet und asphaltiert, was das Zeug hält. Besonders lange wird dabei an der Anschlussstelle an die Staatsstraße 2350 bei Marzling gewerkelt: Erst ein Kahlschlag, dann neue Brücken, Unter- und Überführungen, neue Ab- und Auffahrten – die Kreuzung ist nach der umfangreichen Umgestaltung nicht mehr wiederzuerkennen. Ab 2018 beginnen auch die Straßenbauarbeiten zwischen den beiden Anschlussstellen – rund 300.000 Kubikmeter Erde müssen für Aufschüttungen und Straßeneinschnitte bewegt werden. Parallel dazu werden diverse Brücken errichtet – über einen Feldweg südlich von Erlau, über einen Radweg von Tüntenhausen nach Zolling (der in den folgenden Jahren realisiert werden soll), über einen Feldweg südlich von Altenhausen oder auch über die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Tüntenhausen und Zurnhausen.

Der Endspurt

Die letzte ganz große Maßnahme wird Ende Oktober 2020 nach fünf Monaten Bauzeit fertiggestellt und für den Verkehr wieder freigegeben: Der 40 Meter Durchmesser aufweisende Kreisel südlich von Erlau, der mit Bypässen und Beschleunigungsstreifen ausgerüstet ist. Damit sind die größten „Brocken“ realisiert, jetzt wird die B 301- Nordostumfahrung Freising zur Gänze ihrer Bestimmung übergeben werden. Damit liegt man exakt in dem Zeitplan, den man beim Spatenstich vorgegeben hatte: Eröffnung im Herbst 2020.

Neue Wege: Die Tangente verbindet die B 301 über den Anschluss an die Staatsstraße 2350 bei Marzling direkt mit der Anschlussstelle Freising-Ost der A 92.

Nicht ganz so treffsicher war man bei den Gesamtkosten: Denn statt der ursprünglich berechneten 26 Millionen Euro wird die Maßnahme nun – so der letzte Stand der Dinge – 42 Millionen Euro kosten, also über 60 Prozent mehr.

Die Ministerin

Verkehrsministerin Kerstin Schreyer zeigte sich angesichts der bevorstehenden Verkehrsfreigabe erfreut: „Für die Menschen in Freising bedeutet die neue Nordostumfahrung dank weniger Verkehr, Lärm und Schadstoffe ein echtes Plus an Lebensqualität.“ Der nördliche Landkreis Freising werde durch die Tangente künftig nicht nur besser an die Autobahn A 92, den Flughafen im Moos und die Landeshauptstadt angeschlossen: „Auch die Stadt Freising selbst profitiert von einer deutlichen Reduzierung des Durchgangsverkehrs durch das Stadtzentrum.“

Eine negative Überraschung jagt die nächste: Die Großprojekte in der Stadt Freising werden immer teurer - allen voran die Westtangente.

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