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Auf der Anklagebank: Züchter Bernd Kiffner (vorne rechts) und sein Angestellter (vorne links) räumten über ihre Anwälte (hintere Reihe) ein, das verbotene Fischmittel Malachit verwendet zu haben. Sie selbst vor dem Amtsgericht bedeckt – und schwiegen.

Urteil gefällt

Freisinger Fisch-Skandal: Fischzüchter gesteht vor Gericht

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Er hat seine Fische mit dem verbotenen Mittel Malachit behandel lassen und damit die Moosach verunreinigt: Vor Gericht hat Fischzüchter Bernd Kiffner gestanden. Das Urteil steht.

Freising – Wie berichtet, hatte der im Landkreis Dachau ansässige Bernd Kiffner (50) am 19. September 2018 Selbstanzeige erstattet. Damals gab er zu Protokoll, dass ein Mitarbeiter (27) in seinem Betrieb im Landkreis Freising das Malachit versehentlich in die Mauka, einem Nebenarm der Moosach, eingebracht habe. Der Angestellte gab in der Vernehmung an, dass er in einer Scheune eine alte Milchkanne gefunden und ausgewaschen habe, an der sich eine ihm unbekannte Substanz befunden habe.

Die Staatsanwaltschaft ging hingegen von einem absichtlichen und wiederholten Einsatz des verbotenen Mittels aus. Schließlich hatten Sachverständige in mehreren Teichen der Anlage Malachitgrün in unterschiedlich hoher Konzentration gefunden. Die Belastung in den Sedimenten des Flusses war so hoch, dass durch den Einsatz des verbotenen Mittels auch die beiden flussabwärts liegenden Freisinger Zuchtbetriebe Peter Baumgartner und Benjamin Nadler massiv geschädigt wurden. Auch ihre Teiche blieben zum Teil monatelang gesperrt, weil Fische das aus der Moosmühle flussabwärts geschwemmte Malachit aufgenommen hatten.

Fisch-Skandal: Verhandlung bringt neue Details ans Licht

Unter den Augen der Opfer fand am Montag die rund zweistündige Verhandlung statt, bei der neue Details ans Licht kamen. Ein Polizist der Kripo Erding berichtete von seiner Vernehmung des Angestellten zwei Tage nach der Selbstanzeige. So wollte der Ermittler von dem 26-Jährigen wissen, warum ihm die Verfärbung des Wassers nicht aufgefallen sei, als er angeblich die Kanne gewaschen habe. Der Angestellte habe das mit einer Rot-Grün-Sehschwäche erklärt. „Als ich ihm daraufhin mitgeteilt habe, dass sich das Wasser bei Einsatz von Malachitgrün eher blau verfärbt, hat er ergänzt, dass er auch eine Blauschwäche hat“, sagte der Polizist aus. Ein entsprechendes Attest blieb der 26-Jährige schuldig.

Belastet wurde Kiffner von einem ehemaligen Mitarbeiter, der im Zeugenstand ausgepackt hat. Der Mann, der elf Jahre in dem Zuchtbetrieb mitgearbeitet und 2017 gekündigt hat, erklärte, dass Malachit auf Anweisung des Chefs bereits früher zum Einsatz gekommen sei – weil es besser wirke als erlaubte Substanzen. Einen Sommer lang habe er auf Kiffners Geheiß hin die Fische in den Freisinger Teichen „mit Malachitgrün baden müssen“. Im Schuppen seien für diese Behandlung Restbestände von Malachitgrün in einem Eimer zur Verfügung gestanden.

Verhandlung: Nach der Beweisaufnahme kommt es zum Deal

Auch sonst lief laut des Zeugen nicht alles koscher. So war unter anderem von einem Fischgrab die Rede. Normalerweise werden tote Fische über eine Tonne entsorgt, erklärte der ehemalige Mitarbeiter. Kiffner sei diese vom Veterinäramt vorgeschriebene Methode aber zu kostspielig gewesen und habe daher tote Fische nahe des Betriebs verbuddeln lassen.

Nach der Beweisaufnahme bat Richter Michael Geltl Staatsanwalt und Verteidigung zum Gespräch und bot im Falle eines Geständnisses der Angeklagten Strafminderung an. Beide gingen darauf ein und räumten über ihre Anwälte den Vorfall vom 19. September 2018 ein. Geltl verurteilte Kiffner daraufhin zu einer Geldstrafe von 8450 Euro (130 Tagessätze zu 65 Euro). Sein Angestellter, der nur auf Anweisung hin handelte, kam besser weg und muss 3500 Euro Strafe zahlen (70 Tagessätze à 50 Euro).

Richter rügt Angeklagten: „Verwerfliches“ Verhalten

Geltl betonte, dass sich sein Urteil nur auf den einen von den Angeklagten zugegebene Verstoß beziehe. „Mehr war nicht Gegenstand der Anklage.“ Allerdings stellte der Richter klar: „Es ist verwerflich, ein von Behörden als gesundheitsschädlich eingestuftes Mittel bei Tieren zu verwenden, die dem Verbraucher zum Verzehr vorgesetzt werden sollten.“

Dass belastete Fische aus dem Betrieb tatsächlich in den Umlauf gebracht wurden, konnte die Staatsanwaltschaft Kiffner letztlich nicht nachweisen – zumindest nicht für den Zeitraum, nachdem das Landratsamt dem Betrieb den Verkauf von Fischen untersagt hatte. Deshalb wurde die zweite Anklage wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz fallen gelassen.

Angler erwerben belastete Setzlinge - nach Kripo-Einsatz

Nicht zur Sprache kam vor Gericht allerdings, dass der Anglerverein Moosburg nach eigener Aussage Setzlinge bei Kiffner erworben hat, die sich später bei Proben als massiv Malachit-belastet herausgestellt hatten. Der Verein hatte die Setzlinge am 22. September gekauft – einen Tag nach der Durchsuchung des Betriebs durch die Kripo.

Lesen Sie weiter: Bei einem Großbrand in Moosburg wurden mehrere Personen verletzt.

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