Freisinger CSU-Abgeordneter Herrmann

„Ein Denkzettel mit dem Dampfhammer“

Für das enttäuschende Wahlergebnis der Christsozialen hat CSU-Kreis-chef Florian Herrmann mehrere Gründe ausgemacht. Die Kanzlerin kritisiert er scharf.

Freising – Nichts soll nach diesem ernüchternden Wahlabend beschönigt werden. Das ist die Marschroute des Freisinger CSU-Kreischef und Landtagsabgeordneten Florian Herrmann am Tag danach. „Wir haben einen Denkzettel mit dem Dampfhammer bekommen“, sagte er am Montag dem FT. „Wir werden das Ergebnis sehr genau und detailliert analysieren.“

Einen Grund für das enttäuschende Wahlverhalten hat er schon ausgemacht: „Für die Linksentwicklung der CDU sind wir in Mithaft genommen worden.“ Als Beispiel nannte er die Ehe für alle. Darüber könne man zwar inhaltlich streiten. „Dass man den zentralen Ehebegriff des Grundgesetzes innerhalb von drei Tagen wegdiskutiert, während man über Kommunales Abgaberecht zwei Jahre diskutiert, ist einfach irre.“ Damit habe man sich von der Bevölkerung ein Stück weit entfernt. Die Folge: „Die AfD hat sich in unseren Stammlanden breit gemacht.“

Florian Herrmann (CSU): „Die AfD hat sichin unseren Stammlandenbreitgemacht.“

Hat Merkel, der nachgesagt wird, noch jeden Koalitionspartner kleinbekommen zu haben, auch die CSU zerrieben? „Das ist das falsche Wort“, sagt Herrmann , räumt aber ein: „Die Wahrheit liegt im Wahlergebnis, und da haben wir zehn Prozent weniger.“ Dass die CSU im Wahlkampf ihre zuvor eingenommene Distanz zur Kanzlerin aufgegeben hat, sieht Herrmann nicht als Fehler. „Der Versöhnungsgipfel von Merkel und Seehofer war schon okay“, findet Herrmann. „Denn was wäre die Alternative gewesen?“ Er wirft der Kanzlerin aber vor, sich nur für ihre Regierungsmehrheit interessiert zu haben. „Sie hat zu nichts beigetragen, mit dem unsere Anhänger auch hätten leben können.“ Stichwort: Begrenzung von Einwanderung, die Herrmann für richtig hält.

Im Hinblick auf eine kommende Koalition sieht der Freisinger die größte Schnittmenge mit der SPD. Er will es daher nicht so ohne weiteres hinnehmen, dass die Sozialdemokraten sich in die Opposition verabschieden. Am Wahltag habe SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz noch getönt, dass Merkel in seinem Kabinett willkommen sei. „Und fünf Stunden später macht er einen schlanken Fuß.“ Die Bildung einer Jamaika-Koalition werde hingegen schwierig. Wie sehr, zeigte sich am Montag, als im CSU-Vorstand offenbar sogar die Fraktionsgemeinschaft mit der eigenen Schwesterpartei in Frage gestellt wurde. So weit ging Herrmann nicht. Aber: „Bevor es zu Koalitionsverhandlungen kommt, müssen wir inhaltliche Klarheit mit der CDU schaffen, und da wird die CSU keinen Jota von ihren Grundpositionen abweichen.“ Der Weg nach Jamaika ist lang.

Die Alternative für Deutschland ist allerdings auch keine Alternative für eine Koalition, betont Herrmann: „Die Haltung der führenden AfD-Köpfe ist zutiefst antidemokratisch und antiliberal. Das ist mit unseren Vorstellungen nicht vereinbar.“

Rubriklistenbild: © AFP

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