Flüchtlingsbetreuerinnen vor der Asylbewerberunterkunft in Freising
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Alarm geschlagen haben die Flüchtlingsbetreuerinnen Antje Stieber, Therese Skordou und Ingrid Hein-Schuster vom Helferkreis. Aufgrund der häufigen Quarantänesituationen in den Containern, die mit den beengten Wohnverhältnissen zusammenhängen, hätten schon mehrere Flüchtlinge ihren Job verloren.

Corona-Quarantäne in Unterkunft kostete Jobs

Flüchtlingshelferinnen funken SOS: Betreuerinnen dringend gesucht

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Freisinger Flüchtlingshelferinnen funken SOS. In der Pandemie wurde die Zahl der Betreuer immer weniger. Vor allem Mütter und Kinder leiden darunter.

Freising – Corona erschwert die Integration von Flüchtlingen deutlich. Nicht nur, dass Migranten-Kindern mit Förderbedarf der Schullockdown besonders zu schaffen gemacht hat. Auch einige Flüchtlinge haben aufgrund der Pandemie Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplätze verloren. Das berichtete Therese Skordou, vom Helferkreis GU Freising, dem FT.

Das Problem: Jedes Mal, wenn es in der Asylunterkunft im Freisinger Stadtteil Lerchenfeld zu einem Corona-Fall kommt, sind etliche Menschen, die dort ebenfalls untergebracht sind, mitbetroffen. „Die Menschen leben in den drei Containern sehr beengt und teilen sich die Küche, was in Corona Zeiten natürlich noch problematischer ist“, betont Therese Skordou. Etwa sechs bis acht Personen bilden eine Wohngemeinschaft – mit nur einem gemeinsamen Bad.

Corona-Quarantäne ist für Flüchtlinge verhängnisvoll im Job

„Seit September waren deshalb manche schon drei Mal in Quarantäne.“ Das habe bereits in mehreren Fällen zu einem Verlust des Arbeitsplatzes geführt. Gerade in der Probezeit, in der Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis ohne Angabe von Gründen beenden könnten, sei die sogenannte häusliche Absonderung verhängnisvoll. „Jetzt haben viele Angst, dass ihnen das Gleiche passiert.“

Therese Skordou, die mehrere Flüchtlinge betreut, hat selbst schon unangenehme Gespräche mit Arbeitgebern erlebt. „Einer hat zum Beispiel gefordert, dass sich einer meiner Schützlinge um eine eigene Wohnung bemühen soll. Aber die ohnehin problematische Suche nach bezahlbaren Wohnungen in der Freisinger Region ist für Asylbewerber leider noch komplizierter.“ Zwar bereitet die Helferin alle, die eine Wohnung in Aussicht haben, mit einer Mieterqualifikation am Landratsamt auf eine Bewerbung vor. Das sei bis dato jedoch zu selten von Erfolg gekrönt.

Speziell Mütter mit Kindern benötigen Unterstützung

In Not kommen langsam auch die Flüchtlingshelfer selbst. „Denn nach der anfänglich großartigen Hilfsbereitschaft hat sich die Zahl der Helfer leider arg reduziert“, teilt Skordou mit. Auch das habe mit Corona zu tun. „Da sind die Belange der Asylbewerber wie vieles andere auch aus dem Fokus gerutscht. Hinzu kommt, dass wir Ehrenamtliche hatten, die zur Risikogruppe zählen und nichts mehr machen.“

Ausgerechnet in dieser Situation hat der Helferkreis nun eine seiner tatkräftigsten ehrenamtlichen Kräfte wegen eines Umzugs verloren. „Die Frau hinterlässt eine große Lücke“, sagt Skordou. „Es wäre schön, wenn sich neue Helfer finden würden. „Denn es gibt noch genügend Menschen, die dringend Unterstützung benötigen – speziell Mütter mit ihren Kindern.“

Gut zu wissen

Wer sich dem Helferkreis Freising l anschließen möchte, kann sich per E-Mail melden: info@fshk.de.

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