Gelandet und aufgeflogen: Bundespolizisten entdeckten am Freitag eine Familie aus dem Irak, die mit dem Businessjet nach Deutschland geschleust worden war.
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Gelandet und aufgeflogen: Bundespolizisten entdeckten am Freitag eine Familie aus dem Irak, die mit dem Businessjet nach Deutschland geschleust worden war. Symbolbild

Am Flughafen München

Als Diplomaten getarnt: Familie mit Privatjet eingeschleust - für 60.000 Euro

Die Polizei hat am Flughafen eine Familie entdeckt, die nach Deutschland geschleust worden ist - via Privatjet. Vater, Mutter und die Kinder waren als Diplomaten getarnt.

Flughafen – Tagtäglich landen im Erdinger Moos Menschen, die auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben in Deutschland sind. Meist zahlen diese Reisenden nicht nur für ihr Flugticket, sondern auch ein paar Hundert oder gar ein paar Tausend Euro an kriminelle Schleuser. Am Freitag standen auch wieder vier Geschleuste vor Bundespolizisten am Airport der bayerischen Landeshauptstadt. Sie kamen jedoch nicht mit einer Linienmaschine, sondern im Businessjet.

Laut Aussagen des Vaters habe die Familie aus dem Irak einem Schleuser rund 60.000 Euro für den Privatflug von Istanbul nach München gezahlt, berichtet die Polizei. Nachdem der Mann für sich und seine Familie einen Asylantrag gestellt hatte, leiteten die Grenzpolizisten die Schutzsuchenden zuständigkeitshalber an ein Ankerzentrum weiter.

Sprachkenntnisse lassen Tarnung auffliegen

Wenn Privatflüge außerhalb des Schengengebiets in München ankommen, werden auch diese kontrolliert. So wurde die Bundespolizei am Freitag im General Aviation Terminal auf die Passagiere eines Businessjets aus der Türkei aufmerksam. Die irakische Familie, laut Ankündigung Diplomaten, war angeblich unterwegs vom Bosporus auf die Karibikinsel Dominica. In München sei nur eine Übernachtung mit anschließendem Flugzeugwechsel geplant, ließ der Handling-Agent den Beamten wissen. Diesem fiel aber bei der Überprüfung der Reisenden – noch bevor er einen Blick auf die Dokumente geworfen hatte – schon auf, dass die Möchtegern-Diplomaten weder der Diplomatensprache Französisch noch des Englischen mächtig waren.

Die Prüfung der diplomatischen Akkreditierungskarten des Karibikstaats St. Kitts and Nevis sollte dann Gewissheit bringen: Diese waren gefälscht. Näher nachgefragt, versuchte der Familienvater sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Sein zwölfjähriger Sohn konnte dem Grenzpolizisten schließlich verständlich machen, dass die Familie auf der Flucht sei.

Auf der Flucht vor dem Vater

Die Eltern erzählten bei der anschließenden Befragung auf der Wache der Bundespolizei, dass sie auf der Flucht vor dem Vater der Frau seien. Dieser sei streng gläubig und verlange, dass die 44-Jährige sowie die siebenjährige Tochter nach islamischem Recht beschnitten werden sollen. Nachdem die Familie diesem Wunsch nicht nachgekommen sei, habe der Schwiegervater ihn und seine Frau bedroht, erzählte der 49-Jährige. Daher habe er sein Haus, seinen Garten und sein Restaurant im Norden des Iraks verkauft und sei vor sechs Tagen mit seiner Familie in die Türkei geflohen. Dort seien sie dann von einem syrischen Schleuser gegen Bezahlung von rund 60.000 Euro an einen Istanbuler Flughafen gebracht worden. Anschließend sei es eben mit dem Businessjet nach München gegangen, wo er nun um Schutz bitten wolle.

Für die Prüfung und Bearbeitung dieses Schutzersuchens ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig. Daher leiteten die Bundespolizisten nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen vor Ort die Familie an ein Anker-Zentrum in Bayern weiter. Die Ermittlungen gegen die Schleuser laufen. ft

Noch mehr Einsätze am Flughafen: Zwei junge Männer gerieten an einer Bushaltestelle am Flughafen derart in Streit, dass die Polizei eingreifen musste. Einer der beiden drohte dem anderen, ihn umzubringen. Ein 49-Jähriger ließ seinen Koffer einfach am Flughafen München zurück - zusammen mit einer kuriosen Nachricht. Was er damit auslöste, war ihm wohl nicht klar.

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