Fotografin Sabine Pohla aus Freising
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Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen: Fotografin Sabine Pohla aus Freising.

„War von mir selber überrascht“

„Eine eklige Faszination“: Freisinger Fotografin Sabine Pohla wird für ihr Bild „Die Wolfsfrau“ ausgezeichnet

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Die Freisinger Fotografin Sabine Pohla wurde mit dem Silver Award des Bundes professioneller Portraitfotografen ausgezeichnet - für ein Bild, das „eine eklige Faszination“ ausstrahlt.

Freising – Das Portrait einer jungen Frau und das eines Schäferhunds – beide im Profil, beide verschmelzen ineinander. „Es hat für mich eine Faszination“, sagt Sabine Pohla, die das Bild als Mehrfachbelichtung aufgenommen hat – „eine eklige Faszination“. Für „Die Wolfsfrau“, wie die 37-jährige Fotografin ihr Werk genannt hat, wurde sie nun ausgezeichnet. Der „Silver Award“ in der Kategorie „Creative“ des Bundes professioneller Portraitfotografen ist für die 37-Jährige nicht nur ein Preis, sondern der Beweis, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen.

Mit 21 machte sie sich selbstständig

Sabine Pohla, aufgewachsen in Langenbach, tritt früh in die Fußstapfen ihrer Mutter Heike Pohla. In deren Fotostudio in Freising absolviert die Tochter ihre Ausbildung zur Fotografin und macht sich dann in Unterschleißheim selbstständig – mit nur 21 Jahren. „Ich war immer autodidaktisch unterwegs und habe einfach für mich gewurschtelt“, sagt Pohla. „Und damit war ich auch immer sehr glücklich. Den Vergleich oder gar Wettbewerb habe ich nie gesucht.“

Die Wolfsfrau: Für diese Mehrfachbelichtung wurde die 37-Jährige mit dem Silver Award ausgezeichnet.

Als ihre Tochter auf die Welt kommt, merkt Sabine Pohla schnell, wie schwierig es ist, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen, und gibt ihr Studio in Unterschleißheim auf. Als sie sich auch von ihrem Mann trennt, kehrt sie zurück zu den Eltern nach Freising – und stand schließlich vor der Frage, ob sie den Neustart als Fotografin noch einmal wagen will. „Ich war ungefähr zwei Jahre raus. Ich wusste, dass ich wenn dann von vorne anfangen müsste. Aber ob ich das schaffe – und überhaupt noch markttauglich bin – habe ich nicht gewusst.“

Das gefällt mir, das macht mich glücklich.

Fotografin Sabine Pohla

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, „schnuppert“ sie bei zwei Kolleginnen mehrere Monate wieder in ihren alten Beruf. „Ich habe festgestellt, dass das immer noch das ist, was ich machen will – aber in einer anderen Form“, erzählt Pohla.

Ein eigenes Studio soll es nicht mehr sein, sie legt den Fokus auf Outdoor-Fotografie und sogenannte Homestories: „Ganz natürlich soll es sein, nicht gestellt.“ 2018 macht sie sich erneut selbstständig und merkt schnell: „Das liegt mir, das gefällt mir, das macht mich glücklich.“

Das Fotomotiv ist dem Zufall geschuldet

Parallel dazu tritt sie dem Bund professioneller Portraitfotografen (BPP) bei und reicht ein Jahr später zum ersten Mal ein Werk ein. „Damals bin ich unter den Top 20 gelandet. Auch das hat mich schon wahnsinnig gefreut.“

Im vergangenen Jahr hat sie wieder mitgemacht – mit einem Bild mit einer besonderen Entstehungsgeschichte. „Ich war in Freising unterwegs und sah vor einer Drogerie eine junge Frau mit einem Schäferhund“, erinnert sich die Fotografin. „Beide hatten fast die gleiche Haarfarbe, ein intensives Blond. Sie waren so vertraut, und die Frau hatte so eine starke Ausstrahlung. Das hat mich sehr fasziniert.“ Pohla geht schon an den beiden vorbei, kehrt dann aber noch einmal um und gibt der jungen Frau ihre Karte – falls sie einmal Lust auf ein Shooting habe.

Als sie bald darauf das Thema des Wettbewerbs erfährt – Mehrfachbelichtung –, recherchiert sie online und stößt auf ein Bild, in dem ein Katzenkopf und ein menschliches Gesicht ineinander verschmelzen. „Diese Grundidee fand ich cool. Und dann fiel mir die Frau wieder ein.“ So entsteht „Die Wolfsfrau“.

Emotionen statt Perfektion

Dass ein gewisser Ekel davon ausgehe, sei durchaus gewollt. „Das Bild, das ich vor zwei Jahren eingereicht habe, fanden alle außergewöhnlich – außergewöhnlich schön.“ Gewonnen habe damals das Bild, das „außergewöhnlich eklig“ gewesen sei. Wenn Sabine Pohla eins gelernt hat, dann dass es in der Fotografie nicht um Perfektion, sondern um Emotion geht, und zwar egal, ob positiv oder negativ.

Wie recht sie damit hat, zeigt ihre Platzierung. „Über diese Auszeichnung bin ich überglücklich. Ich war sehr von mir selber überrascht.“ Den Vergleich mit anderen habe sie damals wie heute nicht gebraucht. „Aber es ist eine schöne Bestätigung.“ Eine Bestätigung, sich seine Träume zu erfüllen.

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