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Bericht aus dem Gericht

Freiheitsstrafen für Überfall auf Taxifahrer

Wer das „Heft des Handelns“ beim Überfall auf einen Münchner Taxifahrer, der mit einem Pfefferspray außer Gefecht gesetzt wurde, letztlich in der Hand hatte, ließ sich auch an drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht Landshut nicht klären: Der 18-jährige togolesische Schüler und der 27-jährige deutsch-türkische Bauhelfer, beide aus einer Freisinger Notunterkunft, bezichtigten sich gegenseitig, handelten sich dennoch beide Freiheitsstrafen ein.

Landkreis/LandshutWer das „Heft des Handelns“ beim Überfall auf einen Münchner Taxifahrer, der mit einem Pfefferspray außer Gefecht gesetzt wurde, letztlich in der Hand hatte, ließ sich auch an drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht Landshut nicht klären: Der 18-jährige togolesische Schüler und der 27-jährige deutsch-türkische Bauhelfer, beide aus einer Freisinger Notunterkunft, bezichtigten sich gegenseitig, handelten sich dennoch beide Freiheitsstrafen ein.

Wie berichtet, hatte sich das Duo am 28. Juni vergangenen Jahres kurz nach Mitternacht nach Besuchen in Spielhallen per Taxi von München nach Freising fahren lassen. Am Ziel angekommen, hatte der togolesische Schüler dem Fahrer Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihm die Geldtasche mit 40 Euro Inhalt entrissen. Der Anklagevorwurf lautete auf besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Dem Bauhelfer wurde außerdem ein vor der Heimfahrt begangener Diebstahl vorgeworfen: Einem polnischen Zocker (48) hatte er beim Verlassen der Spielhalle das Handy, den Personalausweis und – angeblich – auch 60 Euro gestohlen. Geradezu bizarr hörten sich dagegen die Details der dem Schüler zusätzlich zur Last gelegten räuberischen Erpressung an: Am 9. Januar 2017 hatte er mit einem Faustschlag einem Realschüler einen Vier-Euro-Döner abgenommen und der hatte dann auch noch zwei Euro herausgerückt.

Zum Prozessauftakt hatte der Bauhelfer den Diebstahl in der Spielhalle eingeräumt, allerdings bestritten, dass er auch Bargeld erbeutet habe. Der junge Togolese bestritt zunächst den „Mundraub“, räumte den Vorwurf aber nach der Vernehmung des Realschülers ein.

Diametral dagegen die Aussagen zum Überfall auf den Taxler: Er habe, so der 18-Jährige, am Vortag ein Pärchen bei einem vermeintlichen Drogendeal über den Tisch gezogen. Die dabei erbeuteten 150 Euro habe man dann zur „Finanzierung“ größerer Drogengeschäfte in der Spielhalle in München „vermehren“ wollen, aber alles verloren. Bevor man dann ins Taxi eingestiegen sei, sei man sich einig gewesen, den Fahrer um seine Barschaft zu erleichtern. Der Bauhelfer habe ihm dann während der Fahrt das Pfefferspray gegeben und gedroht, er werde die Polizei über seinen Drogenkonsum informieren, wenn er die Anweisungen nicht befolge.

Die Version des 27-Jährigen hörte sich allerdings anders an: Er habe dem Schüler das Pfefferspray schon vor der Fahrt nach München gegeben, damit der sich gegen eventuelle Übergriffe gegen das um die 150 Euro betrogene Pärchen verteidigen könne. Für den Überfall auf den Taxler habe man zwei Varianten gehabt. Zum einen die mit dem Pfefferspray und dann die andere, dass man den Fahrer mit einem Vorwand aus dem Auto locke und so an dessen Geldtasche komme. Noch während der Fahrt, so der Bauhelfer, habe er die ganze Sache „abblasen“ wollen, der Pfefferspray-Einsatz sei gegen seinen Willen erfolgt. Beide Angeklagten machten auch ihre Drogenabhängigkeit für den Überfall verantwortlich. Er habe an besagtem Abend einige Joints und Kokain konsumiert, so der Schüler, dem Landgerichtsarzt Dr. Hubert Näger in seinem Gutachten zwar einen Drogenmissbrauch, aber keinerlei Einschränkung der Schuldfähigkeit bescheinigte. Anders lagen die Dinge dagegen beim Bauhelfer. Bei ihm lagen laut Gutachter eine schwere Abhängigkeit und nicht ausschließbar eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit vor.

Die Jugendkammer verhängte gegen den 18-Jährigen eine Jugendstrafe von drei Jahren. Der Bauhelfer kam mit zwei Jahren und neun Monaten davon. Außerdem wurde seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Strafmildernd hätten sich bei beiden Angeklagten die Geständnisse, die geringe Beute und die dilettantische Ausführung ausgewirkt.

Rubriklistenbild: © dpa

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