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Ein gezielter Tritt: Im Selbstverteidigungs-Training lernen die Teilnehmer unter anderem, einen potenziellen Angreifer mit den Techniken aus dem Krav Maga außer Gefecht zu setzen.

„Laut sein und Nein sagen“

Freisinger Experten erklären, wie man sich mit Krav Maga selbst verteidigen kann

Vor allem Frauen haben ein ungutes Gefühl, wenn sie nachts allein unterwegs sind – oft, weil sie nicht wissen, wie sie sich im Falle einer Belästigung wehren können. Christian Denk und Anita Sebestyen erklären im Interview, wie Krav Maga helfen kann.

Freising – Die Joggingrunde am Abend, der Heimweg von einer Party: Vor allem viele Frauen beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn sie nachts allein unterwegs sind – oft deshalb, weil sie nicht wissen, wie sie sich im Falle einer Belästigung wehren können. Immer mehr Vereine bieten daher Selbstverteidigungskurse an. In Freising leitet der Polizeibeamte und Gewaltpräventionstrainer Christian Denk seit 2014 die Selbstverteidigungsgruppe Krav Maga. Auf Hebräisch bedeutet das Kontaktkampf. Mit Gewaltpräventionspädagogin Anita Sebestyen lehrt er die Kampfsportechnik in der Halle des TSV Jahn. Im Interview berichten die beiden, was Krav Maga ausmacht, wer ihre Kurse besucht und warum das Thema an Schulen einen höheren Stellenwert haben sollte.

Warum ist es so wichtig, sich selbst verteidigen zu können?

Denk: Jeder hat das Recht, seinen Körper zu verteidigen. Wir leben leider in einer Gesellschaft, die gerne wegschaut. Hilfe ist von anderen oft nicht unbedingt zu erwarten. Mit Selbstverteidigung kann trainiert werden, sich selbst zu schützen, selbstbewusst mehr Zivilcourage zu zeigen und anderen damit zu helfen. Als Polizeibeamter weiß ich, was auf der Straße funktioniert, weil ich es häufig anwenden musste. Ich bin oft selbst Opfer von Gewalt geworden.

Wie kam es dazu, dass Sie solche Kurse anbieten?

Denk: Ich habe mir überlegt, wie man die Leute am effektivsten und schnellsten schulen kann. Anita habe ich über Aikido kennengelernt, dann ist sie auf den Zug aufgesprungen.
Sebestyen: Theorieunterricht hilft in Sachen Selbstverteidigung nichts. Man muss praktische Techniken vermitteln. Das wollen unsere Teilnehmer auch.

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Welche Tricks kann jeder lernen?

Denk: Selbstverteidigung beginnt relativ früh. Es gibt drei Stufen: Aufmerksamkeit, zielgerichtete Flucht und als letzten Schritt Kampf. Wenn man aufmerksam ist, kann man sich manchen Situationen frühzeitig entziehen. Selbstbewusstsein und Ausstrahlung sind ebenfalls wichtig. Schläge und Tritte können bei uns im Kurs erlernt werden – genauso wie die rechtlichen Grundlagen.

Und was, wenn der Angreifer ein Messer dabeihat?

Sebestyen: Weglaufen ist die einzig richtige Option. Laut sein ist immer wichtig. So erzeugt man Aufmerksamkeit, die den Gegner eher abschreckt.
Denk: Es ist schwierig, sich gegen jemanden zu stellen, der bewaffnet ist. Da gehört viel Mut dazu.

Was können Frauen tun, wenn sie belästigt werden?

Sebestyen: Laut sein und Nein sagen. Das fällt vielen Frauen anfangs sehr schwer. Sie müssen lernen, bestimmt und laut „Stopp“ zu sagen.
Denk: Und damit zeigen, dass sie keine Opfer sind.
Sebestyen: Sondern ein Gegner. Alleine zu zeigen, dass Frauen sich wehren können, schreckt viele schon ab.

Gemeinsam stark: Christian Denk und Anita Sebestyen geben Selbstverteidigungskurse beim TSV-Jahn.

Was ist das Besondere an Krav Maga?

Sebestyen: Krav Maga ist einfach zu lernen. Man braucht nicht viele Jahre wie bei anderen Kampfkünsten. Es ist eine Sammlung aus verschiedenen Kampfsporttechniken, die einfach und effektiv ist.
Denk: Sozusagen ein Kampfsystem. Außerdem ist es für fast alle Altersstufen geeignet.

Macht die Mischung der Techniken einen Unterschied?

Denk: Die Mischung macht es tatsächlich aus. In unserem Training hat man den ein oder anderen Hebel aus dem Aikido oder Ju-Jutsu dabei. Diese Techniken stärken Körperbeherrschung, Bewegung und Schnelligkeit.

Wer besucht Ihre Kurse?

Denk: Hauptsächlich Frauen und mittlerweile auch viele Kinder, davon zum Großteil Mädchen. Seit wir 2014 angefangen haben, verzeichnen wir zunehmend mehr Teilnehmer. Allein beim TSV-Jahn haben wir schon knapp 700 Personen geschult.

Könnten Taten verhindert werden, wenn sich jeder wehren könnte?

Denk: Laut einer Studie brechen 80 Prozent aller Täter bei verbalem oder körperlichem Widerstand den Angriff ab. Wir hatten schon zwei Damen im Kurs, die sich erfolgreich wehren konnten.

Ist Selbstverteidigung auch für Kinder relevant?

Denk: Definitiv. Ich wünsche mir, dass das Thema in den Sportunterricht integriert wird. Wir besuchen regelmäßig Schulen, besonders Mädchen freuen sich über die Abwechslung. Denn Selbstverteidigung macht auch Spaß.

Gut zu wissen

Infos zu Kursen und dem Selbstbehauptungstraining für Kinder gibt es in der Jahn-Geschäftsstelle und unter www.tsv-jahn-freising.de.

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