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Die Tanzszenen rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. 

Freisinger Musicalsommer: „Hairspray“ setzt neue Massstäbe

Eine Show der Extraklasse

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Handys aus, Haarspray raus! Der dritte Freisinger Musicalsommer gab sich bunt. Knallbunt. Und das nicht nur durch Bühnenbild und Beleuchtung. „Hairspray“ war ein flammendes Plädoyer für eine bunte Gesellschaft.

Freising Quietschende und kreischende Mädchenstimmen, quietschend bunte Kostüme, auch die Bühne in bonbonfarbenes Licht getaucht, die Musik mitreißend, die Sänger grandios. Der dritte Freisinger Musicalsommer hat mit dem Broadway-Stück „Hairspray“ künstlerisch neue Maßstäbe gesetzt. Was da unter dem Intendanten und künstlerischen Leiter Norbert Huber und Regisseur Maximilian Widmann auf die große Bühne der Luitpoldhalle gezaubert wurde, war optisch und akustisch erste Sahne.

Die Geschichte um Tracy Turnblad, die – selbst als pummelige Teenagerin so gar nicht dem Schönheitsideal entsprechend – im Baltimore des Jahres 1962 mit Hartnäckigkeit und viel Feuer für sich, ihre Rechte und auch die Rechte der Schwarzen kämpft („Ich wünschte, jeder Tag wäre Negro Day“), rührt an. Sie rührt an, weil sie so viele Parallelen zur aktuellen Situation erlaubt und aufzeigt, sie rührt aber auch an, weil die Freisinger Inszenierung und die Darsteller genau diesen Nerv treffen, weil sie künstlerisch fulminant die mal lustige, mal nachdenkliche Geschichte auf die Bühne des Freisings im Jahr 2018 bringen. Vom ersten Ton bis um letzten Bild ist „Hairspray“ ein Erlebnis. Ein echtes, großes Erlebnis.

Neben einem Orchester, das unter Huber den Sound der 60er Jahre nicht nur spielt, sondern lebt, sind die Sänger eine Augenweide und vor allem musikalisch exzellent: Anna-Lena Wissmiller, die am Freitag bei der Premiere die Tracy gab (Jennifer Schegg ist die andere Tracy), ist ausgebildete Musicaldarstellerin – und das merkte man: Ihr expressives Spiel, ihre starke Stimme – Tracy war ein echter Hingucker.

Dasselbe gilt für Maria Joachimstaler (und wechselweise Daniela Poppe), die das Mauerblümchen Penny geben und so herrlich naiv-kämpferisch gegen das eigene Image ankämpfen. Und dann war da Nina Fischer als Amber von Tussle – ein exaltiertes Blondchen, dem das Äußere über alles geht. Was soll man sagen? Nina Fischer (die in der anderen Besetzung von Julia Pfleger vertreten wird), war sicher eines der ganz großen Highlights der Musicals.

Und so kann man weiter aufzählen: Christiane Rennig (in anderen Aufführungen Brigitte Weithenauer) als Mama Edna Turnblad, Leopold Lachnit (beziehungsweise Constantin Moll) als „der aufblühende Elvis“ Link, dem coolen Checker, den die Girls nur so anschmachten, Thomas Hiermeier (an anderen Tagen Sebastian Kreuzer), der als der coole Entertainer Corny Collins bei jedem seiner Soli die Bühne beherrscht und das Publikum zu Jubelstürmen hinreißt, Susanne Fischer (in anderen Aufführungen Andrea Röder) als wunderbar überkandidelte Showproduzentin Velma van Tussle – sie alle waren Garanten für eine Show der Extraklasse.

Das alles und noch viel mehr – man denke nur an die wunderbar skurrilen „Dynamites“ oder an Tanzszenen, die an Exaktheit und Feuer und Fantasie kaum zu überbieten waren – machten aus dem Musicalsommer mit „Hairspray“ ein musikalisches und wegen des Inhalts und der Botschaft auch gesellschaftspolitisches Ereignis, das in Freising lange seinesgleichen suchen dürfte.

Wer bei diesem ganz außergewöhnlichen Ereignis dabei war, der wird künftig zu keinem Haarspray mehr greifen könne, ohne zugleich an diesen Abend und an dieses Kulturevent mit Aussage zu denken.

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