1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

Faszinierend, grandios, absurd: Freisings Oberbürgermeister über Erreichtes in 2021 und Projekte für 2022

Erstellt:

Kommentare

Der Endausbau bei der Moosachöffnung schreitet voran: Am Anfang hat sich immer die Baustelle vergrößert, jetzt wird sie immer kleiner.
Der Endausbau bei der Moosachöffnung schreitet voran: Am Anfang hat sich immer die Baustelle vergrößert, jetzt wird sie immer kleiner. © Lehmann

Die Innenstadtsanierung mit Moosachöffnung ist nur eine von vielen Baustellen der Stadt Freising. OB Tobias Eschenbacher spricht über die Projekte für das Jahr 2022.

Freising – Es geht voran. Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) ist so, wie trotz Pandemie die großen und kleinen Projekte der Stadt Freising im Jahr 2021 gelaufen sind, zufrieden. Im FT-Gespräch erzählt der OB aber auch, wie sich das Klima in der Lokalpolitik verändert hat – auch wegen der Pandemie.

Herr Eschenbacher, können Sie das Wort Corona überhaupt noch hören?

Ich habe mit der Umsetzung, also mit der Exekutive, nicht so viel zu tun wie ein Landrat. Aber es fordert uns natürlich schon ungemein. Wir haben zahllose Sitzungen und Besprechungen gehabt, in denen beredet wurde, wie wir was umsetzen. Wir schauen uns die Pressekonferenzen an, um abschätzen zu können, was ein paar Tage später an Ausführungsverordnungen kommt. Das ist ja auch etwas schwierig, weil wir immer warten müssen, bis wir etwas Offizielles haben. Für uns ist ja nicht die Pressekonferenz bindend. Insofern fordert Corona schon alle, auch den Oberbürgermeister. Aber da geht es mir wie der ganzen Bevölkerung. Ich glaube, dass jede und jeder nicht mehr mag und nicht mehr kann.

Und Aufforderungen, sich impfen zu lassen, sind ja auch nicht Aufgabe der Stadt, oder?

Ja, schon. Aber ich habe von Anfang an bei der Impfkampagne des Landkreises mitgemacht, weil ich das für wichtig halte. Und es scheint die beste Methode zu sein, mit den geringsten Verlusten durch die Pandemie zu kommen.

Freisings OB Tobias Eschenbacher
In seinem Rückblick schildert Freisings OB Tobias Eschenbacher unter anderem, wie sich das Klima in der Lokalpolitik verändert hat – auch wegen der Pandemie. © ft

Haben Sie im näheren Umfeld schlimme Erfahrungen mit Corona gemacht?

Ich kenne schon einige, die schon sehr schwer erkrankt waren, ich kenne auch Menschen, die an Corona verstorben sind. Und ich kenne auch einige, die mit den Folgen noch lange zu kämpfen gehabt haben. Das ist natürlich schon ein hartes Schicksal. Es ist eine Krise, das muss man ganz klar sagen. Man kann wahrscheinlich nicht die einzig richtige Entscheidung treffen. Und insofern habe ich größten Respekt vor denen, die Entscheidungen treffen müssen, die dann auch zu Einschränkungen im Alltag führen – auch wenn ich persönlich vielleicht nicht alles nachvollziehen kann. Von den schlimmen Auswirkungen der Krise abgesehen, finde ich es spannend, dass man einen wissenschaftlichen Prozess miterlebt, der immer wieder Korrekturen erlebt –in der Wissenschaft und auch juristisch in den Einschränkungen. Und das ist für mich ein Zeichen, dass unser Rechtsstaat funktioniert.

Ein Licht am Ende des Tunnels ist ja inzwischen bei den großen Projekten der Stadt abzusehen. Im wahrsten Sinn des Wortes beispielsweise bei der Westtangente.

Ja, am 10. Januar ist sie für den Verkehr freigegeben worden. Ein Fest oder eine Einweihung gab es nicht. Das bedauere ich sehr, weil wir ja eigentlich vorhatten, den Tunnel für die Allgemeinheit zu einer Besichtigung zu öffnen. Wir wollten die Anwohner, die die Bauarbeiten ertragen mussten, zu einem Fest einladen. Wir werden versuchen, das alles irgendwann nachzuholen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass man im Sommer die Strecke mal für einen Tag sperrt. Aber in der jetzigen Zeit ist so etwas einfach nicht möglich. Als wir den Tunneldurchstich hatten, gab es ja einen Tag der offenen Tür – und da dürften 10 000 Menschen da gewesen sein. Das ging jetzt nicht. Und deshalb haben wir das Ganze relativ sang- und klanglos über die Bühne gebracht. Ich bin froh, dass wir sie bekommen haben, und finde sie sehr wichtig – vor allem auch im Hinblick auf all die Änderungen, die bei uns jetzt im innerstädtischen Verkehr anstehen, beispielsweise die Verbesserungen für den Radverkehr. Und es ist auch ein faszinierendes Projekt. Der Tunnel ist schon ein beeindruckendes Bauwerk und ein Zeichen hoher Ingenieurkunst.

Ist schon eine Entlastung durch die B 310-Nordostumfahrung spürbar?

Wir haben schon Zählautomaten aufgestellt, aber ich habe noch keine Zahlen. Ich kann da also noch nichts Konkretes sagen. Subjektiv habe ich schon das Gefühl, dass es auf der Mainburger Straße ruhiger geworden ist, vor allem zu den Hauptverkehrszeiten.

Die Sanierung des Asamkomplexes geht voran?

Es wird. Ja. Und man kann überhaupt sagen, dass trotz der Pandemie unsere Projekte gut und stetig vorangehen. Das gilt auch für das Asamgebäude. Wir haben uns da ja bewusst nie einen Zeitdruck gemacht. Jetzt kommen wir aber in eine Phase, bei der wir sagen, 2023 muss es fertig sein, weil wir es im Korbiniansjahr 2024 brauchen. Da wird es sicherlich eine zentrale Rolle spielen. Das wird ein ganz tolles Haus. Und ich bin froh, dass es gegenüber von meinem Büro ist, sodass ich es sehen kann.

Nächstes Thema: Innenstadt.

Die ist zunächst mal das Paradebeispiel dafür, dass man sagen kann: Mehr Information, mehr Aufwand, um zu informieren, als beim Innenstadtumbau geht wahrscheinlich gar nicht. Aber auch da gilt: Ich freue mich schon sehr darauf, wenn die Moosachöffnung und der Innenstadtumbau abgeschlossen ist. Jetzt wird es eh spannend, weil sukzessive der Endausbau bei der Moosachöffnung voranschreitet. Am Anfang hat sich immer die Baustelle vergrößert, jetzt wird die Baustelle immer kleiner. Das ist für alle ein Lichtblick. Und soweit man das schon sieht und sich vorstellen kann, wird das grandios.

Trotz der Pandemie gehen laut OB die Bauprojekte „stetig voran“. Das gelte auch für das Asamgebäude. 
Trotz der Pandemie gehen laut OB die Bauprojekte „stetig voran“. Das gelte auch für das Asamgebäude.  © Lehmann

Ein großer Eingriff wird nochmal das Regenrückhaltebecken unter dem Marienplatz?

Das werden wir, so wie es jetzt aussieht, aber erst 2025 machen. Da muss vorher die Sanierung des Asamgebäudes abgeschlossen sein und im Korbiniansjahr sollte es keine so große Baustelle im Herzen der Stadt geben.

Welches Projekt bereitet Ihnen besondere Sorgen?

Eigentlich keines. Letztlich ist es ja so: Man geht in ein Projekt rein und hat bestimmte Vorstellungen. Dass man bei der ersten Kostenschätzung in der Regel immer eine andere Zahl hat als die, die am Ende rauskommt, liegt daran, dass bei uns in der Stadt in diesem beengten Raum und mit der historischen Substanz die Projekte immer komplex sind. Das gilt sogar für die Feuerwache 2, die auch besondere Rahmenbedingungen wie die Wohnbebauung in der Nähe hat. Was freilich alles abrunden würde, wäre, wenn wir den Bahnposten 15 hinbekommen würden. Das ist so ein Projekt, bei dem habe ich mittlerweile festgestellt, dass es sehr, sehr schwierig ist. Da arbeiten viele Leute dran, um zu schauen, dass man eine machbare Lösung hinbekommt. Das ist schon so eine Art Sorgenkind. Und schwierig ist auch die geplante Bebauung am Neustifter Feld, weil da halt viele Emotionen dabei sind, wir als Stadt aber den übergeordneten Blick haben müssen – also auch auf nachhaltiges Bauen und Nachverdichtung achten müssen. Da muss man eben den bestmöglichen Kompromiss finden.

Emotionen spielen auch bei der Event-Arena eine Rolle.

Da sage ich erst einmal: eine interessante Geschichte. Aber die Emotionen sind so hoch, dass man schon Vorwürfe bekommt, wenn man nur daran denkt, sich das näher anzuschauen. Aber es ist Aufgabe von uns Politikern, Entscheidungen auf Basis größtmöglicher Erkenntnis zu treffen und nicht auf Basis einer Vorverurteilung. Ich gehe davon aus, dass ein Bebauungsplan dafür aufgestellt wird. Und dann ist die Frage, ob es einen Bürgerentscheid gibt, und ob jemand berechtigte Klagemöglichkeiten hat. Ich verstehe, wenn Anwohner gegen ein Projekt sind, aber wenn von Politikern so eine Vorfestlegung kommt, dann finde ich das schwierig. Da wird dann oft mit übertriebenen Zahlen und Szenarien gerechnet, die der Sache nicht gerecht werden. Zum Beispiel die Behauptung, die Event-Arena würde acht Prozent mehr Flugbewegungen bringen. Das ist völlig absurd.

Eine schwierige „Baustelle“ ist laut OB Tobias Eschenbacher die geplante Bebauung am Neustifter Feld, weil da „viele Emotionen dabei sind“, die Stadtverwaltung aber im Gegenzug den übergeordneten Blick haben müsse.
Eine schwierige „Baustelle“ ist laut OB Tobias Eschenbacher die geplante Bebauung am Neustifter Feld, weil da „viele Emotionen dabei sind“, die Stadtverwaltung aber im Gegenzug den übergeordneten Blick haben müsse. © Lehmann

Welches Projekt macht besondere Freude?

Es läuft eigentlich alles. Ich bin schon zufrieden, wie kontinuierlich alles vorangeht. Es gibt kein Scheitern, nichts, wo man sagen muss, es funktioniert nicht. Für mich ist das Thema Innenstadt schon ein besonderes. Das war ja schon Thema kurz nachdem ich mit 17 in die JU eingetreten bin. Das heißt, das begleitet mich jetzt schon ein Vierteljahrhundert. Und was ich tatsächlich toll finde, ist, wie es bei uns mit den Schulbauten funktioniert: die Steinparkschulen, die Vöttinger Schule, in Lerchenfeld. Ich denke, da ist die Stadt vorbildlich. Wir geben da sicher mehr aus, als wir ausgeben müssten.

Wird das alles von den Bürgern auch gewürdigt?

Naja, es liegt in der Natur der Sache, dass Äußerungen und Kommentare oft negativ sind. Aber im Endeffekt bekommt man als Politiker sein Zeugnis bei der nächsten Wahl. Und das sensationelle Wahlergebnis von 2020 war ja schon außergewöhnlich. Für acht Jahre Arbeit so ein Ergebnis – und das bei so viel Konkurrenz – dann ist das schon ein starkes Zeichen, das mir Aufschwung gibt.

Wie beurteilen Sie die Stimmung im Stadtrat seit 2020?

Was ich tatsächlich sehr bedauert habe, dass wir unter Pandemiebedingungen angefangen haben und immer noch unter diesen Bedingungen sind. Und deshalb gibt es relativ wenig Kontakt außerhalb der Sitzungen. Da konnte früher manch umstrittene Frage noch im informellen Rahmen geklärt werden, das geht jetzt nicht mehr. Das merkt man auch streckenweise. Aber insgesamt hat der Freisinger Stadtrat eine gute Diskussionskultur. Obwohl schon kritischer diskutiert wird als in der vorherigen Amtsperiode.

Wie geht es mit dem Josef-Hofmiller-Gymnasium weiter?

Da hat sich ja jetzt schon fast jede Partei positioniert. Das ist vielleicht auch ein Ausfluss dessen, dass man außerhalb der Sitzungen kaum miteinander spricht. Ich finde das eine schwierige Vorgehensweise, wie sie derzeit beim JoHo passiert: Wir laufen nämlich gerade Gefahr, dass die Entscheidungen, die das JoHo betreffen, politisch getroffen werden und nicht sachlich. Ich finde es schwierig zu sagen, man wisse schon, wie die Sache laufen soll, ohne dass man sich die Dinge angeschaut hat. Das ist nicht meine Herangehensweise. Ich kenne die bestmögliche Entscheidung noch nicht. Da gibt es ganz viele Aspekte und Argumente. Aber es ist oft in der Politik so, dass ein berechtigter Einwand zu einem K.O.-Kriterium umfunktioniert wird. Aber das ist nicht meine Auffassung von Politik.

Eine kurze Zusammenfassung des Jahres 2021?

Das Jahr war eine Mischung aus Hoffnung, Enttäuschung, Erschrecken.

Auch interessant

Kommentare