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Das spitzbübische Lächeln können nur enge Freunde richtig deuten. Walter Brugger beendet am heutigen Freitag sein neuntes Lebensjahrzehnt. Gratulieren kann man ihm noch nicht – der Herr Wieskurat ist mit unbekanntem Ziel verreist. 

„Ich bin wahnsinnig glücklich hier“

Freisings Wieskurat Walter Brugger wird 90 – und hat noch eine Menge vor

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„Ich bin wahnsinnig glücklich hier.“ Hier – das ist die Wieskirche. Und der, der das sagt, ist der Wieskurat: Walter Brugger. Er feiert heute seinen 90. Geburtstag. Das Geheimnis des Prälaten? Die Regelmäßigkeit des Tags.

Freising – Er macht einen rundum zufriedenen Eindruck, wie er so dasitzt in seinem Wohnzimmer. Seine Augen leuchten, manchmal blitzt der Schalk hervor und ein spitzbübisches Lächeln ist zu erkennen. Walter Brugger, das merkt man, ist mit sich im Reinen. Und wie sich das für einen Pfarrer gehört, kann er Geheimnisse bewahren. Wenn er heute seinen 90. Geburtstag feiert, dann ist Brugger nicht da. Schon ein paar Tage zuvor ist er an einen geheimen Ort gereist. Wo er ist, weiß niemand. Selbst die fast schon legendäre Schafkopfrunde mit Weihbischof Bernhard Haßlberger, Diakon Walter Schwind und Alt-OB Dieter Thalhammer habe keine Ahnung, erzählt Brugger dem FT – und lächelt dabei verschmitzt. Denn manch einer habe ihm das übel genommen, dass er zu seinem 90. Geburtstag nicht in Freising ist.

Bruggers Vita beginnt am 21. Dezember 1928 in Laufen an der Salzach. Nach der Schullaufbahn tritt er 1950 in das Priesterseminar in Freising ein, studiert bis 1956 an der philosophisch-theologischen Hochschule. 1956 wird er im Dom zum Priester geweiht, ist bis 1968 Kaplan in Traunstein, bis 1962 Kaplan in München Heilig Geist, studiert derweil drei Semester Kunstgeschichte. Von 1962 bis 1968 ist er Dozent für Katechetik und Homiletik am Freisinger Priesterseminar, ist von 1968 bis 1982 Stadtpfarrer in St. Georg und Dekan. 1979 promoviert Brugger zum Doktor der Theologie, wird von 1982 bis 1995 Pfarrer in St. Andreas in Berchtesgaden und dort auch Dekan, bevor er – inzwischen zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt – aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand geht und seit 1995 Rektor an der Wallfahrtskirche Wies bei Freising wird. Und das ist er heute noch.

„Überfromme“ mag Wieskurat Brugger nicht

Das sind die Fakten. Dahinter verbirgt sich ein Mann, der weiß, wo er steht. Brugger ist einer, so hat er einmal gesagt, der Extreme hasst. „Überfromme“ mag er nicht, aber auch nicht solche, die die Kirche nur pessimistisch sehen. Noch etwas hat Brugger einmal berichtet: Viele Einsichten, die er über den Glauben, das Leben und den Tod gewonnen hat, habe er von seiner Oma. Sie sei sein Vorbild gewesen, „im besten Sinne fromm“ und ein Exempel, „wie man Glauben lebt“.

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Inzwischen ist Brugger 90. Selbstverständlich muss man ihn danach fragen, was sein Geheimnis und das Rezept ist, dass man dieses Alter erreicht. Die Antwort: „Die Regelmäßigkeit des Tages.“ Da sind seine täglichen Streckübungen, das konsequente Spazierengehen, die Essen zu immer denselben Zeiten, vormittags einen schwarzen Tee, mittags ein warmes Weißbier, abends um 20 Uhr ein Achtel Rotwein und vor dem Schlafengehen ein warmes Helles.

Doch es gibt noch anderes, was ihn 90 werden ließ, sagt Brugger: Die Seelsorge und die Gottesdienste „mit meiner Wiesgemeinde“, wie er es ausdrückt. Das gesamte Umfeld sei schön – Mesner, Haushälterin, Chor, Ministranten, das Büro, vor allem sein Hausverwalter, und und und.

Und dann ist da noch etwas, das Brugger fit hält: sein wissenschaftliches Arbeiten. Sich in der Historie zu vergraben, dabei Dinge auszugraben, das macht Brugger Freude, deshalb ist er etwa Mitautor einer Monographie über 900 Jahre Benediktinerabtei Scheyern, die im nächsten Jahr erscheinen soll.

„Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann kämpfe ich dafür“

Brugger macht es Spaß, so sagte er, sich um einer guten und sinnvollen Sache wegen mit Behörden „anzulegen“. Beispiel: Querungshilfe über die B 301 vor „seiner“ Kirche. „Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann kämpfe ich dafür. Da bin ich dann raffiniert und nutze meine Beziehungen“, gibt der Gottesmann unumwunden zu. Und lächelt dabei. Deshalb hat er es auch schon vor Jahren mit Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft geschafft, dass er dereinst einmal auf dem kleinen Friedhof an der Wieskirche bestattet wird.

Fragt man Brugger, was er in der nächsten Zeiten noch so vorhat, dann sprudelt es nur so hervor: Manch ein Thema reizt ihn noch, es wissenschaftlich aufzuarbeiten, der Garten mit den Buchsbäumen und der Friedhof müssen im kommenden Jahr hergerichtet werden, im Haus stehen auch Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an, und und und.

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Eines ist also sicher: Wenn Brugger – dann als 90-Jähriger – kurz vor Weihnachten wieder in die Wies zurückkehrt, wird ihm nicht langweilig werden. Und dann wird wieder die Regelmäßigkeit des Tags bei ihm Einzug halten. Tee, Weißbier, Rotwein, Helles. Und manchmal wird er wieder Anlass dazu haben, spitzbübisch zu lächeln, der Herr Wieskurat Walter Brugger. zz

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