Um die 650 Demonstranten pilgerten am Freitagnachmittag zum Freisinger Marienplatz, um sich für eine neue Klimaschutzpolitik stark zu machen.
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Um die 650 Demonstranten pilgerten am Freitagnachmittag zum Freisinger Marienplatz, um sich für eine neue Klimaschutzpolitik stark zu machen.

Laut, resolut und humorvoll

„Eltern wählen für ihre Kinder“: Hunderte von Freisingern demonstrieren für besseren Klimaschutz

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Zwei Tage vor der Bundestagswahl haben Demonstranten ein lautstarkes Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt. Ihre Forderungen waren resolut, aber auch humorvoll.

  • Rund 650 Demonstranten haben am Freitag auf dem Freisinger Marienplatz ein Zeichen für besseren Klimaschutz gesetzt
  • Ehemaliger Landtagsabgeordneter berichtet von alarmierenden Zahlen des Deutschen Wetterdienstes.
  • Gefordert wurde bei der Kundgebung von Fridays for Future auch die Beerdigung von Großprojekten, die den CO2-Ausstoß nach oben treiben.

Freising – Trommeln, Trillerpfeifen und tosender Beifall für die Redner: Mehrere Hundert Demonstranten haben am Freitag auf dem Freisinger Marienplatz ein lautstarkes Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt. Zwei Tage vor der Bundestagswahl skandierten die Teilnehmer der von Fridays for Future organisierten Kundgebung: „Wählt das Klima, nicht das Geld, denn es gibt nur eine Welt!“

Bei sonnigem Wetter waren nach Angaben der Veranstalter 650 „Freundinnen und Freunde der Klimarettung“ gekommen, wie es Christian Magerl ausdrückte. Der ehemalige Landtagsabgeordnete berichtete in seiner Rede von aktuellen Wasserstandsmeldungen, die aus dem gerade erst zu Ende gegangenen Deutschen Extremwetterkongress gefunkt wurden. Vor allem ein Faktenpapier des Deutschen Wetterdienstes habe ihm „die Kinnlade runtergehauen“. Demnach ist die Temperatur seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1881 in jedem Jahrzehnt um 0,12 Grad gestiegen – insgesamt um 1,68 Grad.

Beschlossene Klimaziele „reichen hinten und vorne nicht aus“

Zudem, so Magerl, sei der CO2-Ausstoß im ersten Halbjahr 2021 so hoch gewiesen wie nie seit dem Referenzjahr 1990. Damit habe man das, was im Pandemiejahr 2020 (erzwungener Maßen) eingespart worden sei, bereits wieder kompensiert. „Die Hoffnung, dass Corona zu einem Umdenken führt, hat sich eher nicht erfüllt.“ Auch die von der Politik vereinbarten Klimaziele bis 2045 würden „hinten und vorne nicht ausreichen“.

Unter Einhaltung der Corona-Regeln zogen die Klimaschützer durch die Innenstadt, um die Passanten auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Magerls Forderung: „Wir müssen eine komplett andere Politik einschlagen.“ Dazu würde es auch zählen, Projekte, die den CO2-Ausstoß befördern würden, ad acta zu legen. Dabei ginge es nicht nur um bundesweite, sondern auch um regionale und lokale Projekte. Namentlich nannte er die 3. Startbahn am Flughafen München und die Event Arena sowie den vierspurigen Ausbau der B 301 und der Schlüterbrücke. „Stattdessen sollten wir das Bestehende fördern und mit ihm auskommen.“

Mit weniger materiellen Besitz glücklich leben

Tabea Janson von der Domberg-Akademie betonte, dass mit dem Regenwald die grüne Lunge des Planeten am Kollabieren sei. „Und hier gibt es keinen Impfstoff wie bei Corona.“ Vom globalen Süden müsse man lernen, im Einklang mit der Natur zu leben und sie nicht zu zerstören. „Auch mit weniger materiellem Besitz kann man ein glückliches Leben führen.“

In Deutschland bräuchte es einen politischen Tapetenwechsel. Die alten, verbrauchten Schichten abzukratzen, sei zwar mühsam. „Aber wir benötigen eine neue, nachhaltige Schicht, denn es geht um die Basis für die kommenden Generationen.“ Einen ersten Schritt für die Umbaumaßnahmen empfahl sie den Anwesenden ebenfalls: „Geht wählen!“

„Klima ist wie Bier“

Im Anschluss an die Reden machten sich die Klimaschützer auf den Weg durch die Innenstadt. Die Botschaften, die Passanten unter anderem auf bunten Schildern und Flaggen zu lesen bekamen, luden zum Nachdenken und zum Schmunzeln ein. „Achtung Klimakrise! Eltern wählen für ihre Kinder“ zum Beispiel. Oder an die Adresse der Freunde bajuwarischer Lebenskultur: „Klima ist wie Bier: Wenn’s warm ist, ist’s kacke.“

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Außer den bestellten 36 Geräten wird man noch mehr Luftreiniger besorgen müssen: Das ist das Ergebnis einer Untersuchung an den Freisinger Landkreisschulen.

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