Seit 14 Tagen klingelt das Telefon: Friseurmeisterin Stephanie Hemmer und ihr Team von „Friseur Ilg“ in Freising haben viel zu tun.
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Seit 14 Tagen klingelt das Telefon: Friseurmeisterin Stephanie Hemmer und ihr Team von „Friseur Ilg“ in Freising haben viel zu tun.

Der Neustart gibt wieder Mut

„Ging an die Substanz“: Friseure haben wieder offen - Kritik wegen später Hilfen und „zermürbender“ Politik

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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  • Wolfgang Schnetz
    Wolfgang Schnetz
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Die Friseure haben wieder geöffnet - und der Andrang ist enorm. Mit Blick auf den Lockdown kritisieren Freisings Friseurmeisterinnen die „zermürbende“ Politik.

Freising – Das Auftragsbuch ist auch für die nächsten Tage und Wochen gefüllt: Friseurmeisterin Stephanie Hemmer (38) aus Freising legte in ihrem Salon „Friseur Ilg“ an der Bahnhofstraße am Montag so richtig los – ab 7.30 Uhr waren sie und ihre Mitarbeiterinnen am Start.

Warten auf die Wiedereröffnung zerrte an den Nerven

Seit 14 Tagen klingelte ununterbrochen das Telefon wegen Terminvereinbarungen. Zwei Monate Geschäftsstillstand liegen hinter ihr. Der Neustart gibt wieder Mut. Aber der Lockdown ist nicht ohne Spuren an der jungen Friseurmeisterin vorbeigegangen. Das gibt sie unumwunden zu: „Das Ganze ist an die Substanz gegangen.“

Das Warten auf die Wiedereröffnung hat an den Nerven gezerrt – vor allem die sich ständig ändernden Bestimmungen kurz vor Ende des Lockdowns, die Maskenvorschriften (FFP2 für Kunden, die medizinische Maske für Mitarbeiter), das vorgeschriebene Lüftungskonzept (alle 20 Minuten fünf bis acht Minuten Stoßlüften), der daraus resultierende Plan, der angefertigt werden musste, oder die akribische Desinfektion von Händen, Flächen und Material. Die Abstandsregeln sind ebenfalls Bestandteil des Öffnungskonzepts (pro Kunde und Mitarbeiter zehn Quadratmeter), was für Hemmers Salon maximal drei Kunden gleichzeitig bedeutet. Zudem sind mehrere Pausen für die Mitarbeiterinnen wegen des Tragens der Maske gefragt.

Bis Ostern ausgebucht ist der Salon „k style’n cut“ von Kerstin Stadler, der Obermeisterin der Innung, in Lerchenfeld.

Was Stephanie Hemmer zudem belastete: „Hilfszahlungen konnten erst beim Bund beantragt werden, als der Tag des Neustarts feststand. Vorher ging gar nichts.“ Alles musste privat finanziert werden: „Die Gehälter liefen ja weiter.“ Genauso aber lief des Leben der Familie Hemmer weiter – und auch da war ebenfalls straffe Organisation angesagt. Die beiden Buben im Kindergartenalter von drei und fünf Jahren mussten betreut werden, der Haushalt lief weiter, daneben das belastende Warten auf den Neustart. Und noch eines nervte: „In der Zeit des Lockdowns gab es für unseren Bereich so gut wie keine Informationen, und wenn, dann nur sehr schleppend. Das alles zusammengenommen war frustrierend und zermürbend.“ Jetzt ist Vollgas angesagt. Und: „Das macht uns allen wieder Mut für die Zukunft.“

Öffnung mit „super Lobbyarbeit“ erkämpft

Bis Ostern ausgebucht ist auch der Salon „k style’n cut“ von Kerstin Stadler (41), der Obermeisterin der Innung. Wochenlang haben ihre Kunden den Anrufbeantworter befüllt – jetzt wird auf Hochtouren gearbeitet. Auf den 60 Quadratmetern des Salons in der Freisinger Krumbachstraße werden vier Kunden gleichzeitig von zwei Friseurmeisterinnen bedient. Die zehn Wochen Lockdown plus die sechswöchige Schließung im Frühjahr hätten sie – und die Branche – an die finanziellen, aber auch psychischen Grenzen gebracht: „Die Stimmung hat geschwankt – von Selbstmordgedanken bis hin zur guten Laune, weil man frei hat.“

Die jetzige Öffnung, sagt Stadler, habe man sich regelrecht erkämpft – mit einer „super Lobbyarbeit auf allen Ebenen“. Politische Entscheidungsträger habe man „flächendeckend bombardiert“. Die Hygieneauflagen werde man jetzt strikt einhalten. „Und falls Kunden glauben, sich nicht dran halten zu müssen, gilt das Hausrecht.“

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