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Slapstick: Zenzi (Vanessa Past) springt auf den Stuhl. Kein Wunder: Knecht Gustl (Sepp Gradl) hat gerade Mäuse in ihren Schuhen platziert. Bauer Martin (Andreas Past) wendet sich ab mit Grausen. 

„Frohsinn“-Premiere

Verzinkter Humor

Das klassische Bauerntheater, es hat allem Anschein nacht nichts von seinem Reiz verloren. Zumindest nicht beim Verein Frohsinn und seinem Theaterstadel. Das Lerchenfelder Ensemble feierte mit dem Schwank „Der Kartlbauer“ eine Premiere wie aus dem Bilderbuch.

Freising – Klischees zu bedienen kann auch ein Glücksfall sein. Der „Frohsinn“ und sein „Theaterstadel“ ließen am Samstag im Grünen Hof kaum eine Gelegenheit aus, die traditionellen Elemente des bayerischen Volkstheaters zu bedienen.

Ein Bauer, der Haus und Hof verspielt, eine Schwester, die ihn unbedingt unter die Haube bringen will, eine Magd, die alles durcheinander bringt – vor diesem Szenario verstanden es die Darsteller, sich langsam aber sicher in Hochform zu spielen. Zu verdanken war dies etwa Gabi Brandmeier, die als fürsorgende Schwester des „Kartlbauer“ Martin, dargestellt von Andreas Past, die Strippen auf der Bühne zog. Ebenso wie Knecht Gustl. Der brachte nach verhaltenem Beginn richtig Schwung in die gute Stube. Mit einer Slapstick-Einlage etwa, bei der er Pfarrersköchin Zenzi, gespielt von Vanessa Past, so richtig auf die Palme brachte. Der Scherzbold hatte ihr nämlich Mäuse in die Schuhe getan, weshalb die gute Frau prompt auf einen Stuhl sprang.

Schlüsselszenen wie diese verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Publikum bog sich vor Lachen. Anlass dazu bot vor allem der Auftritt von Aushilfsmarkt Christl. Die wusste nämlich zuerst nicht, dass der Bauer, der sich gerade seinen Hitzkopf in der Tränke kühlt, derjenige welcher ist. Stattdessen hielt sie ihn für einen „Sauknecht“. Er dagegen glaubte, dass sie die für dumm gehaltene Tochter seines Saufkumpanen Bachmaier (Andreas Hermann) ist. Vor diesem Hintergrund entspann sich nun ein Dialog, der an dummdreister Komik kaum zu überbieten war.

Die Darsteller kosteten jede Silbe dieses verbalen Missverständnisses aus. Einfachste Begriffe wie „Wäsche“ oder die Lage der Kammer „oben rechts“ oder „unten links“ zogen Bauer und Magd extrem in die Länge. Damit sie das vermeintlich vollkommen unterbelichte Gegenüber auch ja versteht. Ein typischer Fall von „verzinktem Humor“ und ein Stilmittel, das förmlich zur Wiederholung einlud. Der „Running Gag“ des Abends sozusagen, den die Darsteller nach der Pause liebend gerne aufgriffen. Sehr zur Freude der Besucher.

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