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Frühling herrscht nur im Gewächshaus: Gärtner Dieter Lösch hat wunderschöne Frühblüher gezüchtet – allein: Wegen des späten Wintereinbruchs kommt niemand, um sie zu kaufen.

Branchen leiden

Der Frust mit dem Frost

Nicht nur die Temperaturen gehen derzeit in den Keller. In den Branchen, die um diese Zeit eigentlich so richtig loslegen, ist die Laune ebenfalls auf den Gefrierpunkt gesunken. Zum Frost kommt der Frust – bei Gartenbaubetrieben, Bauunternehmungen, Gärtnereien und Reifenhändlern. Die einen bleiben auf der Ware hocken, die anderen sind in Zwangspause.

Landkreis– Vor zwei Wochen war die Welt noch in Ordnung bei Andrea Beck-Baumann: Pünktlich Anfang März wurde es warm, und die zehn Mitarbeiter der Freisinger Bauunternehmung schwärmten auf die Baustellen aus, wie die Geschäftsführerin berichtet. Mittlerweile geht gar nichts mehr. „Jetzt zu arbeiten, wäre für die Mitarbeiter eine Zumutung“, erklärt sie. Aber auch technische Gründe erzwingen die Pause. Baustoffe wie Beton könne man bei Minusgraden nicht verarbeiten. Und im laufenden Betrieb würde jetzt auf den Baustellen das Wasser einfrieren. „Nach drinnen auszuweichen“, erklärt die Chefin, „das geht auch nicht ewig. Da ist es inzwischen ebenfalls eiskalt geworden.“ Die Mitarbeiter bauen also jetzt noch ihren Resturlaub ab. Außerdem besteht noch bis Ende März die Möglichkeit, Schlechtwettergeld zu beziehen. „Wir hoffen aber, dass Ende der Woche der Spuk vorbei ist“.

„Auf uns wartet viel Arbeit, die wir jetzt einfach nicht erledigen können“, sagt auch Josef Gaissmaier, Geschäftsführer des größten Landschaftsbau-Unternehmens im Landkreis mit etwa 100 Mitarbeitern. „Alles schiebt sich nach hinten.“ Etwa der Bau des Kombibads in Lerchenfeld, wo allein ein rundes Dutzend Mitarbeiter beschäftigt wäre. Aber: Alle Projekte verzögern sich – „und wir können nichts Neues anfangen“.

Die Stundenkonten, die die Beschäftigten im Laufe des Jahres aufgebaut haben, seien in Kürze aufgebraucht, berichtet Gaissmaier. Da er das meteorologische Spielchen aber schon kennt – 2017 wurde es sogar im April plötzlich wieder Winter –, nimmt er die Sache mit Humor: „Die Verwandtschaft und das Wetter kann man sich eben nicht aussuchen.“

Bei Reifen Nabholz in Freising bekäme man bis Ende der Woche zu jeder beliebigen Zeit einen Termin zum Reifenwechseln. „Am Montag habe ich zwei Stunden lang nichts anderes gemacht als Termine verschoben“, berichtet Niederlassungsleiter Albert Grandl. Der späte Wintereinbruch „kostet uns zwei Wochen“, rechnet er. Wenn’s wärmer wird, droht ihm und seinem Team der totale Stress: „Dann wollen alle auf einmal kommen.“ Das betrifft auch die Motorradfahrer, die rastlos vor ihren Maschinen stehen und auf den neuen Reifensatz warten. „Mit denen leiden wir richtig mit“, sagt Grandl. Übrigens: Einige wenige Autofahrer waren schon beim Wechseln. „Tja“, sagt der Experte, „die haben jetzt schon die Sommerreifen drauf.“

Eine frostige Atmosphäre herrscht auch in der Freisinger Gärtnerei Lösch. „Unsere Stimmung ist am Tiefpunkt“, sagt Inhaber Dieter Lösch. Das liegt nicht nur daran, dass auf ihn wegen der niedrigen Temperaturen höhere Energiekosten für die Gewächshäuser zukommen als in den vergangenen Jahren, sondern auch an den mangelnden Frühjahrsgefühlen beim Kunden. „Bei diesem Wetter haben wir null Verkauf“, betont Lösch. Vor allem die Frühblüher werden derzeit zu Ladenhütern. Nicht nur das Stiefmütterchen wird derzeit vom Kunden stiefmütterlich behandelt, sondern auch Primeln, Gänseblümchen und Vergissmeinnicht.

Das große Problem: Selbst wenn sich das Wetter demnächst bessert, werden die Gärtner mit ihren Frühblühern wohl das Nachsehen haben. „Denn der Verkauf geht eigentlich nur bis Ostern“, erklärt Lösch. Danach würde der Einzelhandel mit Pflanzen auftrumpfen, die im Ausland gezüchtet werden. Dort, wo andere klimatische Bedingungen herrschen als hierzulande. Der Freisinger Gärtner rechnet damit, dass er auf drei Viertel dieser Zierpflanzen sitzen bleiben wird. Sein Fazit: „Für die bayerischen Betriebe sieht es derzeit gar nicht gut aus.“

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