Schock-Botschaft für 1860: Aus für Stadionpläne in Riem

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Reinhard Kendlbacher glaubt nicht, dass die dritte Startbahn in absehbarer Zeit gebaut wird. Die Zuhörer beim FSM-Vortrag im Grünen Hof hörten es gern.

Reinhard Kendlbacher bei der FSM

"Die Startbahn kommt so schnell nicht"

Freising - Rechtlich ist die Baugenehmigung abgesichert. Doch ob die 3. Start- und Landebahn tatsächlich gebaut wird, sei weiterhin mehr als unsicher. Diese Meinung vertrat Reinhard Kendlbacher, als er am Mittwoch Abend anlässlich der Vortragsreihe „FSM aktuell“ vor rund 30 Mitgliedern der Freisinger Mitte über dieses Thema referierte.

Kendlbacher im grünen Hof: „Die Zeit arbeitet für uns.“ Die jüngsten Äußerungen von Bayerns Wirtschaftsminister und Flughafen-Aufsichtsratschef Markus Söder zur Entscheidung über den Bau der dritten Bahn gäben Anlass zu hoffen, so der Referent. Just an diesem Mittwoch hatte Söder im Wirtschaftspresseclub München nämlich betont, die Staatsregierung wolle eine „politische Lösung finden mit der Landeshauptstadt“. Diese sieht sich bekanntlich moralisch in der Pflicht, den Bürgerentscheid einzuhalten. 

Von teils aberwitzigen Sachverhalten berichtete Kendlbacher, der als Prozessbeobachter die Verhandlungen um die Runway hautnah miterlebt hat. Einer der Knackpunkte beim Prozess vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) sei die Luftverkehrsprognose der Firma Intraplan gewesen, die bekanntlich für das nächste Jahrzehnt bis zu 590 000 Flugbewegungen im Jahr prognostiziert. Die Gutachter hätten aber darin einen wichtigen Strategiewechsel der Fluggesellschaften übersehen: Die Airlines setzen seit geraumer Zeit größere Jets ein. Auch die Bestuhlung in den Jets werde immer enger, die Sitze kleiner, betonte Kendlbacher. Bei den Billigfliegern sei man zwischenzeitlich bei einer Sitzbreite von 76 Zentimetern. „Früher waren es 86 Zentimeter.“ 

Glücklicherweise gebe es derzeit auch „Leute in der CSU, die wach werden“, so der Referent. Rückenwind hätten die Startbahngegner nicht zuletzt auch vom CSU. Umweltarbeitskreis unter Vorsitz von Josef Göppel erhalten, der sich vor kurzem mit deutlicher Mehrheit vom Ausbau distanzierte. Auch die Mahnungen von Papst Franziskus, die Umwelt zu schonen und die Schöpfung zu achten, gingen in diese Richtung. Einzig und allein Kardinal Reinhard Marx wolle sich nicht zugunsten der Flughafengegner positionieren: „Warum“, so soll er zynisch gesagt haben. „Herr Kerkloh ist doch auch katholisch.“ 

Was Kendlbacher auch als wichtiges Argument gegen eine dritte Startbahn wertete, ist ein kirchliches Großprojekt. Beim Besuch des CSU-Fraktionschefs Thomas Kreuzer auf dem Freisinger Domberg habe Monsignore Rainer Böck dem hochrangigen Politiker erklärt, dass der Freisinger Domberg derzeit für hundert Millionen Euro zu einem besonderen spirituellen Ort umgebaut werde. Und was da am dringendsten nötig sei? Ruhe und Stille. 

Dass Flughafenchef Michael Kerkloh so sehr danach dränge, dass eine Entscheidung zugunsten der Bahn zeitnah falle, sei nicht verwunderlich, sagte Kendlbacher. Wenn Jahre vergingen, könnte es Rechtsprobleme geben. Aber: „Sofort gebaut wird nicht“, glaubte der Referent. Alles deute daraufhin, dass die Entscheidung verschoben werde. Was er den Anwesenden an dem Abend mitgab: „Aufpassen, nicht aufgeben, weiter kämpfen.“

Maria Martin

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