Einzelhandel
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Besonders für den Einzelhandel in der Domstadt ist die Nachricht vom verlängerten Lockdown eine Hiobsbotschaft.

Bis zu 25 Prozent Einbußen im Handwerk

„Für unseren Einzelhandel ist das desaströs“: Verlängerter Lockdown bereitet nicht nur Aktiver City Freising Sorgen

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Besonders für den Einzelhandel in der Domstadt ist die Nachricht vom verlängerten Lockdown eine Hiobsbotschaft.

Freising – Es ist beschlossene Sache: Weil die Corona-Infektionszahlen nach wie vor zu hoch sind, geht der zweite Lockdown in die Verlängerung bis 31. Januar. Neben härteren Kontakt-Regeln kommen noch weitere Einschränkungen auf Bürger in Hotspots zu.  Freisings lokale Wirtschaft blickt mit Sorge in die Zukunft.

Für Einzelhandel desaströs

„Für unseren Einzelhandel ist das desaströs“, sagt Manuela Paparizos, Vorsitzende der Aktiven City Freising. „Das muss man nicht beschönigen.“ Schon die vergangenen Wochen hätten ihre Spuren hinterlassen. „Unser Ministerpräsident hat es so formuliert, dass zwischen den Jahren eh nur umgetauscht werde. Das ist aber beileibe nicht so“, betont Paparizos. Gerade nach Weihnachten würden sehr viele Gutscheine eingelöst, was jetzt flachgefallen sei. Der Einzelhandel habe daher mit extremen Einbußen zu kämpfen – eine zusätzliche Schwierigkeit zu der ohnehin belastenden Baustellensituation in der Freisinger Innenstadt, sagt die Aktive-City-Vorsitzende.

Kampagnen geplant

Um den Einzelhändlern so gut es geht unter die Arme zu greifen, sei für diese Woche noch eine virtuelle Versammlung geplant. „Wir wollen hören, wie es unseren Mitgliedern geht, wie die Realität für sie aussieht und wie wir sie unterstützen können.“ Zwei Projekte seien bereits in Planung. „Zum einen geht es um eine praktische Idee, um trotz Lockdown mit den Kunden interagieren zu können. Zum anderen arbeiten wir an einer Imagekampagne“, verrät Manuela Paparizos. Details würden in Kürze bekannt gegeben.

Um den Einzelhandel sorgt sich auch Kreishandwerksmeister Martin Reiter. „Das wird noch einmal eine harte Zeit.“ Dagegen seien die meisten Handwerksbetriebe bislang mit einem blauen Auge davongekommen. „Freilich, die Friseure sitzen auch zu Hause und dürfen nicht arbeiten. Da geht viel Geld verloren.“ Nach wie vor sei von den 12 000 Beschäftigten im Handwerk im Kreis Freising der Großteil zwar weiter beschäftigt, doch Reiter habe schon von mehreren Betrieben gehört, dass es finanziell langsam eng werde.

25 Prozent Einbußen

Größere Bäckereien, die derzeit die oft in den Laden integrierten Cafés nicht öffnen dürfen und denen Großaufträge für Feste und Veranstaltungen weggefallen seien, verzeichnen laut Reiter Einbußen von 20 bis 25 Prozent. Selbiges gelte für größere Metzgereien. „Bei kleineren dagegen läuft es glücklicherweise relativ normal. Dazu haben wir erst eine Umfrage gemacht“, erklärt der Kreishandwerksmeister.

Auch im Baugewerbe, wo Reiter selbst tätig ist, bereite der Lockdown samt Verlängerung keine allzu großen Probleme. „Wir können nach wie vor weiterarbeiten – Gott sei Dank.“ Natürlich hätten Betriebe ab und zu wegen eines Infektionsfalls zwischenzeitlich ihre Arbeit ruhen lassen müssen. Ebenfalls komme es aufgrund der Grenzschließungen und daraus resultierenden Material- oder Personalengpässen immer wieder zu Unterbrechungen auf den Baustellen. „Da muss man dann eben umdisponieren“, sagt der Kreishandwerksmeister pragmatisch. „Im Großen und Ganzen sind wir bisher gut davongekommen.“ Wie lange das anhält, sei jedoch fraglich. „Jetzt wird noch viel umgebaut und saniert. Aber ob das so weitergeht, ist fraglich.“

Kulturelle Begegnungen wichtig

Die Zukunft von kulturellen Veranstaltungen ist ebenfalls ungewiss. Dabei sei Kultur gerade in der Pandemie nötig. „Wie wichtig Kultur ist, haben viele Leute erst gemerkt, als sie so stark eingeschränkt worden ist“, sagt Odilo Zapf, Leiter der Freisinger Musikschule. „Früher hat man vieles konsumiert, einfach weil es da war. Jetzt lernt man, diese Angebote anders wertzuschätzen.“ Konzerte, Theater oder Kabarettveranstaltungen seien nicht nur soziale Erlebnisse. Diese Veranstaltungen live zu erleben, sei etwas anderes, als sie online zu konsumieren, findet Zapf. „Für unser Wohlergehen brauchen wir Menschen dringend kulturelle Begegnungen – gerade auch Kinder.“

Wieder umrüsten

Für die Mädchen und Buben seien die sozialen Kontakte in der Musikschule enorm wichtig, das sei nach dem ersten Lockdown und den ersten virtuellen Musikstunden zu spüren gewesen. Doch nun müsse man wieder auf Internetangebote umrüsten. „Beim Einzelunterricht geht das. Aber für Ensemble-Unterricht ist das kaum möglich“, sagt der Leiter der Musikschule, bei der rund 1000 Schüler angemeldet sind. Ebenfalls auf der Strecke bleiben würden Angebote wie Ballett und musikalische Früherziehung. „Diese Angebote funktionieren online einfach nicht.“

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