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Sie haben den G7-Teilnehmern den Marsch geblasen: Auftritt der Stadtkapelle Freising begeisterte Staatschefs

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Von: Manuel Eser

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Selbst mal auf dem roten Teppich stehen durfte die Stadtkapelle Freising zum nächtlichen
Selbst mal auf dem roten Teppich stehen durfte die Stadtkapelle Freising zum nächtlichen Foto mit der Air Force One. In der Präsidentenmaschine kam Jo Biden am späten Samstagabend am Flughafen München an. © Herrmann

Große Ehre für die Stadtkapelle Freising. Sie durfte zur Ankunft der G7-Staatsgäste am Flughafen München die Willkommensmärsche spielen. Der Vorstand berichtet.

Freising – Das erste, was die G 7-Teilnehmer auf deutschem Boden zu hören bekamen, waren keine politischen Marschrouten, sondern bayerische Märsche. Die Stadtkapelle Freising hatte die Ehre, die Ankunft der internationalen Staatsoberhäupter am Flughafen München musikalisch zu begleiten – wie auch schon beim G 7 vor sieben Jahren in Bayern. Im FT-Interview berichtet Odilo Zapf, Vorstand und Posaunist der Stadtkapelle, wie die Staatsoberhäupter auf die Märsche reagiert haben, und warum der Job ein Kraftakt war.

Herr Zapf, Ihr Ensemble hat am Wochenende Tag und Nacht für Staatsgäste gespielt – ein ganz schöner Kraftakt, oder?

Ja, das war wirklich ein Riesenmarathon. Am Samstag waren wir von 15.30 Uhr bis kurz vor Mitternacht am Flughafen. Dann ging es für die rund 40 Mitglieder der Kapelle schnell nach Hause, um zwei Stunden zu schlafen, und um 3.30 Uhr waren wir schon wieder am Flughafen. Am Sonntagabend um 19.30 Uhr hatten wir es dann geschafft.

Auch wenn die Stadtkapelle viel Routine besitzt: Ist man bei einem so speziellen Auftritt aufgeregt?

Aufgeregt würde ich nicht sagen. Aber allen war klar, dass sie hier bei einer ganz besondere Geschichte mit dabei sind, und haben trotz aller Belastung entsprechend super mitgezogen. Dafür ein großes Kompliment!

Vor sieben Jahren hat die Stadtkapelle für jedes Staatsoberhaupt ein landestypisches Stück gespielt. War das wieder so?

Diesmal hat sich die Staatsregierung gewünscht, dass wir nur bairische, traditionelle Stücke spielen. Unser Dirigent Jürgen Wüst hat dann eine Setlist mit besonders klangvollen Märschen zusammengestellt. Aber: Wir haben jedes Stück nur einmal gespielt. Auch jedes Gastland hat seinen eigenen Willkommensmarsch bekommen.

Für wen gab es den Defiliermarsch?

Natürlich für niemanden. Denn es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass der nur beim bayerischen Ministerpräsidenten gespielt wird.

Sind Sie als Musiker überhaupt selbst in Kontakt mit Politikern gekommen?

Nein. Man spielt ja, während der Gast aus dem Flieger steigt, über den roten Teppich läuft, sich ins Goldene Buch einträgt und dann zum Hubschrauber weitergeht. Vor sieben Jahren aber hat der damalige US-Präsident Barack Obama allen Trachtlern, die da aufgereiht standen, die Hand geschüttelt, was so im Protokoll gar nicht vorgesehen war. Da habe ich dann auch die Chance ergriffen, mein Instrument zur Seite gelegt und mich dazugestellt.

Mit seinem Nachfolger Joe Biden gab es kein Shakehands?

Nein. Aber man bekommt von dem Umfeld mehr mit. Von den Geheimdienstmitarbeitern oder den Scharfschützen, die da warten, um die Staatsoberhäupter zu schützen, wenn sie landen. Bei Biden war das Sicherheitsbrimborium definitiv am Größten.

Wie fühlt sich das an, wenn man im Fokus von Scharfschützen musiziert?

Das blendest du aus, sobald zu spielst. Bedroht habe ich mich da nicht gefühlt. Allerdings war die Air Force One so laut, dass wir selbst kaum etwas von uns gehört haben.

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Hatten die Staatsgäste überhaupt ein Ohr für Ihre Musik?

Ja, man sieht das auch auf Videos. Der französische Präsident Emmanuel Macron etwa ist vor dem Helikopter noch stehen geblieben und hat uns zugehört, bis das Stück zu Ende war. Der Argentinier war so begeistert, dass er sich sogar erkundigt hat, was für einen Marsch wir da gespielt haben. Am Tollsten aber war der Inder, der am Sonntagfrüh um 5 Uhr ankam, weshalb wir auch so früh aufstehen mussten. Der ist bei uns stehen geblieben, hat mitgewippt und mitgeklatscht. Er hat auf Facebook auch ein Video online gestellt, das schon von Hunderttausenden von Menschen angeklickt wurde.

Welches Stück war das denn?

„Mein Heimatland“, ein klassischer Marsch. Wir mussten ja angesichts der Uhrzeit etwas nehmen, was jeder im Schlaf spielen kann.

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