Corona-Test
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Auch wenn inzwischen an Schulen „Quarantäne mit Augenmaß“ gilt: Ein positiver Corona-Test in der Klasse kann immer noch zur Quarantäne der ganzen Gruppe führen. (Symbolbild)

Vor allem Geimpfte verunsichert

Trotz hoher Impfquote: Ganze Klasse in Quarantäne - Corona-Anordnung verwirrt Schulfamilie

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Erstmals im neuen Schuljahr hat das Gesundheitsamt eine ganze Klasse in Freising in Quarantäne geschickt. Nicht nur die Schulleiterin wurde davon kalt erwischt.

Freising – Die bayerische Regierung fordert eine „Quarantäne mit Augenmaß“ an Schulen. Wenn möglich, sollen nur Betroffene und enge Kontaktpersonen nach positiven Corona-Tests in den Distanzunterricht geschickt werden. Im Landkreis ist nun trotzdem erstmals für eine ganze Klasse Quarantäne verordnet worden. Das Gesundheitsamt hatte dafür gute Gründe. Die entsprechenden Anweisungen waren aber so unglücklich formuliert, dass die ganze Schulfamilie einen Tag lang komplett verunsichert war.

Schulklasse in Quarantäne: Rektorin überrumpelt - „Hat uns überrascht und entsetzt“

Betroffen war eine 13. Klasse der FOS/BOS. Von der am Montag vom Gesundheitsamt verordneten Komplettquarantäne wurde Schulleiterin Roswitha Stichlmeyr kalt erwischt. „Das hat uns überrascht und auch entsetzt“, berichtete sie dem FT am Dienstagvormittag. „Denn erstens hieß es ja, dass nur einzelne Schüler in Quarantäne geschickt werden sollen, und zweitens haben wir in der Klasse eine sehr hohe Impfquote.“ Entsprechend überrumpelt seien die Betroffenen gewesen.

Corona-Quarantäne: Für Schulleiterin ergibt sich merkwürdige Situation

Zwar hieß es im Elternbrief des Landratsamtes, dass vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler von der Quarantäne ausgenommen seien, aber auch: „Sollte dies auf Ihr Kind zutreffen(...), werden wir Ihre Angaben prüfen und ggf. eine Ausnahme von der Quarantänepflicht Ihres Kindes schriftlich bestätigen.“ Die Schulfamilie ging deshalb davon aus, dass zunächst alle Jugendlichen in Quarantäne müssen und erst in die Schule zurückkehren dürfen, wenn das Contact-Tracing-Team (CTT) des Gesundheitsamtes dafür Grünes Licht gibt.

Roswitha Stichlmeyr, Leiterin der FOS/BOS, wurde von der Anordnung kalt erwischt.

Für die Schulleiterin ergab sich daraus eine merkwürdige Situation: „In den Hochzeiten von Corona hatten wir gerade mal zwei Klassen in Quarantäne. Und jetzt nach wenigen Schultagen sind wir von einer Klassen-Quarantäne betroffen, obwohl fast alle geimpft sind. Die Preisfrage lautet: Wie lange braucht das CTT, bis es die Angaben der Schüler geprüft hat.“

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Corona-Regeln in der Schule: Vollständig geimpfte Jugendliche müssen nicht in Quarantäne

Robert Stangl vom Landratsamt erklärt die Gründe für die Maßnahme.

Das FT gab die Preisfrage ans Landratsamt weiter. Die Antwort machte einen ganz anderen Sachverhalt klar, der aus dem Elternschreiben so nicht ohne Weiteres herauszulesen war: „Vollständig geimpfte Schüler*innen müssen sich nicht in Quarantäne begeben. Eine Prüfung und Rückmeldung durch das Gesundheitsamt ist nicht Voraussetzung für den Besuch der Schule. Nach Einsendung des Impfnachweises erhalten die Schüler*innen jedoch eine schriftliche Bestätigung über den eingegangen Nachweis der Impfung und der mit der vollständigen Impfung einhergehenden Ausnahme von der Quarantäneregelung. Die Zusendung der schriftlichen Bestätigung erfolgt durch das Contact-Tracing-Team innerhalb eines Arbeitstages.“

Stichlmeyr erhielt diese Informationen noch am Dienstag. Am Mittwoch saßen daher fast alle geimpften Jugendlichen wieder im Klassenzimmer. Die Ungeimpften konnten sich per Videostream von zu Hause aus in den Unterricht einklinken.

Schon etliche Corona-Fälle an Schulen im September

Warum aber wurde überhaupt eine Quarantäne der ganzen Klasse angeordnet? Wie Robert Stangl, Sprecher des Landratsamtes mitteilt, sieht eine Regelung des Gesundheitsministeriums vor: „Sollte mehr als ein positiver Fall in der Klasse nachgewiesen werden, und dieser auf den Kontakt in der Schule zurückzuführen sein, ist dies als Ausbruch zu werten und die gesamte Klasse in Quarantäne zu setzen.“

Der Quarantäne-Fall an der FOS/BOS ist der bis dato gravierendste, aber bei weitem nicht der einzige im Landkreis in dem noch jungen Schuljahr. Bereits jetzt führt das Landratsamt auf seiner Homepage elf Schulen aller Art auf, die bereits von Corona betroffen sind. Allerdings wurden hier aufgrund der Gegebenheiten in den meisten Fällen nur die Positiv-Getesteten in Quarantäne geschickt. Lediglich bei zwei Schulen waren Kontaktpersonen betroffen.

Folgendes gilt im Regelfall:

Bei einem Coronafall in der Klasse: Quarantäne des Betroffenen und evtl. der engen Kontaktperson(en)

Bei zwei Coronafällen in der Klasse, bei der der eine den anderen angesteckt haben könnte: grundsätzlich Quarantäne der ganzen Klasse. Allerdings haben es die Jugendlichen in der Hand, die Isolierungen zu vermeiden oder zu verkürzen: Vollständig geimpfte Jugendliche müssen grundsätzlich nicht in Quarantäne. Sie können in der Schule bleiben, haben dem Gesundheitsamt aber einen Impfnachweis zu liefern. Ungeimpfte Schüler können sich nach fünf Tagen Quarantäne einem PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest unterziehen und bei negativem Ergebnis wieder in die Schule gehen.

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