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Der Freisinger Fischzüchter Peter Baumgartner (l. mit Sohn Vinzent) kritisiert die Staatsanwaltschaft. Die sei schlecht vorbereitet gewesen.

„Ein Witz“: Geschädigte von Malachit-Urteil enttäuscht

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Für den Einsatz des verbotenen Arzneimittels Malachit wurde Fischzüchter Bernd Kiffner (Kreis Dachau) zu einer moderaten Geldstrafe verurteilt. Für die Opfer ist das „ein Witz“.

Freising – Wie berichtet, räumte Kiffner am Montag vor Gericht ein, dass er einen Mitarbeiter, einen ebenfalls angeklagten 26-Jährigen, angewiesen hatte, das als krebserregend eingestufte Mittel gegen Parasitenverfall in seinen Teichen im Landkreis Freising zu verwenden. Allerdings bezog sich dieses Geständnis, das er über seinen Anwalt verlautbaren ließ, nur auf einen einzigen Vorfall im September 2018. Nur dieser einmalige Verstoß war Gegenstand des Urteils.

„Für mich ist das ein Witz“, sagt Peter Baumgartner. Seine Fischzucht, die rund fünf Kilometer unterhalb der Teiche des Verurteilten liegt, wurde durch die Gewässerverunreinigung mit Malachit massiv geschädigt. Für ihn war die Staatsanwaltschaft schlecht vorbereitet. So kritisiert der Züchter, dass kein Gutachter zum Einsatz kam und etliche weitere Belege nicht in die Beweisaufnahme gelangt seien.

Zeuge sprach von massivem Malachit-Einsatz im Betrieb Kiffner

Ärgerlich ist für ihn auch, dass die Klage wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz fallengelassen wurde. Letztlich konnte Kiffner der Verkauf belasteter Fische nach der Sperrung seines Betriebs nicht nachgewiesen werden. „Aber wo sind die Fische dann hingekommen?“

Was Baumgartner ebenfalls nicht versteht: Warum die Zeugenaussage eines ehemaligen Mitarbeiters im Urteil keinen Niederschlag gefunden hat. Der Ex-Angestellte der Fischzucht Kiffner hatte ausgesagt, dass er schon in früheren Jahren vom Chef angewiesen worden sei, „die Fische in Malachit zu baden“. Auch in Kiffners zweitem Betrieb im Landkreis Dachau sei das Mittel eingesetzt worden. „Und wie kann es sein, dass die Behörden bei Kontrollen in meinem Betrieb schon vor dem angeblich einzigen Vorfall am 19. September belastete Fische gefunden hat ?“

Sogar der Gerichtssprecher versteht die Enttäuschung der Opfer

Manfred Kastlmeier, Pressesprecher des Amtsgerichts, versteht die Enttäuschung. „Hier hat jemand aus Profitgier andere wirtschaftlich massiv geschädigt und wollte die derart behandelten Fische an Verbraucher verkaufen.“ Richter Michael Geltl könne aber kein Vorwurf gemacht werden. „Letztlich konnte er nur über den einen Fall urteilen, der Gegenstand der Verhandlung war.“

Im Fokus der Kritik steht die Staatsanwaltschaft, die gegen die Fischzucht Kiffner keine Anklage nach Umweltstrafrecht erhoben hat, obwohl dadurch das Gewässer verunreinigt wurde. „Wir sind dazu angehalten, Verfahren zu vereinfachen“, erklärt Achim Kinsky, Sprecher der Staatsanwaltschaft Landshut. „Den Tatbestand der Gewässerverunreinigung hat die Staatsanwaltschaft ausgeschieden, weil nach den uns vorliegenden Gutachten der Schwerpunkt der Vorwerfbarkeit in dem Verkauf von belasteten Fischen lag.“ Für die Staatsanwaltschaft seien das und der Einsatz von verbotenen Mitteln die schwerwiegendsten Verstöße gewesen.

Malachit-Urteil: Opfer-Anwältin zieht Positives aus Verhandlung

Victoria Gindele von Kempen, Anwältin des geschädigten Fischzüchters Benjamin Nadler, zieht auch Positives aus der Verhandlung. „Der Täter hat erstmals ein Geständnis abgelegt.“ Damit sei klar, wer die Moosach mit dem verbotenen Mittel verunreinigt habe. „Das wird uns für Schadensersatzforderungen weiterhelfen.“ Zudem hofft sie nach der Verurteilung des Täters auf finanzielle Unterstützung für die unschuldig in Not geratenen Betriebe. Die Enttäuschung der Opfer versteht auch Gindele von Kempen. „Im Strafrecht soll eine Verurteilung des Täters den Opfern Genugtuung bringen. Das hat hier nicht stattgefunden. Der Täter kam mit einem blauen Auge davon.“

Die Angeklagten Bernd Kiffner (vordere Reihe rechts) und sein Angesteller (links daneben) hielten sich vor Gericht bedeckt. Worte der Reue - Fehlanzeige.

Auf Worte der Reue von Kiffner warteten die Anwesenden im Gerichtssaal vergeblich. Das Geständnis ließ er in verklausulierter Form über seinen Anwalt erklären. Und auch die Chance, sich nach der Urteilsverkündung zu äußern, ließ er verstreichen. Kein Wort der Entschuldigung an die Fischbetriebe, die er an den Rand des Ruins gebracht hat. Kein Wort der Entschuldigung an die Verbraucher, denen er belastete Fische vorsetzen wollte. Nur Schweigen.

Das ist im Landkreis Freising noch passiert: In Moosburg ist es zu einem verheerenden Hausbrand gekommen. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter auch ein Feuerwehrmann. Bei der Schnupfer-Weltmeisterschaft in Nandlstadt sorgen vier Famen für eine Sensation.

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