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Braune Bereiche in der Bildmitte sind durch Spätfrost auf der Freifläche erfrorene jüngere Buchen. Im Vordergrund befinden sich junge Ahornpflanzen, die im Allgemeinen nicht durch Spätfrost gefährdet sind, selbst auf der Freifläche.

Globale Studie der TU München

Milliardenschäden durch vermehrten Spätfrost: Klimawandel zeigt die kalte Schulter

Die Klimaerwärmung verstärkt alle Arten von Extremwetterlagen. Eine globale Studie unter Beteiligung der TU München (Wissenschaftszentrum Weihenstephan) zeigt, dass der Klimawandel das Risiko von Spätfrost im Frühjahr erhöht.

Freising Naturwissenschaftler warnen seit vielen Jahren vor den Auswirkungen des Klimawandels. Inzwischen sind die heißen Sommer auch in Mitteleuropa angekommen. Doch die globale Erwärmung führt nicht nur zu sommerlichen Hitzewellen, sondern verstärkt alle Arten von Extremwetterlagen – darunter auch Kälteeinbrüche. Eine globale Studie unter Beteiligung der TU München (Wissenschaftszentrum Weihenstephan) zeigt nun, dass der Klimawandel das Risiko von Spätfrost im Frühjahr erhöht.

Wärme im Frühjahr erhöht Spätfrost-Schäden

Prof. Hans Pretzsch erforschte das erhöhte Spätfrost-Risiko durch den Klimawandel.

Das Fazit der Forscher: Es treffe vor allem Wälder in gemäßigten Breiten in Europa und Asien, denn die Bäume seien dort nicht an diese Art der Temperaturschwankungen angepasst. Die Kälteeinbrüche im Spätfrühling seien eine Bedrohung für Ökosysteme, die Landwirtschaft und die Volkswirtschaften der betroffenen Länder. Prof. Hans Pretzsch, Leiter des Lehrstuhls für Waldwachstumskunde am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM, war an der Studie beteiligt und erklärt: „Durch die zunehmende Erwärmung wird es im Frühjahr frühzeitig warm und die Bäume bekommen ihre Blätter. Das erhöht jedoch das Risiko, dass die Bäume durch Spätfrost im Frühling schwere Schäden erleiden, da junge Blätter anfälliger für Frost sind.“

In der Studie wurden die stündlichen Temperaturen auf der ganzen Welt über einen Zeitraum von 60 Jahren analysiert und fast 1500 Pflanzenarten auf ihre Frostempfindlichkeit hin untersucht. Die Paarung von jährlichen Frostereignissen und Pflanzenmerkmalen auf globaler Ebene ermöglicht es den Forschern nun, die Anfälligkeit der Wälder für Spätfrostereignisse vorherzusagen. „Die Studie hat nun gezeigt, dass das Auftreten solcher Spätfrühlingsfröste zunimmt“, bestätigt Pretzsch. Am dramatischsten sei die Zunahme des Risikos in Gebieten, in denen es im Spätfrühling nur selten Frost gab: Küsten- und Ostteile Europas sowie Ostasien. In diesen Gebieten seien viele lokale Bäume „opportunistisch“ und würden schon nach kurzen Erwärmungsperioden ausblühen. Daher erwarten die Forscher, dass 35 Prozent der europäischen beziehungsweise 26 Prozent der asiatischen Wälder der gemäßigten Breiten in Zukunft immer anfälliger für Frühjahrsfröste werden.

„Spätfrost begünstigt wiederum Vorschreiten des Klimawandels“

Diese Entwicklung werde wohl voranschreiten, denn die Forscher haben noch einen weiteren nachteiligen Effekt beobachtet: „Der Spätfrost begünstigt leider wiederum das Vorschreiten des Klimawandels, denn durch die Blattschäden kann die Pflanze weniger Photosynthese betreiben, kann weniger Kohlenstoff aufnehmen und trägt somit zu einem Anstieg des Kohlenstoffs in der Atmosphäre bei“, so Pretzsch.

Dabei wirke sich die globale Erwärmung nicht nur auf die Wälder und die Ökosysteme aus, sondern belaste auch die Volkswirtschaften. „Allein ein einziger Spätfrost im Frühjahr 2017 verursachte in Europa ökonomische Verluste von 3,3 Milliarden Euro – von denen nach Angaben der Münchner Rückversicherung nur 18 Prozent versichert waren“, weiß Waldforscher Pretzsch zu berichten.

Die Studie stellte auch fest, dass viele Bäume in Gebieten, die historisch gesehen anfällig für Frühjahrsfrostgefahr sind, wie Nordamerika, in bestimmte Schutzmaßnahmen investiert hätten. Diese „vorsichtigen“ Bäume treiben erst dann aus, wenn sie genügend Wärme erfahren haben. Die Vorsicht stelle eine wertvolle Versicherungspolice gegen Frostschäden dar, die ihr Wachstum, ihre Fortpflanzung und ihr Überleben beeinträchtigen können.ft

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