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„Ich gehe mit einem Gefühl der Gelassenheit“: Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle sagt nach 40 Jahren Musik im Dom „Servus“. Der Musik bleibt er aber verbunden.

Wolfgang Kiechle nimmt Abschied

Der Grand Maître der Dommusik geht

Freising - Er ist das Gesicht der Freisinger Dommusik. 40 Jahre lang war Wolfgang Kiechle Kirchenmusikdirektor im Mariendom. Ende April nimmt der 65-Jährige Abschied. Doch die Musik wird ihn auch weiterhin nicht loslassen

An seinen ersten Tag erinnert sich Wolfgang Kiechle noch genau: Prälat Höck empfängt ihn sehr freundlich und führt ihn herum. Der junge Mann, noch nicht einmal 26 Jahre alt, fühlt sich wie erschlagen. „Ich habe mich gefragt: Das soll ich alles machen? Schaffe ich das überhaupt?“, erzählt der heute 65-Jährige. Seiner Stimme hört man seine Heimat in Lindau am Bodensee an. Er ist freundlich, locker, lacht viel und wirkt wie jemand, mit dem man gerne zusammenarbeiten würde. 1976 wurde Wolfgang Kiechle Kirchenmusikdirektor und Referent für Musische Bildung am Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus. Zuvor hatte er an der Hochschule für Musik und Theater in München Lehramt an Gymnasien, Katholische Kirchenmusik und das Konzertfach Orgel studiert und das Meisterklassendiplom bei Karl Richter mit Auszeichnung abgeschlossen. Die Stelle, die er auf dem Domberg antrat, war damals gerade erst als hauptamtliche Stelle eingerichtet worden. Es gab nur einen kleinen Domchor mit 19 Sängern.

Als künstlerischer Leiter der Dommusik machte Wolfgang Kiechle deren Konzerte von Domchor, Domberg-Kammerorchester und dem Barockensemble „Musici de Monte Docto“ über den Landkreis hinaus bekannt. Die Dommusik, wie es sie heute gibt, ist sein Verdienst, er hat das Angebot ausgebaut, verschiedene Ensembles gegründet. Zu den schönsten Erlebnissen während seiner Zeit als Kirchenmusikdirektor gehört für den dreifachen Vater der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Dom. Er hatte Joseph Ratzinger bereits als Kardinal bei einem von dessen Aufenthalten in Freising kennengelernt. Für den neuen Papst hatte er extra eine Kirchenmusik und Benedikt-Fanfare komponiert. „Der Dom war nur für die 500 Kleriker offen, die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, ebenso wie unsere Anspannung“, erzählt er. Besonders stolz ist Wolfgang Kiechle, der in Moosburg lebt, auch auf die vier Fernseh- und zwei Rundfunkübertragungen von Domkonzerten sowie auf die zwei CDs. Die letzte, „Festliches Barock – Freisinger Dommusik“, die Ende 2015 veröffentlicht wurde, nahm er zum Abschied auf. Wenn er an den denkt, empfindet Wolfgang Kiechle gemischte Gefühle. Zum einen Dankbarkeit und Stolz, Wehmut, aber auch Erleichterung, die große Verantwortung abgeben zu können. „Insgesamt gehe ich mit einem Gefühl der Gelassenheit.“ 

Zu der ruhigen Geschäftigkeit, die er ausstrahlt, würde ein Rückzug in die Untätigkeit aber nicht passen. Deshalb wird Wolfgang Kiechle aktiv bleiben. Er behält seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Theater in München, außerdem wird er weiterhin als Orgel-Sachverständiger in der Diözese München und Freising wirken. Doch auch nach vier Jahrzehnten Arbeit sind noch Wünsche offen geblieben: „Es gibt zwei bedeutsame Orte auf dem Domberg, was Orgeln betrifft“, sagt er. Eine von Max Maerz gebaute Orgel liege in der Benediktuskirche im Dornröschenschlaf. Der Holzwurm sei drin, sie verfalle immer mehr. Deren Restaurierung ist ihm ein Anliegen, er hat bereits ein Gutachten geschrieben und sie darin empfohlen. Diese Orgel hat er seinem Nachfolger ans Herz gelegt, genauso wie das kaputte Orgelwerk in der gotischen Johanneskirche, das ersetzt werden müsste. Es gibt viel zu tun. Auch weiterhin für ihn.

Teresa Pancritius

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