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Die „Gred“ wird zum Politikum: Der Eigentümer des Gebäudes, Graf Guy von Moy, will hier Arbeiter unterbringen.

Stadträte leisten Widerstand

Pläne für Gred: Aufstand gegen Arbeiterunterkunft, Angst vor Corona-Hotspot

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Die Traditionsgaststätte zur Gred in der Freisinger Innenstadt soll zum Arbeiterwohnheim werden. Etliche Räte leisten nun Widerstand - auch aus Angst vor einem Corona-Hotspot.

Freising – Die Pläne, aus der Freisinger Traditionsgaststätte Zur Gred eine Arbeiterunterkunft zu machen, haben für einen großen politischen Aufschrei gesorgt: Ein breites Bündnis aus Stadträten unter Federführung der Grünen möchte das Projekt in zentraler Stadtlage zu Fall bringen – und reklamiert den Beschluss des Planungsausschusses.

Die Vorgeschichte

Wie berichtet, soll aus dem ehemaligen Hotel für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Arbeiterunterkunft werden. Nach Angaben der Stadt sollen 24 Beherbergungszimmer mit 59 Betten eingerichtet werden. Der Ausschuss hatte in der vergangenen Woche Grünes Licht für das Konzept gegeben, das der Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes, Guy Graf von Moy, vorgelegt hat. Allerdings fiel die Entscheidung denkbar knapp. In einer Kampfabstimmung votierten sieben Räte für die Umnutzung der Gred in ein Arbeiterwohnheim, sechs stimmten dagegen.

Jetzt formiert sich noch mehr Widerstand: 14 Stadträte haben ein Schreiben unterzeichnet, das die Umnutzung des Gebäudes an der Bahnhofstraße verhindern soll. Sie reklamieren den Beschluss des Ausschusses. Dieser sei mit den Zielen der Innenstadtentwicklung nicht zu vereinbaren. Zudem befürchten die Räte, das so im Herzen der Stadt ein Corona-Hotspot entstehen könnte.

Der Widerstand

„Die beantragte Umnutzung der seit 1670 als Traditionsgaststätte genutzten Gred als Wohnheim für Montagearbeiter würde im negativen Sinne als ,Auslöser mit Vorbildfunktion’ fungieren“, betont die Grünen-Fraktionssprecherin Susanne Günther. „Die Privatisierung von Erdgeschoßzonen konterkariert die Ziele des Innenstadt- und Einzelhandelsentwicklungskonzept sowie die Ziele der angrenzenden Bebauungspläne“ – auch wenn die Nutzung zeitlich befristet sei. Ziel sei es, eine lebendige Innenstadt mit einer dauerhaften Wohnnutzung zu ermöglichen.

Das Gegenkonzept

Bisher gibt es für den Bereich, in der die Gred liegt, keinen Bebauungsplan. Genau das fordern die Unterzeichner des Bündnisses jetzt. Ein sogenannter einfacher Bebauungsplan im Umgriff der Oberen Altstadt soll den Charakter als „besonderes Wohngebiet“ bewahren. Nach dem Willen des Bündnisses soll dieser B-Plan nicht nur das Arbeiterwohnheim verhindern, sondern auch dafür sorgen, dass Erdgeschoße weiterhin der Laden- und Gastronomienutzung vorbehalten bleiben, die oberen Stockwerke dürften vorwiegend bewohnt werden.

Höchste Corona-Gefahr

Günther und Co. bemängeln aber auch, dass vom Bauherrn in Zeiten der Pandemie kein tragfähiges Betriebs- und Hygienekonzept vorgelegt worden sei. Den Plänen entsprechend sei  nicht einmal ein Bad pro Zimmer vorgesehen. Stattdessen solle es pro Stockwerk Gemeinschaftsduschen und lediglich eine Gemeinschaftsküche geben. „Jüngste Erfahrungen im Rahmen der Covid-19-Krise legen nahe, derartige Betriebsformen nicht weiter zu verfolgen“, stellt Günther klar. „Denn ein neu geschaffener potenzieller Infektionsherd, ähnlich denen im Landkreis Gütersloh, mitten im Zentrum – das können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen.“

Das sagt der OB

OB Tobias Eschenbacher, der bei der Ausschusssitzung dabei war, sagte gegenüber dem FT: „Natürlich ist das nicht die Traumnutzung. Ich hätte natürlich auch lieber eine Gaststättennutzung.“ Das große Aber: Der Ausschuss treffe keine politischen Entscheidungen. Er müsse bewerten, ob Bauanträge prüfungsrechtlich genehmigungsfähig seien. „Denn dann gibt es auch einen Rechtsanspruch.“ Genauso wenig falle es in den Zuständigkeitsbereich des Planungsausschusses, ein Corona-Hygienekonzept zu verlangen oder zu bewerten, betonte der OB. „Das ist Aufgabe des Gesundheitsamtes.“

„Rechtlich einwandfrei“ ist laut OB auch die Reklamation von Ausschuss-Entscheidungen. Der Sachverhalt wird nun noch mal im Stadtrat aufgerollt und zur Abstimmung gestellt.

Gut zu wissen

Folgende Stadträte haben die Reklamation des Ausschuss-Beschlusses zur Gred unterzeichnet: Susanne Günther, Charlotte Reitsam, Werner und Sebastian Habermeyer, Eva Bönig, Joana Bayraktar, Nico Heitz und Rolf Linke (alle Grüne), Ulrich Vogl, Hartmut Binner und Emilia Körner (ÖDP), Nicolas Graßy und Guido Hoyer (Linke) sowie Robert Weller (Freie Wähler).

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