Grippeschutzimpfung
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Die Grippeimpfung ist vor allem für Risikopatienten wichtig. Doch Experten rechnen heuer mit einem Engpass.

Apothekensprecherin erklärt Engpass

Grippe-Impfstoff: Bestellung ist „Risikogeschäft“ - Privatpatienten besonders betroffen

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Wegen Corona herrscht auch ein Grippeimpfstoff-Engpass. Freisings Apothekensprecherin erklärt die Hintergründe - und warum das Privatpatienten besonders trifft.

Landkreis – Die Grippesaison beginnt – und ist eine massive zusätzliche Belastung in der Corona-Pandemie. Eine Impfung gegen die Influenza ist wie berichtet in vielen Fällen ratsam. Doch auf dem Markt herrscht ein Impfstoff-Engpass. Privatpatienten trifft das besonders, sagt Freisings Apothekensprecherin Ingrid Kaiser.

„Eigentlich ist es jedes Jahr das gleiche Spiel: Ungefähr im März müssen die Ärzte bei den Apotheken schon die Mengen bestellen, die sie brauchen“, erklärt Kaiser. Das solle etwa die Hälfte vom Jahresbedarf sein. Die Ärzte müssten laut Kaiser genau abwägen: Die Krankenkassen würden es nicht gerne sehen, wenn jemand zu viel bestelle und später auf dem Impfstoff sitzen bleibe. Denn der ist aufgrund der sich permanent verändernden Viren immer nur ein Jahr lang haltbar. Die Bestellungen von März würden im September ausgeliefert. „Letztes Jahr konnte man im Herbst nachbestellen, das hat im Großen und Ganzen gut geklappt“, erinnert sich die Apothekensprecherin.

Grippesaison beginnt: Impfstoff-Nachschub erst Mitte November

Heuer habe man zwar auch wieder nachgeordert. „Doch geliefert wird wohl erst Mitte bis Ende November – wenn überhaupt.“ Das Problem: „Es gibt verschiedene Impfstofffirmen. Jede Apotheke muss sich entscheiden, wenn sie beim Großhandel bestellt, bei welcher Firma sie wie viel kauft“, erklärt Kaiser das Prozedere. „Das heißt, wir müssen vorher überlegen, bei welchem Anbieter die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, zuverlässig beliefert zu werden.“ Sie entscheide nach Erfahrungswerten, Planungssicherheit gebe es jedoch kaum. „Oft versucht man, das Risiko zu streuen und bei allen Firmen zu bestellen.“ Doch würden dann wider Erwarten alle liefern, „bleiben wir drauf sitzen“.

Das sei diese Saison jedoch eher unwahrscheinlich, mutmaßt Ingrid Kaiser. Gerade Privatpatienten hätten das Nachsehen, denn diese müssten den Impfstoff selbst von der Apotheke beziehen und damit beim Arzt vorstellig werden. „Aktuell haben wir mindestens 30 Privatpatienten, die darauf warten.“ Die Impfstoffbestellung sei immer „brutal schwierig“ – und „ein Risikogeschäft“.

Corona-Schnelltests könnten Pflegeeinrichtungen entlasten

In diesem Jahr kommt Covid-19 erschwerend hinzu. Wenn die Ärzte den Impfstoff erst im Mai oder Juni – als die Ausmaße der Pandemie besser bekannt waren als im Frühjahr – vorbestellen hätten müssen, sei gewiss mehr Grippe-Impfstoff geordert worden. Kaiser betont: „Die Grippeimpfung schützt nicht vor dem Coronavirus. Doch wenn jemand an Grippe erkrankt und dann Corona hinzukommt, ist das der Worst Case.“

Zwei Umstände sind für Kaiser Hoffnungsschimmer für die kommenden Monate. Zum einen sieht sie in den Corona-Schnelltests, bei denen nach 15 Minuten ein Ergebnis vorliegen soll, eine Chance. „Die sind zwar nicht zu 100 Prozent sicher, aber besser als nichts.“ Aus Sicherheitsgründen dürften diese Tests zwar nicht an Privatpersonen, sondern nur an medizinisches Personal abgegeben werden. Kaiser könne sich aber vorstellen, dass dieses Vorgehen etwa für die Angehörigen von Pflegeheimbewohnern etabliert werde. Zum anderen helfe das Tragen eines Mund-Nasenschutzes und mehr Distanz zu anderen Menschen nicht nur, das Coronavirus einzudämmen, sondern auch das Infektionsrisiko für Grippe oder eine Erkältung zu reduzieren. „Nicht jeder, der hustet oder einen Schnupfen hat, ist mit Corona infiziert. Wir befinden uns wieder mitten in der Erkältungszeit“, erinnert Kaiser. Trotzdem gelte es, wachsam zu sein und keine Erkrankung auf die leichte Schulter zu nehmen.

Apothekensprecherin appelliert: Rücksicht nehmen!

Stichwort Mund-Nasenschutz: Freilich gebe es einige Menschen, die aufgrund von Asthma oder psychischen Erkrankungen mittels offiziellem Attest von der Maskenpflicht befreit sind. „Trotzdem können sie sich infizieren – und auch andere anstecken.“ Die Engel-Apotheke in Freising, die Kaiser betreibt, bietet Kunden mit Attest an, sie vor dem Laden zu bedienen oder zu Hause zu beliefern. Gerade Apotheken seien die erste Anlaufstelle für Leute mit Erkältungskrankheiten. Ihr Appell an alle Bürger: „Bitte denken Sie an Ihre Mitmenschen!“ Und: „Wir wollen auch gesund bleiben – auch, damit wir Ihnen helfen können.“

Apothekensprecherin Ingrid Kaiser erklärt, was zu beachten gilt, wenn man mit einem Corona-Patienten den Haushalt teilt.

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