Vegetarisches Essen
+
In Freising fehlt eine niederschwellige Beratungsstelle für Menschen mit Essstörungen. Symbolbild

Angebot wird seit elf Jahren gewünscht

Großer Bedarf: Therapienetz Essstörung braucht festen Stützpunkt in Freising

Seit elf Jahren arbeitet man daran, in Freising einen festen Stützpunkt für das Therapienetz Essstörung einzurichten - eine schwere Geburt.

Freising – Das Thema ist nicht neu, hat aber an Dringlichkeit nichts verloren: Ambulante Angebote für Menschen mit Essstörungen. Das Therapienetz Essstörung, das in Freising mit vier möglichen Plätzen aktiv ist, wünscht sich eigentlich, wie auch die Leiterin der psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle Prop, Bärbel Würdinger, eine feste Beratungsstelle in der Domstadt. Hier allerdings laufen die Verhandlungen mit dem Bezirk noch.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Freising sei schon eine eher schwere Geburt, wie die Geschäftsleitung der ambulanten Angebote des Therapienetzes Essstörung, Carolin Martinovic, betonte: Denn schon seit elf Jahren gehe es darum, eine unabhängige Beratungsstelle zu installieren. Jetzt liege die Entscheidung des Bezirks in den letzten Zügen, der Ausgang sei aber noch ungewiss.

Viele Krankenkassen abgesprungen

Was auch noch in jüngster Zeit dazukam: Viele Krankenkassen seien abgesprungen. Die Kosten für die besondere Versorgung werden aktuell nur von der AOK und den Betriebskrankenkassen übernommen. Aktuell könnten laut Martinovic vier Betroffene im einzelbetreuten Wohnen Hilfe vom Therapienetz in Anspruch nehmen – also Hilfe in den eigenen vier Wänden und der gewohnten Umgebung.

Schilderte die aktuelle Situation: Carolin Martinovic vom Therapienetz Essstörung.

Was in Freising aber fehle, sei eben eine niederschwellige Beratungsstelle, die beispielsweise auch Angehörige aufsuchen könnten. Derzeit sei für die Freisinger deshalb nur eine Online-Beratung möglich, wie Martinovic betonte: Eine persönliche Anbindung wäre aber besser. Eine Beratungsstelle in Freising würde bis zu fünf persönliche Termine kostenlos anbieten, mit dem Ziel einer Weitervermittlung an die richtige Therapie und das Planen des weiteren Procedere.

Case-Manager betreut den Behandlungsweg

Weit über die Beratung hinaus gehe dann die sogenannte besondere Versorgung bei Essstörungen, die eben nicht mehr von jeder Krankenkasse übernommen werde. Diese Einsparungen bei Kassen, betonte Martinovic, seien eine erschreckende Entwicklung. Bis zu drei Jahre lang können Betroffene die besondere Versorgung des Therapienetzes in Anspruch nehmen, begleitet von einem interdisziplinären Team. Der Vorteil: Da bei der besonderen Versorgung ein bayernweites Netzwerk von Ärzten, Therapeuten und Fachkliniken teilnimmt, ist es bei Bedarf möglich, einen schnellen Klinikplatz zu bekommen.

Der Behandlungsweg über diesen langen Zeitraum wird von einem Case-Manager betreut, der auch in Phasen des Motivationseinbruchs mit dem Betroffenen Kontakt hält. Was das Therapienetz noch bietet: Wohngruppen, ambulante Gruppentherapie und Ernährungsberatung sowie Elternseminare. Vermittelt werden außerdem stationäre Angebote, Tageskliniken und Wohngruppen oder die passende medizinische Behandlung.

Menschen mit Essstörungen bei Therapeuten oft nicht beliebt

In Freising wird das einzelbetreute Wohnen aktuell von einer betroffenen Person in Anspruch genommen. Dabei sind die Inhalte des Therapienetzes diesbezüglich wie folgt aufgegliedert: Kontinuierliche Begleitung in der Lebenswelt des Betroffenen, Alltagsgestaltung, Stabilisierung des Essverhaltens und Krisenvorbeugung. Ziel sei die Stabilisierung des Behandlungserfolges, Förderung der schulischen oder beruflichen Integration sowie einer selbständigen Lebensführung, Unterstützung bei prognostisch ungünstigem sozialem Umfeld und die Vermeidung von Rückfällen. Auch mit Psychotherapeuten aus Freising sei das Therapienetz Essstörung im Gespräch, sodass eine Einbindung aller Kräfte vor Ort möglich werden könnte.

Menschen mit Essstörungen seien bei Therapeuten oftmals nicht besonders beliebt, betonte Martinovic, denn die Erkrankung sei komplex und es komme oft zu raschen Klinikeinweisungen. Hier fühlen sich Therapeuten oft alleine gelassen, wie Martinovic weiß – das Therapienetz allerdings biete ihnen Unterstützung. Support gibt es auch von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Freising. Die 2. Vorsitzende Vivian Rasemann hofft, dass hier Lücken geschlossen werden, da ein großer Bedarf ersichtlich sei.

Gut zu wissen

Mehr Informationen über das Therapienetz Essstörung sind zu finden unter www.tness.de.

Richard Lorenz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare