Noch kein Licht am Ende des Tunnels: Die Lawine an Mehrkosten, die die Westtangente verursacht, reißt nicht ab. Nach jetzigem Stand wird das Projekt um rund 5,4 Millionen Euro teurer. Allein der Tunnel kostet drei Millionen mehr.
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Noch kein Licht am Ende des Tunnels: Die Lawine an Mehrkosten, die die Westtangente verursacht, reißt nicht ab. Nach jetzigem Stand wird das Projekt um rund 5,4 Millionen Euro teurer. Allein der Tunnel kostet drei Millionen mehr.

„Immer wieder negative Überraschungen“

Freisings Großprojekte werden teurer und teurer - vor allem die Westtangente

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Eine negative Überraschung jagt die nächste: Die Großprojekte in der Stadt Freising werden immer teurer.

Freising – Einer wahren Mehrkosten-Orgie sah sich am Montagabend der Finanzausschuss der Stadt Freising gegenüber. Mit dabei: die Westtangente, deren Kosten sich abermals um rund fünf Millionen Euro erhöhen. Doch auch andere Projekte werden deutlich teurer.

Westtangente: Gesamtkosten steigen auf rund 139 Millionen Euro

Es war die Fortsetzung einer seit sieben Jahren währenden Geschichte: Franz Piller, der Mann, der die Westtangente seit Anbeginn an für die Stadt Freising federführend betreut, musste wieder einmal vor die Stadträte treten, um eine Kostensteigerung zu vermelden: Über fünf Millionen Euro muss man noch einmal drauflegen. Gründe dafür seien zum einen „Nachbesserungen“ beim Grunderwerb (220 000 Euro), erhöhte Baukosten (750 000 Euro), Mehrkosten beim Tunnelbau (drei Millionen) und neue Anforderungen an die technische Ausstattung des Bauwerks (1,4 Millionen). Das alles summiere sich auf rund 5,4 Millionen Euro, sodass sich die Gesamtkosten auf rund 139 Millionen Euro steigern werden. Immerhin: Die bisherigen Haushaltsansätze und Verpflichtungsermächtigungen würden diese Kostenmehrung abdecken, so Piller.

Monika Schwind (FSM) sprach von „immer wieder negativen Überraschungen“, die das Projekt beschere, sagte aber gleichzeitig, dass man „langsam Licht am Ende des Tunnels“ sehe. Susanne Günther (Grüne) betonte: „Das alles gefällt uns freilich überhaupt nicht“, die Mehrkosten seien inzwischen „desaströs“, die Fraktion der Grünen würde der abermaligen Kostensteigerung deshalb auch nicht zustimmen. Auch Peter Warlimont (SPD) bezeichnete diese Entwicklung als „unerfreulich“. Letztlich sei das aber „ein Stück weit zu erwarten“ gewesen und das Projekt mit einem Bürgerentscheid hinterlegt. Fazit: „Wir müssen es umsetzen, koste es, was es wolle.“

Vogl: Kosten in Westtangente „versteckt“

Ulrich Vogl (ÖDP) ergänzte, man dürfe die vier Millionen Euro an Ausgaben der Eigenbetriebe Stadtentwässerung und der Stadtwerke, die in der Westtangente ebenfalls „versteckt“ seien, nicht vergessen. Und: Der Bürgerentscheid sei 2013 durchgeführt worden, als man noch bei 85,6 Millionen Euro an Kosten gelegen habe. Im Dezember 2015 wurden die Kosten auf 91,1 Millionen erhöht, zwei Jahre später lag man schon bei 98,4 Millionen. Im Dezember 2018 dann eine Steigerung auf 108,2 Millionen, zum Jahresende 2019 dann der Sprung auf 133,8 Millionen. Und jetzt: 139 Millionen.

Dem Stadtrat wurde am Montag mit 9:5 Stimmen empfohlen, die Kostenmehrung zu akzeptieren. Drei Stadträte der Grünen, Vogl und Guido Hoyer (Linke) lehnten das ab.

Mehrgenerationenhaus in Lerchenfeld kostet 1,7 Millionen Euro mehr

Vergleichsweise harmlos nahmen sich dagegen die Mehrkosten für zwei Hochbauprojekte aus, die Hochbauamtsleiter Robert Naujokat vermelden musste: Das Mehrgenerationenhaus in Lerchenfeld, ursprünglich mit 25,65 Millionen Euro beschlossen, musste bereits im Juli 2019 nach 54 Prozent der Ausschreibungen eine Erhöhung um 13 Prozent hinnehmen. Das habe man für die noch zu vergebenden Arbeiten übernommen und die Projektkosten um 2,65 Millionen Euro erhöht.

Schlechte Bodenverhältnisse haben dazu beigetragen, dass das Mehrgenerationenhaus in Lerchenfeld teurer wird als geplant.

Jetzt, nachdem 79 Prozent der Arbeiten vergeben seien, habe sich herausgestellt, dass das auch nicht ausreiche: Eine nochmalige Kostensteigerung von 400 000 Euro habe man nun abermals auf die noch ausstehenden Gewerke übertragen (also nochmals 500 000 Euro). Hinzugekommen seien Nachträge beim Spezialtiefbau wegen schlechter Bodenverhältnisse (350 000 Euro) und eine dadurch bedingte Bauzeitverzögerung um drei Monate, die mit 370 000 Euro zu Buche schlage. Summa summarum also wiederum 1,7 Millionen Euro mehr, was die Gesamtkosten auf 30 Millionen Euro hochtreibe.

Asamkomplex: Projekt P2 wird ebenfalls teurer

Auch für das sogenannte Projekt P2 bei der Sanierung des Asamkomplexes – also den Lastenaufzug samt Bühne plus Trafohaus im Süden des Gebäudes – müssen mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden. Nachdem das Projekt 2016 mit einer Kostenberechnung von Mitte 2015 beschlossen worden sei, habe es nun „ein paar Jährchen“ im Dornröschenschlaf verbracht.

„Neu zünden“ will die Stadt Freising laut Hochbauamtsleiter Robert Naujokat das Projekt P2, das einen Lastenaufzug samt Trafohaus umfasst – und mehr kostet.

Jetzt wolle man das Projekt „neu zünden“, so Naujokat, habe deshalb die Architekten um eine aktuelle Kostenberechnung gebeten. Ergebnis: Mit 625 000 Euro mehr muss man rechnen, sodass 4,25 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt werden müssen. Über beide Kostensteigerungen waren die Stadträte nicht erfreut, nahmen es aber einstimmig zur Kenntnis und empfahlen dem Stadtrat, die Kostenmehrungen zu genehmigen.

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