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„Save the date! Nicht Save the Neger!“ Als kabarettistischer Schauspieler gönnt sich Landtagsabgeordneter Johannes Becher (vorne, mit Toni Wollschläger) eine hässliche Rolle. Als Mike Moneymaker gibt er den Extrem-Kapitalisten.

Kult-Veranstaltung

Gründonnerstagung: Grüne sorgen bei Kabarett für Überraschungen

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Die Gründonnerstagung der Freisinger Grünen genießt Kult-Charakter. Dieses Mal gab es beim Kabarett allerdings andere Töne zu hören, als die Fan-Schar gewohnt ist.

Freising – Für ihn ist ein Text mit „Götterfunke“ und „Elysium“ der totale „Blödsinn“. Trotzdem und obwohl er keinen Ton trifft, singt er mit Inbrunst die Europahymne und grantelt: „Freude, Zefix! Freude, sog i.“ Es war der Einstieg in das inzwischen legendäre grüne Kabarett bei der Gründonnerstagung im Unterhaus des Lindenkellers. 

Der, der da die Hymne so herrlich absurd krächzt, ist Franz Spitzenberger, der im Kabarett den Baustellenreiniger des Hauses Europa gibt. Auch wenn es lustige Momente im Kabarett gab, herrschte dieses Mal ein eindringlich ernster Ton.

Der Ablauf bei der Gründonnerstagung ist traditionell: erst Reden, dann grüne Suppe und Käse, dann das von einem voll besetzten Lindenkeller-Unterhaus mit Spannung erwartet Singspiel. Raffael Luto eröffnete das Hochfest der Grünen mit fünf berührenden Songs, bevor Landtagsabgeordneter Johannes Becher zum Volk sprach. 

Becher: FW nur „Steigbügelhalter der CSU“

„Trendsetter“ seien die Grünen, so Becher, Glaubwürdigkeit sei das Erfolgsgeheimnis. Die Freien Wähler im Landtag seien „willige Steigbügelhalter der CSU“, was bei der Kommunalwahl für die FW zum „bösen Erwachen“ führen könne. Und wenn die CSU schon so gegen Enteignung wettere, dann solle sie auch aufhören, für eine 3. Startbahn Menschen und Organisationen zu enteignen. Becher versprach, man werde noch eine Pressekonferenz erleben, in der Ministerpräsident Markus Söder behaupte, es sei schon immer CSU-Haltung gewesen, die 3. Startbahn nicht zu bauen.

Reinhard von Wittken, der grüne Kandidat für die Europawahl aus dem Landkreis, erinnerte an die Zeit der „Zollhäuschen“, die durch CSU, AfD, Nationalisten und Brexit wiederzukehren drohe. Die Freiheiten eines vereinten Europa seien nicht selbstverständlich. MdB Margarete Bause forderte, Europa solle Frieden, nicht Waffen exportieren, war froh, dass sich so viele Jugendliche für den Klimaschutz stark machten, und sah trotz der Bedrohung durch nationalistische Bestrebungen in Europa auch überall Zeichen der Zivilcourage.

Nicht jeder konnte lauthals lachen über das, was da beim Grünen Kabarett auf der Bühne gezeigt wurde. Applaus aber gab es viel für die eindringliche Aufführung.

Und dann das Singspiel, ein Besuch auf der Baustelle für das Haus Europa – ein Haus mit einem Landwirtschaftssalon (das Bild von Massen-Hühner-Haltung wurde eingeblendet), mit einem Sozialraum oder besser: -kammerl (eine total heruntergekommene Bude wurde gezeigt), einem Wirtschaftspalais (das Publikum sah ein Casino), mit einem von Stacheldraht umgebenen Erker und mit dem Umweltrichtlinienlager im Keller – ein Atommülllager.

Kabarett: Lacher bleiben im Hals stecken

Becher als Lobbyist und Consultant Mike Moneymaker war der Extrem-Kapitalist, der auch den „Richtungsspruch“ für das Haus sprechen wollte. Toni Wollschläger gab den bodenständigen Zimmermann, der das Haus gebaut hatte und eigentlich den Richtspruch hätte aufsagen sollen. So der so: Am 26. Mai sei Richtfest. „Save the date! Nicht: Save the Neger“, spottete Moneymaker so, dass einem das Lachen im Hals stecken blieb. 

Dazu Björn Laczay als Chinese mit seiner „Chinesischen Leisegluppe“, die aus Dschinghis Khans „Moskau“ das Lied „Brexit“ machte und von Monika Betz und Ralf Grabuschnik instrumental begleitet wurde, während der Baustellenreiniger „Orban-Braun“ und „Salvini-Ocker“ als neue Mode erkannte.

Gründonnerstagung erschütternd deutlich wie nie

Weiterer Baustein in der grandios gespielten, bitterbösen, manchmal sarkastischen und über weite Strecken fast schon erschütternd deutlichen Darbietung: Susanne Hehnen als Nationalistin mit Alice-Weidel-Gehabe, der es lieber war, „dass ein paar Flüchtlinge im Meer ersaufen als wir in Flüchtlingen“. 

Das Gegenbild: Carolin Hofer, die als Gärtnerin das Haus Europa „mega“ und „eine richtig geile WG“ fand. Und wäre da nicht Alexander Götz als Günther Oettinger gewesen, dem mit seinem absurd-lustigen Schwäbisch-Englisch zu einer nachhaltigen Infrastruktur in Europa nur das Liedlein von der „Schwäbsche Eisebahne“ einfällt, hätte es nicht viel zu lachen gegeben.

Am Ende erhoben sich alle, um die Europahymne mit einem neuen, mutmachenden Text zu singen.

Auch andere feiern

Nicht nur die Grünen feiern, sondern auch die in den roten Fahrzeugen: Die Feuerwehr Moosburg begeht bald ihr 25-Jähriges. Auf ein Fest dürfen sich auch die Thonstettener Maibaumdiebe freuen. Sie haben sich das Fest aber auch redlich verdient. Weniger Grund zur Freude haben die Mieter in Freising: Neben hohen Mieten bereiten ihnen oft auch falsche Betriebskostenabrechnungen Probleme.

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