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Der geschlossene Traditions-Gasthof Zur Gred an der Bahnhofstraße wird künftig als Arbeiterunterkunft genutzt – befristet auf fünf Jahre. 

Grünen-Stadtrat sorgt mit Aussagen für Irritationen

Reklamation gescheitert: „Gred“ wird zu Arbeiterunterkunft

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Trotz Widerstands wird die „Gred“ zur Arbeiterunterkunft. So hat es eine Mehrheit im Stadtrat entschieden. Für Irritationen sorgte ein Grünen-Vertreter mit einigen Aussagen.

Freising – Es bleibt dabei: Die „Gred“ darf für fünf Jahre zu einer Arbeiterunterkunft umgenutzt werden. Die Reklamation von 14 Stadträten gegen diesen Beschluss des Bauausschusses vom Juli war am Donnerstag bei der Stadtratssitzung erfolglos: Mit 20:16 Stimmen wurde der Bauausschuss-Beschluss bestätigt.

In der Diskussion ging es um viel mehr als nur um das Bauordnungsrecht. Die Verwaltung stellte nochmals den Antrag vor: Das Hotel „Zur Gred“ soll – auch im Erdgeschoß – ein Arbeiterwohnheim mit 24 Zimmern und 59 Betten werden. Zwar widerspreche die Nutzung im Erdgeschoß den Zielen des Sanierungsgebiets Altstadt, könne aber genehmigt werden, weil die Umnutzung befristet sei. Die Sanierungsziele würden also eben nicht unwiederbringlich verfehlt. 

Auf einer „ähnlichen Stufe“ wie eine Spielhalle

Zudem herrschte wegen der noch andauernden Bauarbeiten in der Bahnhofstraße in den nächsten Jahren sowieso ein „Missstand“. Stadtdirektor Gerhard Koch stellte mithin klar: „Wir haben keine Ablehnungsgründe.“ Zumindest keine, die einer juristischen Überprüfung standhielten. Und deshalb würde er einen ablehnenden Beschluss wohl auch beanstanden und der Rechtsaufsicht vorlegen, so OB Tobias Eschenbacher. Stadtbaumeisterin Barbara Schelle hatte betont, man könne keine Veränderungssperre erlassen, weil das Sanierungskonzept eh schon diese Funktion erfülle. 

Sebastian Habermeyer (Grüne) sagte, man habe den Beschluss des Bauausschusses reklamiert, weil man „ganz einfach“ auf die Einhaltung der Sanierungssatzung dränge. Der Umwandlung der Gaststätte im Erdgeschoß zu Arbeiterwohnungen könne man zwar zustimmen, müsse man aber nicht, so die Sichtweise der Gegner des Antrags. In seinen Augen stehe das Vorhaben „auf einer ähnlichen Stufe“ wie eine Spielhalle, die man ja auch mit allen nur erdenklichen Mitteln in der Innenstadt verhindern würde. Und anderswo – beispielsweise in Vaterstetten – habe man so ein Projekt wegen des befürchteten „Konfliktpotenzials“ innerhalb der Unterkunft abgelehnt.

Aussagen von Grünen-Stadtrat sorgen für Irritationen

Damit war neben der baurechtlichen Beurteilung des Antrags ein zweites Fass aufgemacht: Karl-Heinz Freitag (FW) war „betrübt“, dass aus einer Fraktion, die normalerweise „eine feine Sensorik für Diskriminierung“ habe, solche Äußerungen kämen. Die Menschen, die hier arbeiteten und dort dann wohnen sollen, führten „ein hartes und entbehrungsreiches Leben“, so Peter Warlimont (SPD) zu den Andeutungen über befürchteten „Vandalismus, Saufen“ und den Vergleich mit Spielhallen. Und auch Reinhard Fiedler (FSM) bedauerte, wie da über Gäste „in unserer Stadt“ geredet werde.

Dass der Antragsteller die Arbeiter brauche, um Großprojekte in den kommenden Jahren zu realisieren, betonte Jürgen Mieskes (CSU). Sebastian Habermeyer konterte: All das, was von seinen Stadtratskollegen gesagt worden sei, könnten sie „stecken lassen“, auf diesem Niveau wolle er nicht diskutieren. Denn die Arbeiter würden ausgebeutet, und da würden in einer 20-Quadratmeter-Bude sechs bis acht Betten stehen. Und: „Es gibt auch in Freising gute Baufirmen.“

Eine knappe Mehrheit gibt den Ausschlag

Am Ende entschied in der Luitpoldhalle eine knappe Mehrheit mit 20:16 Stimmen, dass dem Antrag auf Umnutzung des Hotels „Zur Gred“ zugestimmt werde – befristet auf fünf Jahre.

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