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Angst vor dem Handy: Cybermobbing wird für die Schulen im Landkreis immer mehr zum Thema.

„Wenn es passiert, ist es schon zu spät“

Schon Grundschüler leiden unter Mobbing – Landkreis Freising setzt auf Prävention

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Schon Grundschüler leiden unter Mobbing. Die Schulen im Kreis Freising versuchen, Schüler schon früh für das Thema zu sensibilisieren. Sie setzen auf Prävention.

Landkreis – An einer Berliner Schule hat sich ein elf Jahre altes Mädchen das Leben genommen – offenbar, weil es gemobbt wurde. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ergab, dass bereits Grundschüler unter Mobbing leiden. Die Schulen im Landkreis versuchen, Kinder und Jugendliche schon früh für das Thema zu sensibilisieren. Sie setzen auf Prävention.

„Ausgrenzung gibt es schon im Kindergarten“

In der Marina-Thudichum-Grundschule in Haag lernen bereits Erstklässler, mit Hänseleien umzugehen, beziehungsweise es gar nicht so weit kommen zu lassen. „Ausgrenzung gibt es schon im Kindergarten“, sagt Rektorin Daniela Nagler. „Wir sind hellwach, um Vorfälle solcher Art an unserer Schule gar nicht erst aufkommen zu lassen.“ In der ersten bis vierten Jahrgangsstufe finden regelmäßig Aktionen wie „Klasse 2000 – stark und gesund in der Grundschule“ statt. In den Workshops des Kindertheaters Eukitea nähern sich die 130 Schüler dem Thema spielerisch. „Diese Projekte sind feste Elemente des Unterrichts“, sagt Nagler. „Wir möchten die Kinder so früh wie möglich sensibilisieren. Denn wenn es passiert, ist es schon zu spät.“

„Wir arbeiten nicht mit erhobenem Zeigefinger“

Andrea Weigl: Rektorin in Freising

Die Realschule Gute Änger in Freising holt sich ebenfalls Unterstützung von außen. In den sechsten, siebten und achten Klassen findet jedes Jahr in Kooperation mit der Jugendpolizei der Kurs „Zammgrauft – von Antigewalt bis Zivilcourage“ statt. „Wir arbeiten nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern andersrum: Wir wollen die Klassengemeinschaft von vornherein stärken“, berichtet Schulleiterin Andrea Weigl.

Bei Problemen fungiert speziell eine Gruppe von sechs Lehrern als Ansprechpartner. Trotzdem werden regelmäßig alle Kollegen geschult. Mittwochs findet in jeder Klasse die „Klassenleiterstunde“ statt. „Der Leiter kennt seine Schüler am besten, hier kann man niedrigschwellig ansetzen“, sagt Weigl. Weil mittlerweile häufig nicht mehr in der Schule, sondern im Internet gelästert wird, wird es für Lehrkräfte schwieriger, Betroffenen sofort zu helfen. „Häufig kommen aber Schüler zu uns, um Bescheid zu sagen. Das lernen sie durch die Projekte“, sagt Weigl. Sie betont: „Wir gehen jeder Meldung nach. Denn Mobbing spielt immer in die Schule hinein – auch, wenn es in der Freizeit geschieht.“

„Im Vorfeld viel Bewusstsein schaffen“

Am Moosburger Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium ist vor allem Cybermobbing ein Thema. Für die siebten und achten Stufen gibt es daher den Aktionstag „#NichtEgal“, der online wie offline für eine friedliche Diskussionskultur sensibilisieren will, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Claudia Theumer. Außerdem gehen regelmäßig Jugendliche als speziell ausgebildete „Medienscouts“ und „Netpiloten“ in die Klassen. Im Haus kümmern sich speziell eine Sozialpädagogin, eine Beratungslehrerin und ein Schulpsychologe um jegliche Arten von Mobbing.

Gravierendes hat Theumer noch nicht erlebt. „Heuer kann ich mich an zwei Vorfälle erinnern – die sich beide in einem Gespräch lösen ließen“, betont die stellvertretende Schulleiterin. „Wir versuchen einfach, schon im Vorfeld ganz viel Bewusstsein zu schaffen.“

Lehrermobbing ist ebenfalls ein Thema

Gerhard Röck: Rektor in Eching

An der Grund- und Mittelschule Eching setzen die Verantwortlichen ebenfalls auf das System „Schüler helfen Schülern“. Kommt es zu Problemen unter den insgesamt 450 Mädchen und Buben, greifen zunächst ausgebildete Streitschlichter ein. Je nach Fall klinken sich der Projektlehrer, die Jugendsozialarbeiterin und zuletzt der Schulleiter ein. „Je nachdem greifen unterschiedliche Maßnahmen wie Sozialerziehung oder ein Runder Tisch mit den Eltern“, sagt Rektor Gerhard Röck.

Verbale Attacken und Schikanen kennt Röck jedoch nicht nur unter Schülern. An seiner Schule sei – durch den zunehmenden Einfluss von sozialen Medien – auch Lehrermobbing schon vorgekommen. „Ein Verweis und ein Gespräch mit den Eltern war da das Mindeste“, sagt Röck. Teilweise sei auch die Jugendpolizei eingeschalten worden. Info-Workshops mit den Beamten sollen helfen, den Schülern die Grenzen von Social Media aufzuzeigen.

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