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Unterricht auf der Streuobstwiese: „Grünes Klassenzimmer“ macht Kindern viel Spaß

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Äpfel schnipseln vor laufender Kamera: Dem BR-Mann Florian Kienast „(Unser Land“) gaben die Vöttinger Kinder schlagfertig und sachkundige Antworten.
Äpfel schnipseln vor laufender Kamera: Dem BR-Mann Florian Kienast „(Unser Land“) gaben die Vöttinger Kinder schlagfertig und sachkundige Antworten. © Lehmann

Es war ein außergewöhnlicher Schultag: Kinder der Grundschule Vötting machten einen Ausflug zur Streuobstwiese nach Dürnast - sogar ein Fernsehteam kam.

Freising – Schulkindern eine selten gewordene Kulturlandschaft näher bringen, das hat sich die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) seit mittlerweile 20 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Im Rahmen der Streuobstwiesen-Schultage im „grünen Klassenzimmer“ am Versuchsgut Dürnast der TU München durften die Kinder der Klasse 1c der Grundschule Vötting/Pulling am Donnerstag ganz besondere Schätze kennenlernen.

Alt und typisch für die Region sind die rund 50 Bäume, die Sabine Weindl im früheren „Kälbergarten“ des Staatsgutes hegt und pflegt. „Das ist wie in einer Großfamilie“, sagt die LfL-Mitarbeiterin und zeigt auf einen rund 20 Meter hohen Apfelbaum der Sorte „Grüner Stettiner“. Etwa 100 Jahre sei der alt. Daneben stehen jüngere. „Den jüngsten habe ich vor sechs Jahren gepflanzt“, erzählt sie. Vom „Urenkel bis zur Großmutter“ sei alles dabei. So wie die Äpfel und Birnen direkt vom Baum schmecken, das sei irgendwie „anders“ beschrieb es der sechsjährige Felix.

Sogar ein Fernsehteam ist vor Ort

Ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks wollte das am Mittwoch von den Kleinen wissen. Die Kinder hatten sich rund um den Tisch geschart, an dem Elfie Machmerth von der VfL fein geschnittene Obstspalten anbot. Besser seien sie, auch wenn manchmal Flecken darauf seien oder sogar ein Wurm schon abgebissen habe. „Zuhause sind die Äpfel sauerer“, so das Urteil des Knirpses. In drei Gruppen durften die Erstklässler erfahren, wie es möglich ist, dass man im Herbst auf der schönen großen Obstwiese Äpfel, Birnen und Zwetschgen ernten kann. „Warum gibt es denn Kerne im Apfel“, wollte Harald Volz, Leiter des Sachgebietes Kulturlandschaft und Landschaftsentwicklung der LfL, wissen. „Damit ein Nuer wachsen kann“, so die sachkundige Auskunft einer Erstklässlerin. Und dass man die Bienen brauche, dass aus der Blüte eine Frucht werden könne, auch das wussten die Kinder.

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Reife Äpfel vom Boden aufsammeln, diese mit einem kleinen Anhänger zur „Schnipsel-Station“ bringen und anschließend in der Mostpresse zu Saft verarbeiten, das durfte eine andere Gruppe machen. Und da musste ordentlich Kraft aufgewendet werden, um die Früchte zum Schluss als Saft genießen zu können. Die Wertschätzung für die Kulturlandschaft vor Ort zu fördern, genauso wie den respektvollen Umgang mit der Natur und die Bedeutung von Obst im Rahmen einer bewussten und gesundheitsfördernden Ernährung, das seien einige der Punkte, für die Streuobstwiesen stünden, meinte Stephan Sedlmayer.

Von der Schnipsel-Station zur Mostpresse: Katharina Riederer (LfL) mit ihren jungen Mitarbeitern.
Von der Schnipsel-Station zur Mostpresse: Katharina Riederer (LfL) mit ihren jungen Mitarbeitern. © Lehmann

Der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft suchte selbstverständlich auch gerne Kontakt zum Nachwuchs. „Was heißt denn Streuobst überhaupt?“, fragte er mit Augenzwinkern. Prompte Antwort: „Essen.“ Die Bäume stünden verstreut in der Landschaft. Die Früchte seien unterschiedlich: Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen, so Sedlmayers Antwort. Anders sei das, als wie auf Obstplantagen, wo kleinwüchsige Intensiv-Kulturen dicht an dicht stünden, meinte Sabine Weindl. „Da haben die Bäume gar nicht den Platz, sich zu entfalten und größer zu werden.“

LfL-Experte nennt den Ursprung der Idee für die Aktion

Vor 20 Jahren habe man mit der „Aktion Streuobst“ begonnen, sagte Streuobstexperte Stefan Kilian von der LfL. Damals sei in Bayern ein signifikanter Rückgang von Streuobstwiesen zu verzeichnen gewesen. Die Bewirtschaftung sei zu arbeitsintensiv geworden. Mit den Aktionen an den Schulen habe man bisher etwa 300 Schulklassen wieder an diesen wertvolle Lebensraum heranführen dürfen.

Dass das auch bei den Schulkindern aus Pulling gefruchtet hat, das war deutlich sichtbar. Nach zwei Schulstunden konnten sie sich nur schwer von der schönen Obstwiese mit den imposanten alten Bäumen trennen. Das „Klassenzimmer im Grünen“ hatte allen viel Spaß gemacht. (Maria Martin)

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