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Vater bleiben trotz Trennung von der Partnerin: Die Caritas bietet eine Gruppe an, in der Männer sich solidarisch austauschen und gemeinsam Probleme bewältigen können – zum Wohl der Kinder.

Interview mit Männer-Seelsorger Ernst Würschinger  

Gruppe für Väter in Trennung: „Kinder wollen beide Eltern lieben dürfen“

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Eine Trennung vom Partner hinterlässt immer Wunden. Besonders schmerzhaft wird es, wenn Kinder im Spiel sind. Die Caritas bietet eine Gruppe an, die sich speziell an Väter wendet.

Freising - Geleitet wird die Gruppe von Eheberater Ernst Würschinger (60), der die Männerseelsorge in Freising vor elf Jahren aufgebaut hat. Im FT-Interview berichtet er, wie Väter eine gute Beziehung zu ihrem Kind weiterführen können und welche Fehler sie unbedingt vermeiden sollten.

Männer sind ja meist einsame Wölfe und lecken ihre Wunden im Stillen. Ist es schwer, sie für eine Therapiegruppe zu gewinnen?

Würschinger: Da haben Sie das Problem schon gerochen. Es ist tatsächlich nicht leicht. Denn Männer lassen sich ungern belehren und wollen oft lieber allein sein – auch weil sie beschämt sind. Da gibt es große Hemmungen, die erst einmal überwunden werden müssen.

Wie kommen Männer über diese Hürde?

Würschinger: Indem man sie von ihren Stärken her anspricht und ihnen etwas anbietet, das ihnen gut tut. Wir bieten Gegenwelten zum Alltag. Druck rausnehmen, die Dinge verlangsamen – das ist der Ansatz, mit dem wir recht erfolgreich sind. Wenn die Männer erst mal bei uns sind, dann ist es unglaublich intensiv, mit ihnen zu arbeiten, weil sie dann absolut ehrlich und offen sind. Und was ich immer wieder feststelle: Die Solidarität unter Männern ist sehr hoch.

Welche Sorgen hören Sie am öftesten?

Ernst Würschinger: „Männer müssen eine Kultur des Mit-Sich-Selbst-Umgehens lernen.“

Würschinger: Im Mittelpunkt steht der Partnerschaftskonflikt, der schwer zu lösen ist, weil man ja mit einem gemeinsamen Kind in Kontakt bleiben muss. Finanzielle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Was auch sehr mit Scham besetzt ist: Das eigene Lebenskonzept ist gescheitert. Jemand hat sich vorgenommen, eine Familie zu gründen und mit ihr gut durchs Leben zu gehen, und dann bricht das zusammen. Damit muss man erst mal klar kommen. Und dann kommt noch die Sorge um den Kontakt mit den Kindern hinzu.

Ist es für Väter mit kleinen Kindern noch schwieriger, nach der Trennung von der Mutter eine gute Beziehung zu entwickeln, als für Väter, die bereits ältere Kinder haben?

Würschinger: Schmerzhaft ist es immer. Bei ganz kleinen Kindern ist es aber tatsächlich problematischer, weil sich die Beziehung gerade erst aufbaut. Deshalb braucht ein Kleinkind ganz dringend regelmäßigen Kontakt zu beiden Eltern. Damit das klappt, ist es das A und O, von der Paarbeziehung zur Elternbeziehung zu kommen. Die Erkenntnis muss lauten: Wir sind kein Paar mehr, aber beide Eltern unserer Kinder.

Wie kommt man da hin?

Würschinger: Erst mal muss die emotionale Beziehung zum Partner geklärt werden. Wichtig ist aber auch der Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit und den eigenen Aggressionen. Denn so eine Trennung ist ja ein riesiger Bruch – wenn die Wohnung plötzlich leer ist und einem die Decke auf den Kopf fällt.

Was dann?

Würschinger: Die Männer müssen eine Kultur des Mit-Sich-Selbst-Umgehens lernen. Was tut mir gut? Was tröstet mich? Im Kurs sammeln wir Ideen. Wir nennen das den Notfallkoffer, um auch in der Krise die eigenen Stärken wieder zu entdecken und eine neue Perspektive zu finden.

Was hilft?

Würschinger: Ein warmes Bad, ein Fußballspiel, ein Gespräch mit einem Freund. Erst, wenn ich mit mir selbst zurecht komme, kann ich damit aufhören, dem Partner für alles die Schuld zu geben. Dann kann ich ihn in seiner Eigenständigkeit wahrnehmen und ihm sein Leben weiter gönnen.

Klingt nach viel Arbeit.

Würschinger: Ja, aber es gibt keine Alternative dazu. Denn um beziehungsfähig zu bleiben, müssen Männer wie Frauen dafür sorgen, dass sie mit ihren Gefühlen wieder ins Gleichgewicht kommen, sich mit der Trennungssituation versöhnen und dafür sorgen, dass es ihnen selbst wieder gut geht. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, denn nur dann bin ich handlungsfähig meinem Kind gegenüber. Nur dann muss ich nichts aufs Kind übertragen. Das Furchtbarste, was passieren kann, ist nämlich, dass die Kinder als Waffe verwendet werden – nach dem Motto: Wenn du zum Papa oder zur Mama gehst, mag ich dich nicht mehr. Dann zerreißt es Kinder. Denn die wollen beide Eltern lieben dürfen.

Wie lange dauert so ein Prozess?

Würschinger: Völlig unterschiedlich. Manche kämpfen jahrelang noch damit, weil sie sich nicht trennen wollten. Der, der verlassen wurde, hat es schwerer, weil er mit seinen Gefühlen erst mal nachkommen muss.

Viele Mütter klagen darüber, dass ihre Ex-Partner sich zu wenig um ihr Kind kümmern. Die Väter wiederum sagen sehr oft, dass die ehemaligen Lebensgefährtinnen ihre Beziehung zum Kind sabotieren. Gibt es tatsächlich eine Seite, der man den Schwarzen Peter zustecken kann?

Würschinger: Nein. Es kommt immer ganz auf die Beziehung an. Es ist schwer, den regelmäßigen Kontakt zu den Kindern im Rahmen eines Trennungskonflikts auszuhandeln, aber es ist unerlässlich. Oft werden Männer erst nach der Trennung bewusste Väter, weil sie in ihrer Zeit mit dem Kind nichts mehr an die Mutter delegieren können und die ganze Verantwortung spüren. Das ist auch eine Veränderung für die Ex-Partnerin, wenn sie plötzlich merkt: Hoppla, mein Mann spürt sich plötzlich bewusster denn je als Vater.

Was können Väter von sich aus für eine gute Beziehung zum Kind tun?

Würschinger: Gut aushandeln, wann sie ihre Kinder sehen. Feste Vereinbarungen mit der Mutter treffen und die Vereinbarungen auch einhalten. Den Kontakt zum Kind bewusst gestalten. Und es geht nicht nur um die Quantität der erlebten Zeit mit dem Kind, sondern sehr stark auch um die Qualität – also das Kind nicht vor den Fernseher zu setzen, sondern mit ihm eine gute Zeit zu verbringen. Das Entscheidende ist, dem Kind zu zeigen: Auch wenn ich von deiner Mutter getrennt bin – ich bin und bleibe dein Vater. Und du bist nicht schuld, dass wir uns getrennt haben.

In den meisten Fällen bleiben die Kinder bei den Müttern. Was können Frauen zu einer stabilen Vater-Kind-Beziehung beitragen?

Die Vereinbarungen ebenfalls einhalten und sich bewusst sein, dass ein Kind Mutter und Vater braucht, um glücklich zu werden. Das heißt, ein Stück weit loszulassen vom Alleinvertretungsanspruch.

Eine häufige mütterliche Klage: Er absolviert das Spaßprogramm, während ich die ganzen Alltagspflichten mit dem Kind stemmen muss.

Würschinger: Diese Klischees mag ich nicht. Die sind ungerecht und treffen die Realität selten. Opferrollen sind zwar beliebt. Aber dieser Kampf, wem geht es schlechter, ist kindisch und hilft nicht weiter. Es kommt darauf an, in die Verantwortung zu gehen. Und das bedeutet, auch gemeinsam die Rollen als Eltern zu definieren. Die Dinge so zu regeln, dass Vater und Mutter zu ihrem Recht kommen. Denn dann gewinnen alle.

Gut zu wissen

Die „Werkstatt für Väter in Trennung“ umfasst die Samstage, 10. Februar, und 14. April (10 bis 16 Uhr), sowie Abendtreffen am 28. Februar, 21. März, 16. Mai, 6. Juni und 11. Juli (18.30 bis 21.30 Uhr). Freiwilliger Kostenbeitrag: 50 Euro. Alle Veranstaltungen finden im Caritas-Zentrum (Bahnhofstraße 20) in Freising statt. Infos und Anmeldung unter Tel (0 81 61) 5 38 79 30.

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