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Das schreckliche Schicksal vieler Juden im Landkreis erzählt der Historiker Guido Hoyer in seinem Buch.

Dokumentation über Stadtgeschichte

Bedroht, misshandelt, umgebracht: Guido Hoyer erzählt Schicksale jüdischer Familien in Freising

„Verfemt verfolgt vernichtet - Die Juden im Landkreis Freising unter dem NS-Terror“: Unter diesem Titel hat Guido Hoyer ein bewegendes Buch über die Schicksale jüdischer Familien geschrieben.

Freising – Ein bewegendes und beängstigendes Buch hat Guido Hoyer mit „Verfemt verfolgt vernichtet – Die Juden im Landkreis Freising unter dem NS-Terror“ geschrieben. Neutral verfasst wie eine historische Dokumentation, erregen die Geschichten bekannter Freisinger und Moosburger Familien wie Neuburger, Holzer, Lewin, Mayer oder Weiner, illustriert mit Aufnahmen der Betroffenen und ihrer Geschäfte, erstaunliches Unbehagen. Denn es zeigt sich, dass weder tapfere Teilnahme auf deutscher Seite am Ersten Weltkrieg noch Beliebtheit bei den Mitbürgern half. Bereits vor Hitlers Machtübernahme und erst recht danach wurde den Juden, bald auch den sogenannten „Halbjuden“ – mit denen sich Hoyer erstmals in einer solchen Dokumention über den Freisinger Raum ausführlich beschäftigt – übelst mitgespielt.

Zeitungsartikel und Briefe als Belege

Guido Hoyer hat ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte aufgeschlagen.

Zeitungsartikel und Briefe im Buch beweisen, wie sich das Klima immer weiter verschlimmert. Die jüdischen Mitbürger werden misshandelt, bedroht und de facto enteignet. Falls sie für ihren Besitz beim Verkauf noch Geld bekommen, wird dieses auf „Auswanderer-Sperrkonten“ festgesetzt. Und so wird genau die Auswanderung ohne Geld fast nicht mehr möglich. Im trotz seines nüchternen Ausdrucks schrecklichen Kapitel „Vernichtung“ wird gezeigt, wie und wohin die jüdischen Bewohner des Landkreises und ihre Verwandten deportiert werden, und die meisten in verschiedenen Vernichtungslagern sterben. Zitate beweisen dabei, dass in der Bevölkerung durchaus bekannt war, dass die Juden dort „vergast werden“.

Nahezu unfassbar ist es dann, im Teil „Wiedergutmachung?“ zu erfahren, dass von den wenigen Überlebenden fast alle große Probleme haben, für Enteignung, Zwangsarbeit und Ähnliches entschädigt zu werden. Gerade bei beliebten Firmen (wie beispielsweise dem Kaufhaus Neuburger) hatten sich seinerzeit „arische“ Händler Waren und Gebäude angeeignet, darunter sind einige in Freising bekannte Namen. Die Geschädigten mussten oft lange Prozesse führen und wurden meist mit Vergleichen abgespeist.

Erinnerung an Freisinger Autorin Laura Waco

Zum Abschluss erinnert Hoyer an die Autorin Laura Waco, geboren 1947 in Freising. Hier lehnte der Standesbeamte den geplanten jüdischen Vornamen Leie für das Mädchen ab: „So einen Namen gibt es Deutschland nicht.“ Als die damals 14-Jährige 1961 in der Schule einen Vortrag über die Shoah halten will, wird sie vom Lehrer unterbrochen, der meinst: „Wir müssen doch anerkennen, dass der Adolf Hitler einiges Gute geleistet hat . . .“ Für alle, die das auch glauben, sei die Lektüre von Hoyers Buch empfohlen, das akribisch genau zeigt, was passieren kann, wenn man einer Menschengruppe das Recht abspricht, Menschen zu sein.

Daniela Seulen

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