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Gynäkologe warnt: Alkohol in der Schwangerschaft schädigt den Nachwuchs

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Erfahrener Mediziner: Dr. Dario Vincenti weiß, welche Probleme Alkohol in der Schwangerschaft bereitet.
Erfahrener Mediziner: Dr. Dario Vincenti weiß, welche Probleme Alkohol in der Schwangerschaft bereitet. © Klinikum Freising

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann schwere gesundheitliche Folgen für das Baby haben. Gynäkologe Dr. Dario Vincenti warnt und gibt Tipps.

Landkreis – Zur Aktionswoche Alkohol berichtete das Freisinger Tagblatt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt über verschiedene Aspekte der Volkskrankheit Alkoholismus. Im Interview mit Michaela Baur, vom Gesundheitsamt Freising (Schwangerenberatung, Gesundheitsförderung und Gesundheitshilfen) spricht Dr. Dario Vincenti, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums Freising, über Alkohol in der Schwangerschaft und dessen Folgen.

Wie viele Geburten haben Sie im Klinikum jährlich, bei denen Alkohol in der Schwangerschaft eine Rolle gespielt hat?

Da wir keine Kinderklinik sind, werden betroffene Patientinnen im Zweifelsfall bereits von den niedergelassenen Ärzten direkt in ein Perinatalzentrum (Level 1) verwiesen. Sollten die Patientinnen erst bei uns auffällig werden, zum Beispiel im Anmeldegespräch mit den Hebammen im Kreißsaal, werden wir versuchen, die Patientin kurzfristig an ein Perinatalzentrum anzubinden. Anbindung bedeutet, dass die Patientin primär dort betreut wird und auch dort entbindet. Wir übernehmen dann aber zum Beispiel Routinekontrollen, CTG-Kontrollen, evtl. auch Dopplerkontrollen für die Kollegen, sodass die Patientin auch weiterhin wohnortnah behandelt wird. Auch für Notfälle sind wir dann primär für die Patientin erreichbar und auch zuständig. Das heißt, es findet alles in engem Austausch statt.

Welche Erfahrungen machen Sie im Klinikum Freising mit dem Thema Alkohol in der Schwangerschaft und FASD? Woran erkennen Sie das Krankheitsbild?

Generell gibt es unseres Wissens im Landkreis Freising kein ausgeprägtes Problem mit Alkohol in der Schwangerschaft. Wir haben zumindest im Klinikum Freising nahezu keine Geburten, bei denen ein übermäßiger oder überhaupt Alkoholkonsum in der Schwangerschaft eine Rolle spielt. Das Problem zu erkennen, ist vielschichtig. Eine zentrale Rolle kommt hierbei den niedergelassenen Frauenärzten, aber auch den Hebammen zu. Wir haben zum Glück in Freising sehr erfahrene Hebammen, die auch auf solche Probleme eingehen können. Diese zeigen sich allerdings oftmals erst im Aufnahmegespräch für die Geburt.

Viele Frauen wissen in der Frühphase noch nichts von ihrer Schwangerschaft und trinken daher Alkohol. Kann dies bereits erhebliche Schäden beim Ungeborenen verursachen?

Frauen sollten für die Gesundheit Ihres Kindes grundsätzlich keinen Alkohol konsumieren. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass ein versehentlicher Konsum von Alkohol in der Frühschwangerschaft das Embryo schädigen kann, aber die Schwangere sollte dennoch mit ihrem Gynäkologen darüber sprechen. Spätestens mit dem Bekanntwerden der Schwangerschaft sollten die werdenden Mütter jedoch vollständig auf Alkohol verzichten. Werden dennoch auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft in kleinen oder großen Mengen alkoholische Getränke konsumiert, schädigt das den Nachwuchs. Eine typische Krankheit bei diesen Kindern ist die fetale Alkoholspektrum-Störungen, kurz FAS genannt. Sie beeinträchtigt die Entwicklung und das gesamte Leben der betroffenen Kinder. Die Folgen sind körperliche Störungen, geistig-intellektuelle Einschränkungen, emotionale Schwierigkeiten und soziale Probleme. Kinder, die mit dem FAS zur Welt kommen, benötigen ihr ganzes Leben lang besondere Unterstützung und Zuwendung. Ursache für diese Krankheit ist meistens nicht Alkohol in der Frühschwangerschaft, sondern im späteren Schwangerschaftsverlauf.

Welche Angebote gibt es von Seiten des Klinikums in Freising für (werdende) Eltern mit FASD? Wohin kann man sich wenden?

Grundsätzlich können uns betroffene Schwangere jederzeit über den Kreißsaal oder die Ambulanz kontaktieren und einen Arzttermin vereinbaren. Die weitere Behandlung und FAS-Diagnose übernimmt jedoch ein Perinatalzentrum (Level 1). Wir helfen natürlich bei der Anbindung der Patientin an dieses. Vor allem unsere enge Kooperation mit der Kinderklinik Landshut ist hier sehr hilfreich. Wir stehen auch ständig in Kontakt mit den Kollegen und bleiben so über die Entwicklung unserer Patientinnen auf dem Laufenden.

Was möchten Sie werdenden Eltern oder Personen, die eine Schwangerschaft planen, in Bezug auf das Thema Alkohol in der Schwangerschaft mit auf den Weg geben?

Alkohol ist die Droge Nummer eins in Deutschland. Ist eine Schwangerschaft geplant, dann empfehle ich, den Alkoholkonsum bereits stark einzuschränken, am besten aber ganz auf Alkohol zu verzichten. Wenn eine Schwangerschaft in der Folge einer Feier/Party entsteht, was ja nicht so selten ist, dann ist das zunächst kein Weltuntergang. Spätestens mit dem Bekanntwerden der Schwangerschaft sollten die werdenden Mütter jedoch vollständig auf Alkohol verzichten.

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