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Armut ist auch in einer „reichen“ Stadt wie Freising ein Problem. Symbolbild

Diskussion am virtuellen Grünen-Stammtisch

Auch Freising hat ein Armutsproblem: Trotz Bemühungen zu wenig bezahlbarer Wohnraum – Interessentisch angeregt

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Zu wenig Sozialwohnungen und Obdachlosenunterkünfte: Auch in Freising ist Armut ein Problem. Lösungsvorschlage gibt es allerdings.

Freising – Auch in einer „reichen Stadt“ wie Freising ist Armut ein Problem. Vor allem mangelnde Sozialwohnungen und zu wenig Obdachlosenunterkünfte stellen die Betroffenen vor große Herausforderungen. Jetzt haben sich die Grünen an einem virtuellen Stammtisch mit dem Thema beschäftigt, dazu auch Kenner der Lage und Vertreter von Sozialorganisationen eingeladen.

„Wir bräuchten mehr bezahlbaren Wohnraum“

Dass es in der Stadt Obdachlosenunterkünfte gibt, sei lange Zeit nicht bekannt gewesen, startete Sabine Bock vom Zentrum der Familie die Runde. Doch Freisings Sozialreferentin Charlotte Reitsam habe „nachgebohrt“ und nun erreicht, dass eine bis dahin belegte Wohnung umgebaut und wieder als Unterkunft für die ganz harten und akuten Fälle ausgestattet worden sei. Doch das Problem, dass Menschen und Familien, die aus Notunterkünften ausziehen müssten und wollten, keine Wohnung fänden, gebe es noch immer.

Beate Drobniak, Vorständin der Diakonie Freising, wusste die Lösung: „Das ist eigentlich ganz simpel. Wir bräuchten mehr bezahlbaren Wohnraum.“ Das freilich, so wusste auch Drobniak, sei die Theorie. Das Problem könne nur politisch gelöst werden.

Barrieren, um Hilfe zu bitten, müssen möglichst niedrig sein

Dass die Stadt Freising da gar nicht schlecht dastehe, wurde im Verlauf der Diskussion deutlich: Reitsam verwies nicht nur auf die 1162 Sozialwohnungen im Stadtgebiet und die ständigen Modernisierungen und Ersatzbauten, sondern etwa auch auf das neue Baugebiet „Neustifter Feld“, bei dem ein Anteil an Sozialwohnungen vorgegeben sei. Ein weiterer Aspekt: Gerade in der Innenstadt stünden viele Häuser leer, oft auch, weil sich Erbengemeinschaften über die Zukunft des Gebäudes nicht einigen könnten. Dass die Stadt inzwischen auch der Präventionsarbeit mehr Raum einräume, begrüßte Drobniak. Und dass an diesem Montag im Finanzausschuss die Obdachlosenberatung an einen externen Bewerber vergeben werden soll, fand man auch sehr sinnvoll.

Man müsse die Menschen befähigen, aus ihrer Situation herauszukommen, so der Tenor. Drobniak regte aber auch einen „Interessentisch“ an, der sich der Belange der Klienten annehme und als deren „Sprachrohr und Lobby“ auftrete. Vivian Rasemann vom Ambulanten Fachdienst Wohnen Freising des Katholischen Männerfürsorgevereins München betonte in diesem Zusammenhang, dass die Barrieren, um Hilfe zu bitten, für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht seien, möglichst niedrig sein müssten: Eine externe Beratung sei da also richtig, denn allein schon das Wort „Amt“ stelle für viele eine zu hohe Hürde dar.

Hohe Dunkelziffer

Die Frage nach der Zahl der Obdachlosen in Freising konnte nicht genau beantwortet werden – vor allem deshalb, weil die Dunkelziffer wohl sehr hoch sei. Viele, gerade auch jüngere Menschen, würden mit „Couch-Surfing“ bei Freunden über die Runden kommen, tauchten in keiner Statistik auf. Und ein Punkt war vor allem Drobniak extrem wichtig: „Kinder raus aus ALG II!“ Das dürfe nicht sein.

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